Pflanzet Blumen
R. von Hornstein
Ich schlendre oft hinaus zur Wiese,
Wo zwischen Gras die Blumen blühn;
O Blumen ihr, o schöne Blumen,
was seh' ich gern euch farbig glühn!
Und seh' ich euch, als schaut' ich Mädchen,
Pocht mir das Herz, schwillt mir die Brust --
Wenn ich einst sterbe, pflanzt mir Blumen
Aufs Grab, die meine höchste Lust!
Oft neig' ich mich zur Blume nieder,
Und plaudre viel mit ihr und still,
Gesteh' ihr meine Liebe, frage
Ob wohl auch sie mich lieben will?
Sie gibt nicht Antwort, doch ich denke
Es sei mein Wort ihr wol bewusst --
Wenn ich einst sterbe, pflanzt mir Blumen
Aufs Grab, die meine höchste Lust!
Und dann, wer weiß, ob nicht das Duften
Der Blumen Sprache? Wir verstehn
Sie wol nur nicht, da durch den Körper
Zum Seelenohr nicht dringt ihr Wehn;
Den Geisteslaut riecht blos der Körper,
Er hört ihn nicht durch all den Wust --
Wenn ich einst sterbe, pflanzt mir Blumen
Aufs Grab, die meine höchste Lust!
Ja, Duft ist Sprache, ist der Blumen
Geheimes Lied, ihr Sang ist er;
Und löst im Grabe sich die Hülle,
Die jetzo mich umschließt so schwer,
Dann rieche ich nicht blos, ich höre
Der Blumen Lied auch vollbewußt --
Wenn ich einst sterbe, pflanzt mir Blumen
Aufs Grab, die meine höchste Lust!
O Blumenduft, o Sang der Blumen,
Du wirst mir Wiegenlied dort sein,
Bei deinen weichen holden Tönen
Süß schlummre ich im Frühling ein.
Und bis zum nächsten Lenze träumet
Die Seele an der Mutter Brust --
wenn ich einst sterbe, pflanzt mir Blumen
Aufs Grab, die meine höchste Lust!