Rosette
R. von Hornstein
Wie? Deinem Jugendlenz zum Hohn
Vermöchtest du für mich zu fühlen,
Für mich, dem vierzig Jahre schon
Genaht, sein heißes Blut zu kühlen?
Einst fachte meine Flamme an
Selbst die bescheidenste Grisette --
O, daß ich dich nicht lieben kann,
So wie ich einst geliebt Rosette!
In glänzend reichem Schmuck erblickt
In prächt'gem Wagen man dich täglich,
Indeß Rosette, leicht geschmückt,
Zu Fuß ging, lachend und beweglich;
Doch wo sie nur erschien, begann
Ein Streit von Blicken um die Wette --
O, daß ich dich nicht lieben kann,
So wie ich einst geliebt Rosette!
Wie stralt von Spiegeln dein Boudoir,
Und deine Schönheit stralt darinnen!
Rosetten's kleine Scherbe war
Der Grazien Spiegel meinen Sinnen.
Kein Purpurvorhang glüht' uns an;
Das Morgenroth beschien ihr Bette --
O, daß ich dich nicht lieben kann,
So wie ich einst geliebt Rosette!
Zwar deines Geistes hohes Wehn
Beseelte manche Dichterharfe;
Rosette konnt', ich muß gestehn,
Kaum lesen so zum Nothbedarfe.
Doch sprach die Liebe dann und wann,
Was Tiefsinn nie gesprochen hätte --
O, daß ich dich nicht lieben kann,
So wie ich einst geliebt Rosette!
Nie ward ihr diese Allgewalt,
Mit der aus sehnsuchtsvollen Blicken
Das Feuer deiner Seele stralt,
Mein Herz verlangend zu bestricken.
Doch meine eigne Jugend spann
All ihren Reiz um unsre Kette.
O, daß ich dich nicht lieben kann,
So wie ich einst geliebt Rosette!