Verwünschter Frühling

R. von Hornstein

Nach ihrem Fenster sah ich von dem meinen,

So lang der Eiswind durch die Gassen fuhr;

Wir liebten uns, doch einzig von Erscheinen,

Wir küßten uns, doch in Gedanken nur.

Durch die entlaubten Linden hin und wieder

Uns anzuschau'n war unsrer Tage Glück;

Du gibst den Bäumen ihren Schatten wieder,

Verwünschter Frühling, kehrst du stets zurück?

Entrückt ist mir, vom dichten Grün verborgen,

Der Engel nun, deß Lächeln mich erfreut,

Den ich begrüßt an jedem Rauchreifmorgen,

Wenn er den Vögeln Futter ausgestreut.

Sie riefen ihm, und seh'n wir um die Locken

Sie flattern, werd auch unsre Liebe flügg';

Nein, nichts so lieblich doch als Reif und Flocken!

Verwünschter Frühling kehrst du stets zurück?

Ach ohne dich würd' ich sie stets noch schauen,

Wenn sie sich Morgens frisch vom Lager hebt,

Auroren ähnlich, die mit ros'gen Brauen,

Des Tages Vorhang lüftend, aufwärts schwebt.

Und spät wenn ihres Lämpchens Schein zerflossen,

Versenkt noch spräch' ich in mein stilles Glück:

Sie schläft, mein Stern hat seinen Lauf beschlossen.

Verwünschter Frühling, kehrst du stets zurück?

Warum doch kann's nicht ewig Winter bleiben?

Dem Liebenden erschien die Zeit so schön.

Wie gerne hört' ich wieder an den Scheiben

Des leichten Hagels springendes Getön!

Was hilft denn alter Hoffart mir dein Fächeln,

Dein Balsam, deiner Sprosser Flötenstück?

Ach, die Geliebte sah' ich nimmer lächeln.

Verwünschter Frühling, kehrst du stets zurück?