Gedichte an die Nacht

R. Voortman

[So angestrengt wider die starke Nacht

werfen sie ihre Stimmen ins Gelächter,

das schlecht verbrennt. O aufgelehnte Welt

voll Weigerung. Und atmet doch den Raum,

in dem die Sterne gehen. Siehe, dies

bedürfte nicht und könnte, der Entfernung

fremd hingegeben, in dem Übermaß

von Fernen sich ergehen, fort von uns.

Und nun geruhts und reicht uns ans Gesicht

wie der Geliebten Aufblick; schlägt sich auf

uns gegenüber und zerstreut vielleicht

an uns sein Dasein. Und wir sinds nicht wert.

Vielleicht entziehts den Engeln etwas Kraft,

dass nach uns her der Sternenhimmel nachgiebt

und uns hereinhängt ins getrübte Schicksal.

Umsonst. Denn wer gewahrts? Und wo es einer

gewärtig wir: wer daft noch an den Nacht-Raum

die Stirne lehnen wie ans eigne Fenster?

Wer hat dies nicht verleugnet? Wer hat nicht

in dieses eingeborne Element

gefälschte, schlechte, nachgemachte Nächte

hereingeschleppt und sich daran begnügt?

Wir lassen Götter stehn und gohren Abfall,

denn Götter locken nicht. Sie haben Dasein

und nichts als Dasein, Überfluss von Dasein,

doch nicht Geruch, nicht Wink.] Nichts ist so stumm

wie eines Gottes Mund. Schön wie ein Schwan

auf seiner Ewigkeit grundlosen Fläche:

so zieht der Gott und taucht und schon sein Weiß.

[Alles verführt. Der kleine Vogel selbst

tut Zwang an uns aus seinem reinen Laubwerk,

die Blume hat nicht Raum und drängt herüber;

was will der Wind nicht alles? Nur der Gott,

wie eine Säule, lässt vorbei, verteilend

hoch oben, wo er trägt, nach beiden Seiten

die leichte Wölbung seines Gleichmuts.]