Die Spinnerin
Wagner, Richard
Spannen junge Spinnerinnen,
Spannen Flachs zu seinen Linnen,
Spannen spät bei Lampenschein:
Doch vor allen anderen Mädchen
Drehte Röschen glatt ihr Fädchen,
Dreht ihr Fädchen rund und fein.
Und es dringt zum Ohr des Zaren,
Wie ein Kind so jung an Jahren
Fleißig sich zum Rädchen hält;
Schickt ihr Flachs zu einem Wocken,
Blond und weich wie Röschens Locken:
Röschen, spinne mir ein Zelt!
Und von dem, was noch -- so schreibet
Ihr der Zar -- dir übrig bleibt,
Die mit Spinnen du vertraut:
Davon magst du Kleider spinnen,
Hochzeitskleider, und darinnen
Mir im Arme ruhn als Braut.
Klug ist Röschen, voller Pfiffe;
Federchen vom Weberschiffe
Schicket sie dem Zar in's Haus,
Zar! was du, vermag nicht jeder;
Zar! hier hast du eine Feder!
Mach' mir einen Webstuhl draus!
Und von dem, was noch -- so schreibet
Röschen ihm -- dir übrig bleibt,
Werd' ein Lusthaus aufgebaut!
In dem Lusthaus will ich wohnen,
Drinnen Kunst und Fleiß belohnen,
Dir im Arme ruhn als Braut.