An deinem Herzen, fromme Maid

R. Weinwurm

An deinem Herzen, fromme Maid,

Wie ruht sich's doch so selig tief,

Als ob des Lebens Harm und Leid

Für immerdar in mir entschlief!

Nun weiß ich's, Holde, wie mir war

Dereinst an meiner Mutter Brust;

Wie strahlt aus deinem Augenpaar

Mir, ach! der Kindheit Wonn' und Lust!

Den alten Klang, so silberhell,

Auf's neue hab' ich ihn erlauscht;

Auf's neu geschaut den klaren Quell,

Der frisch durch Edens Garten rauscht!

Doch plötzlich mitten in der Lust

Muß ich mich fragen athemlos,

Ob nicht für eine irdsche Brust

Solch hohe Seligkeit zu groß? --

Nimm freudig, was dein Gott dir beut,

Und trau' ihm fort mit neuem Muth:

Du hast's ja auch erfahren heut,

Wie's einmal sich im Himmel ruht!