Es war ein Knabe gezogen

R. Wüerst

Es war ein Knabe gezogen

Wohl in die Welt hinaus,

Und ob ihm sein Schatz auch gewogen,

Das Glück, das Glück war aus.

Er wanderte weit

In Sommerzeit

Wenn am Walde die Rosen blühn.

"Was bist du so hoch geboren,

Und ich nur ein armer Knab'?

Die Liebe, die Lieb' ist verloren,

Die Welt ist leer wie ein Grab!

Was soll mir mein Leid

Die Sommerzeit

Wenn am Walde die Rosen blühn!"

Das Mägdlein barg seine Klagen

Im stillen Kämmerlein,

Und durfte sie's Keinem sagen,

Sie hoffte jahraus, jahrein.

Sah über die Haid'

In Sommerzeit,

Wenn am Walde die Rosen blühn.

Es kam ein Reiter geflogen,

Seine Locken wehten im Wind,

Und bist du mir heut' noch gewogen,

Herzallerliebstes Kind?

Vergiß dein Leid

In Sommerzeit,

Wenn am Walde die Rosen blühn!

Er hielt sie in seinen Armen,

Ihr Herz in Wonne schlug,

Und hatte die Welt nicht Erbarmen,

Die Liebe war stark genug!

Und sie lachten Beid'

Wie die Sommerzeit,

Wenn am Walde die Rosen blüh'n!