Morgenklänge

R. Wüerst

Liebchen, mach' die Äuglein auf,

's ist so maiengrün!

Und die Lerche nimmt den Lauf

zu der Sonne hin.

Alles eilt dem Lichte zu,

du nur träumst in süßer Ruh'.

Rauschend tönt der helle Bach:

Holde Schläferin, erwach'!

Liebchen, hör' den Liebessang

jener Nachtigall,

ihren seelenvollen Klang

bei der Vögel Schall!

Willst du nicht die Blüten seh'n?

Fühlst du nicht des Frühlings Weh'n?

Flehend spricht sein seufzend Ach:

Holde Schläferin, erwach'!

Liebchen, alle Wonn' erblüht

in dem Herzen mein,

und die Morgensonne glüht

heiße Lieb' hinein.

Jauchzend ruft der Frühlingsgruß:

Nimm den warmen Liebeskuss!

Flüsternd tönt mein Sehnen nach:

Holde Schläferin, erwach'!