Ein Lied der Liebe

R. Zechlin

Seit du nicht da bist,

Ist die Stadt dunkel.

Ich sammle die Schatten

Der Palmen auf,

Darunter du wandeltest.

Immer muß ich eine Melodie summen,

Die hängt lächelnd an den Ästen.

Du liebst mich wieder –

Wem soll ich mein Entzücken sagen?

Einer Waise oder einem Hochzeitler,

Der im Widerhall das Glück hört.

Ich weiß immer,

Wann du an mich denkst –

Dann wird mein Herz ein Kind

Und schreit.

An jedem Tor der Straße

Verweile ich und träume;

Ich helfe der Sonne deine Schönheit malen

An allen Wänden der Häuser.

Aber ich magere

An deinem Bilde.

Um schlanke Säulen schlinge ich mich

Bis sie schwanken.

Überall steht Wildedel

Die Blüten unseres Blutes.

Wir tauchen in heilige Moose,

Die aus der Wolle goldener Lämmer sind.

Wenn doch ein Tiger

Seinen Leib streckte

Über die Ferne, die uns trennt,

Wie zu einem nahen Stern.

Auf meinem Angesicht

Liegt früh dein Hauch.