Sehnsucht

Raimund Schwedeler

In dieser Winterfrühe

Wie ist mir doch zumut!

O Morgenrot, ich glühe

Von deinem Jugendblut!

Es glüht der alte Felsen,

Und Wald and Burg zumal,

Berauschte Nebel wälzen

Sich jäh hinab das Tal.

Mit tatenfroher Eile

Erhebt sich Geist and Sinn,

Und flügelt goldne Pfeile

Durch alle Ferne hin.

Auf Zinnen möcht' ich springen

In alter Fürsten Schloß,

Möcht' hohe Lieder singen,

Mich schwingen auf das Roß!

Und stolzen Siegeswagen

Stürzt' ich mich brausend nach!

Die Harfe wird zerschlagen,

Die nur von Liebe sprach.

-Wie? schwärmst du so vermessen,

Herz, hast du nicht bedacht,

Hast du mit eins vergessen,

Was dich so trunken macht?

Ach, wohl! Was aus mir singet,

Ist nur der Liebe Glück,

Die wirren Töne schlinget

Sie sanft in sich zurück.

Was hilft, was hilft mein Sehnen?

Geliebte, wärst du hier!

In tausend Freudentränen

Verging' die Erde mir.