Der Gefangene
Richard Heuberger
Liegt ein armer Krieger in dem Thurm gefangen.
Väterlein, mein theures, löst mich aus dem Kerker!
"Söhnlein, mein vielliebes, was für dich zu geben?"
Ist nicht viel zu geben: die drei schwarzen Pferde.
"Söhnlein, mein vielliebes, ist zu viel zu geben!"
Liegt ein armer Krieger in dem Thurm gefangen.
Mütterlein, mein theures, löst mich aus dem Kerker!
"Söhnlein, mein vielliebes, was für dich zu geben?"
Ist nicht viel zu geben: die drei weißen Burgen.
"Söhnlein, mein vielliebes, ist zu viel zu geben."
Liegt ein armer Krieger in dem Thurm gefangen.
Brüderlein, mein theures, lös' mich aus dem Kerker!
"Brüderlein, vielliebes, was für dich zu geben?"
Ist nicht viel zu geben: die drei blanken Büchsen.
"Brüderlein, vielliebes, ist zu viel zu geben."
Liegt ein armer Krieger in dem Thurm gefangen.
Schwesterlein, mein theures, lös' mich aus dem Kerker!
"Brüderlein, vielliebes, was für dich zu geben?"
Ist nicht viel zu geben: die drei schönen Zöpflein.
"Brüderlein, vielliebes, ist zu viel zu geben."
Liegt ein armer Krieger in dem Thurm gefangen.
Liebchen, theures Liebchen, lös' mich aus dem Kerker!
"Mein geliebter Liebster, was für dich zu geben?"
Ist gar viel zu geben: traun, dein weißes Händchen.
"Mein geliebter Liebster, ist nicht viel zu geben:
Ist nicht viel zu geben, nur mein weißes Händchen.
Leicht für dich zu geben Hand und auch das Leben."