Abschied
Richard Senff
Morgen müssen wir verreisen
Und es muss geschieden sein.
Traurig ziehn wir unsre Straße,
Lebe wohl, mein Schätzelein!
Lauter Augen, feucht von Tränen,
Lauter Herzen voll von Gram:
Keiner kann es sich verhehlen,
Dass er schweren Abschied nahm.
Kommen wir zu jenem Berge,
Schauen wir zurück ins Tal,
Schau'n uns um nach allen Seiten,
Sehn die Stadt zum letzten Mal.
Wenn der Winter ist vorüber,
Und der Frühling zieht ins Feld,
Will ich werden wie ein Vöglein,
Fliegen durch die ganze Welt.
Dahin fliegen will ich wieder,
Wo's mir lieb und heimisch war.
Schätzlein, muß ich jetzt auch wandern,
Kehr' ich heim doch über's Jahr.
Über's Jahr zur Zeit der Pfingsten
Pflanz' ich Maien dir ans Haus,
Bringe dir aus weiter Ferne
Einen frischen Blumenstrauß.