Dornröschen

S. Breu

Dornröschen sitzt am Waldessaum

Und strählt die braunen Locken,

Der Nordwind pfeift durch Busch und Baum;

Dornröschen lauscht erschrocken.

Das zieht so kalt durch Herz und Sinn

Wie dumpfe Grabeslieder,

Bang sinnend starrt es vor sich hin,

Das Kinn gesenkt aufs Mieder:

"Wie öd' der Wald und liebeleer!

Kein Bienchen kommt zu nippen,

Und auch kein bunter Falter mehr,

Zu küssen meine Lippen!

Dahin sind Jubel und Gesang,

Fort all' die munt'ren Gäste!"

Dornröschen seufzt und blickt gar bang

Auf die entlaubten Äste.

Und fröstelnd hüllt es tief sich ein,

Schließt müd' die Augenlieder:

"O Lenz voll Lieb' und Sonnenschein,

Wann kehrst du endlich wieder?"