Mein Knabe, wie kömmst du

S. Kretschmer

Mein Knappe, wie kommst Du an Stirn und Brust

Und Arm von Blute so roth,

Und reitest als wie in erquicklicher Lust,

Als gäb' es nicht Jammer und Noth?

"Drei Rosen," sang er, "drei Rosen,

Die pflückt' ich aus feindlichem Tosen,

Die pflückt ich aus drohendem Tod."

Und als er kam vor das Königshaus,

Der junge siegende Held,

Da trat die Königinn selber heraus:

"Nun fordre, was Dir gefällt."

"Drei Rosen, hätt' ich drei Rosen,

Wie wollt' ich noch hundertmal losen

Um's Leben auf eisernem Feld!"

Die Königinn wußte, was Helden gebührt;

Was Helden kann machen gesund.

Da haben ihn schweigende Mägdlein geführt

In Zimmers verschwiegenen Rund.

"sic Drei Rosen gab sie, drei Rosen,

Drei Küsse mit freundlichem Kosen,

Von ihrem hellrosigen Mund.

Und drauf im erleuchteten, festlichen Saal

Stand Herzog und Grafe bereit,

Da sagte die Herrin: "zu dieser Zahl

Sei künftig mit Ehren gereiht,

Und heiße der Ritter von Rosen,

Und führ' im Wappen drei Rosen,

Und rosenfarb Helmbusch und Kleid."