Gluthen

S. Lange

Schönheit ist der Gott, den ich verehre,

Weib voll Liebreiz, Göttin bist du mir,

Diesen Becher, den ich freudig leere --

Bis zur Neige bringe ich ihn dir. --

Jeder Tropfen, der hinabgeflossen,

Gab dem Götterbilde neuen Schwung,

Und aus Schönheit ist die Lieb entsprossen,

Und mein Herz -- es fühlt sich wieder jung.

Ja! Die Schönheit und die Lieb' sind Schwestern

Unzertrennlich, ewig felsenfest;

Freundschaft? -- Freundschaft ist ein Kind von gestern,

Das dich Morgen grollend schon verlässt.

Sieh die Freunde all' vom Sturm vertrieben --

Welke Blätter fielen sie vom Baum';

Nur mein

Ich

ist mir zuletzt geblieben

Und von Treue -- ein erhabner Traum. --

Schöne Frau! hast dieses

Ich

gefangen,

Hast im Stein' den Funken noch entdekt,

Deine Lippen haben mein Verlangen,

Deine Augen meine Glut gewekt.

Lass' es sprühn das Feuer dieser Augen,

Hab' ihm oft und lange schon gelauscht,

Funken will ich, Flammen will ich saugen,

Bis das Meer der Gluten mich berauscht.

Bis ich in Vergessen hingesunken --

Sein und Nichtsein nimmer vor mir seh',

Und in Einem -- Einem Zug' getrunken

Himmel, Hölle, Seligkeit und Weh! --