Des Einsamen Klage
S. Neukomm
Der Lenz verblüht! die Freude blüht!
Mein Leben hat die Nacht umhüllt,
Und meine Seel' ein Schmerz erfüllt,
Der ewig in mir glüht!
Ich irr' umher aus ödem Meer;
Kein Eiland winkt mir lächelnd zu:
"Komm, Pilger, komm, bei mir ist Ruh',
Du trägst am Leben schwer."
Vom schönen Land bin ich verbannt;
In dunkler Ferne dämmert's kaum,
Es schwebt um mich im Morgentraum
Das Glüek, das mir verschwand.
Verlaßner ich! Schlägt nie für mich
Ein Herz, das meinen Gram versteht,
Durch's dunkle Leben mit mir geht?
O Herz, wo find' ich dich?
Der Liebe Licht, mir strahlt es nicht,
Es giebt kein Herz, das für mich schlägt,
Kein Busen, der für mich sich regt,
Kein Arm, der mich umflicht!
Ich steh' allein! mein dunkles Seyn
Hell macht der Hoffnung Morgenrot;
Nur deine Fackel, holder Tod,
Mir strahlt mit mildem Schein.
Wo weilest du? bring mich zur Ruh'!
Komm, führ' mich in dein stilles Land,
Und schließe mir mit sanfter Hand
Die trüben Augen zu.