Aus Junitagen
S. Salomon
Zwei Rosen leuchtend frische
Trug sie im dunklen Haar,
Ihr Blick, der träumerische,
Voll Glanz und Jugend war.
Das Korn durchlief ein Wogen,
Am Himmel weiß und weit
Die Federwolken zogen,
Es war zur Junizeit.
Die Lande küßte leise
Ein Glockenklang im Wind,
Und mein zur Lebensreise
Gab sich ein glückliches Kind,
Sie träumte von Glück und Frieden,
Von Lenzen, die nicht vergehn --
Und doch durft' ich hienieden
Sie nur noch einmal sehn.
Da schlang ein Kranz von Myrten
Sich durch ihr dunkles Haar,
Buntdüstre Schatten irrten
Um Chorstuhl und Altar,
Die Kerzen schwelten finster,
Der Tauwind sang am Dach,
Als man für sie im Münster
Das
De profundis
sprach.