Auf eines Berges Höhen

S. Seibt

Auf eines Berges Höhen,

Da steh ich hingebannt,

So weit die Blicke gehen,

Liegt abendstill das Land,

Des Himmels Wölbung blinket

In tiefem dunklen Blau;

Wie eine Kirche dünket

Mich jetzt der Weltenbau.

Hochrot in Purpur blühet

Der Westen wunderbar,

Im Weltentempel glühet

Er wie ein Hochaltar,

Es strahlt uns draus entgegen

Die Sonn' im Untergang,

Sie winkt den Abendsegen

Das weite Land entlang.

In Stadt und Dörfern klingen

Die Glocken vollen Klang,

Auf leisen hellen Schwingen

Verhallt der süße Sang,

Da zieh'n am Himmelsbogen

Gewalt'ge Wolken um,

Von Schatten wird umzogen

Des Altars Heiligtum.

Dann schweigt es in den Lüften,

Des Westens Rot vergeht,

Von süßen Blumendüften

Nur steh ich rings umweht;

Der schöne Tag verglühte,

Doch meiner Seele nicht:

Heim geh ich, im Gemüte

Voll Fülle, Segen, Licht.