Mein stilles Lied

S. Westendorp

Mein Herz ist eine traurige Zeit,

Die tonlos tickt.

Meine Mutter hatte goldene Flügel,

Die keine Welt fanden.

Horcht, mich sucht meine Mutter,

Lichte sind ihre Finger und ihre Füße wandernde Träume.

Und süße Wetter mit blauen Wehen

Wärmen meine Schlummer

Immer in den Nächten,

Deren Tage meiner Mutter Krone tragen.

Und ich trinke aus dem Monde stillen Wein,

Wenn die Nacht einsam kommt.

Meine Lieder trugen des Sommers Bläue

Und kehrten düster heim.

– Ihr verhöhntet meine Lippe

Und redet mit ihr. –

Doch ich griff nach euren Händen,

Denn meine Liebe ist ein Kind und wollte spielen.

Und ich artete mich nach euch,

Weil ich mich nach dem Menschen sehnte.

Arm bin ich geworden

An eurer bettelnden Wohltat.

Und das Meer wird es wehklagen

Gott.

Ich bin der Hieroglyph,

Der unter der Schöpfung steht

Und mein Auge

Ist der Gipfel der Zeit;

Sein Leuchten küßt Gottes Saum.