Trost der Hoffnung

S. Westenholz

Wenn auf meines Lebens Wegen

Nie mein Aug ein Blüchen sieht,

Wenn der Arbeit Lohn und Segen

Immer meinem Fleiß entflieht,

Wenn zu meines Lebens Glücke

Mir kein einz'ger Plan gelingt,

Scheelsucht, Hinterlist und Tücke

Mich um jede Freude bringt:

Dann reichst du aus lichter Ferne,

Holde Königin der Sterne,

Hoffnung! muthig, hehr und kühn,

Mir den Kranz von Immergün.

Wenn am Himmel meines Lebens

Mir kein Stern des Trostes scheint,

Wenn nach Mitgefühl vergebens

Mein gesenktes Auge weint;

Wenn die Hand die sanft ich drücke,

Kalt der meinem sich entzieht,

Wenn von jedem Lebensglücke

Auch der fernste Strahl entflieht:

Dann webst du im milden Lichte,

Hoffnung! himmlische Gesichte,

Und dein heller Spiegel weist

Schön're Zukunft meinem Geist.

Wenn der Freund der mir so herzlich

Freundschaft und Vertraun geschenkt,

(Ach! Verkennung ist so schmerzlich!)

Plötzlich mich mit Mißtraun kränkt;

Er, dem ich mich hingegeben,

Der mein ganzes Glück mir galt,

Mein durch ihn verödet Leben

Ruhig welken sieht, und kalt:

Dann enthauchst du mir die Zähren,

Hoffnung! übst mich im Entbehren,

Deine holde Segenshand

Winket Menschen, mir verwandt.

Und wenn endlich jeder Schimmer

Der Gewährung von mir weicht,

Freundschaft mir und Liebe nimmer

Einen Kranz für's Leben reicht,

Wenn ich einsam und verlassen

An des Grabes Rande steh',

Wenn ich, unbeweint den blaßen

Tod mir näher kommen seh':

Dann des Glaubens Erstgeborne,

Himmelstochter, Auserkorne,

Hoffnung der Unsterblichkeit,

Stärkst du mich im letzten Streit.