Weine nicht, es ist vergebens
S. Westenholz
Weine nicht, es ist vergebens,
Alle Freuden dieses Lebens
Sind ein Traum der Phantasie.
Mühe dich, es zu vergessen,
daß du einst ein Glück besessen,
denke, du besast es nie.
Kann hier etwas unserm Leben
Hohe süße Freude geben,
O! so gibt die Liebe sie.
Aber ach, auch sie verschwindet,
Und die Kränze, die sie windet,
Welken, leider, nur zu früh.
Thränen sollen diese Auen,
Wo wir wallen, nur bethauen;
Hadre nicht mit dem Geschick.
Hier, wo Leid an Leid sich reihet,
Wo die Freude nicht gedeihet,
Floh auch Liebe scheu zurück.
Ach, der Erdengüter größtes,
Und der schönsten Mädchen bestes
Nannt' ich -- Glücklichster -- einst mein!
Alles ist von mir geschieden,
Sie und meines Herzens Frieden,
Nur der Gram bleibt mir allein.
Warum wandeln sich in Leiden,
Fragst du, unsre besten Freuden?
Ohne Schatten ist kein Licht.
Auch, auch ich beseufze Stunden,
Wo ich Seligkeit empfunden,
Und sieh', doch, doch wein' ich nicht.
Weine nicht, und laß die Thoren
Um ein Glück, das sie verloren,
Naßen Blicks gen Himmel sehn.
Jene Welt ersetzet Leiden,
Wandelt unsern Gram in Freuden,
Dort, dort ist es ewig schön.