Des Sängers Gruß

S. Zimmermann

Sei mir gegrüßt! so ruft Getöne

der Seele mein zum Leierklang.

Sei mir gegrüßt, du holde Schöne,

der nun mein Blick ins Auge drang,

ins Auge groß und frei und mild,

dess' Widerschein mein Herz erfüllt.

Sei mir gegrüßt, sei mir gegrüßt!

Ja, sei gegrüßt, du glod'nes Leben,

denn ach, ich war dem Tode nah',

da sah ich dich vorüberschweben

und lebte neu, als ich dich sah.

So wahr wie Sonnenlichts Erguss

ist d'rum des Sängers Seelengruß.

Sei mir gegrüßt, sei mir gegrüßt!

Ja, sei gegrüßt! So lang' mein Leben,

so denk' ich dein, die mich erlöst

aus Kummersnacht und Todesstreben,

mir Lebenssehnsucht eingeflößt.

Ach, dieser Sehnsucht Wonnetraum

entrückt zu höh'rem Weltenraum.

Sei mir gegrüßt, sei mir gegrüßt!

O sei gegrüßt! Der Sterne Blinken

ist hell und klar wie Demantschein,

doch schau' ich deiner Augen Winken,

so ist dahin ihr Licht und Sein;

mir wird als Lohn dem Sängersgruß

nun der Geliebten erster Kuss.

Sei mir gegrüßt, sei mir gegrüßt!