Penthesilea

Schoeck, Othmar

Oper in einem Akt

Text nach dem Trauerspiel von Heinrich von Kleist

PENTHESILEA (Mezzosopran)

PROTHOE (Sopran)

MEROE (Sopran)

OBERPRIESTERIN (Alt)

ACHILLES (Bariton)

DIOMEDES (Tenor)

HEROLD (Bariton)

ERSTE AMAZONE (Sopran)

ZWEITE AMAZONE (Alt)

ERSTE PRIESTERIN (Sopran)

ZWEITE PRIESTERIN (Alt)

HAUPTMANN (Tenor)

SYSTEMEINZIGER AKT

OBERPRIESTERINWas gilt's? Dort naht die Unheilkunde schon.

hinter der Szene

AMAZONENPenthesilea, Königin, weh! Sie stürzt!

Eine Schar von Amazonen kommt hereingestürzt und eilt fluchtartig ab. Ihnen folgt Meroe

vom Hügel rufend

MEROEFlieht!

MEROEDas ganze Heer der Griechen stürzt heran!

OBERPRIESTERINIhr Götter des Olymps!

OBERPRIESTERINWas ist geschehn?

PRIESTERINWo ist die Königin?

MEROEIm Kampf gefallen,

MEROEDas ganze Amazonenheer zerstreut.

OBERPRIESTERINSag an: Wo? Wann?

MEROELass kurz das Ungeheuerste dir melden!

eilt nach vorn

MEROEAchill und sie, mit vorgelegten Lanzen,

MEROEBegegnen beide sich, zween Donnerkeile,

MEROEDie aus Gewölken ineinander fahren;

MEROEDie Lanzen, schwächer als die Brüste, splittern:

MEROEEr, der Pelide, steht, Penthesilea,

MEROESie sinkt, die todumschattete, vom Pferd.

MEROEDa schwingt vom Ross er sich zu ihr herab,

MEROERuft: Welch ein Blick der Sterbenden traf mich?

MEROEUnd während, von Entsetzen noch gefesselt,

MEROEDie Jungfrau'n stehn, des Wortes eingedenk

MEROEDer Königin, kein Schwert zu rühren wagen,

MEROEDreist der Erblassten naht er sich,

MEROEIn seinen Armen hebt er sie empor,

MEROEUnd laut die Tat, die er vollbracht, verfluchend,

MEROELockt er in's Leben jammernd sie zurück!

OBERPRIESTERINEr - was? Er selbst?

MEROEDa, mit des Pferdes Huftritt ihn verdrängend,

MEROEReisst Prothoe die Königin ihm fort.

MEROEIndes erwacht die Unglückselige,

MEROEMan führt sie röchelnd, mit zerriss'ner Brust,

MEROEDen hintern Reihn zu, wo sie sich erholt;

MEROEDoch er, der unbegriffne Doloper -

MEROEEin Gott hat in der erzgekeilten Brust

MEROEDas Herz in Liebe plötzlich ihm geschmelzt -

MEROEEr wirft das Schwert hinweg, den Schild hinweg,

MEROEUnd folgt der Kön'gin unerschrockenen nach.

Eine Priesterin geht suchend einige Schritte nach rechts, wo ale stehen bleibt

PRIESTERINSeht, seht! Da wankt, geführt von Prothoe,

PRIESTERINSie selbst, das Bild des Jammers, schon heran!

Penthasllea tritt von rechts, auf Prothoe gestützt, langsam, sich gleichsam mühsam vorwärtsscheppend, auf

OBERPRIESTERINIhr ew'gen Himmelsgötter!

OBERPRIESTERINWelch ein Anblick!

stehen bleibend, verhalten, dumpf

PENTHESILEA:

PENTHESILEAHetzt alle Hund' auf ihn!

PENTHESILEADie Elephanten peitschet auf ihn los!

PENTHESILEAMit Sichelwagen schmettert auf ihn ein,

PENTHESILEAUnd mähet seine üpp'gen Glieder ab!

PROTHOEGeliebte! Wir beschwören dich -

PROTHOEEs folgt dir auf dem Fusse der Pelide!

PENTHESILEAMir diesen Busen zu zerschmettern, Prothoe!

MEROESo willst du nicht entweichen?

PROTHOEWillst nicht fliehen?

MEROEWillst dich nicht retten?

gesteigerter

PENTHESILEA:

PENTHESILEAIst's meine Schuld, dass ich im Feld der Schlacht

PENTHESILEAUm sein Gefühl mich, kämpfend, muss bewerben?

PENTHESILEAIch will ihn ja, ihr ew'gen Götter! - nur

PENTHESILEAAn diese Brust will ich ihn niederziehn!

Meroe ersteigt inzwischen den Hügel

PROTHOESie rast!

OBERPRIESTERINUnglückliche!

PROTHOEDer Sturz hat völlig um's

PROTHOEBewusstsein sie gebracht.

auf dem Hügel

MEROEDer Pelide, ihr Jungfrau'n, ich beschwör euch,

MEROEIm Schuss der Pfeile naht er schon heran!

PROTHOESo fleh' ich dich auf Knien - rette dich!

PENTHESILEAAch, meine Seel' ist matt bis in den Tod!

PROTHOEEntsetzliche! Was tust du?

PENTHESILEAFlieht, wenn ihr wollt.

PROTHOEDu willst? -

MEROEDu säumst? -

PENTHESILEAIch will hier bleiben.

PROTHOEWie? Rasende!

PENTHESILEAIhr hörts. Ich kann nicht stehen.

PENTHESILEASoll das Gebein mir brechen? Lasst mich sein.

PROTHOEVerlorenste der Frau'n! Und der Pelide,

PROTHOEEr naht, du hörst, im Pfeilschuss -

ausbrechend

PENTHESILEALasst ihn kommen,

PENTHESILEALasst ihn den Fuss gestählt auf diesen Nacken setzen

PENTHESILEAUnd diesen Leib hier, frischen Lebens voll,

PENTHESILEADen Hunden mag er ihn zur Morgenspeise,

PENTHESILEADem scheusslichen Geschlecht der Vögel bieten:

PENTHESILEAStaub lieber, als ein Weib sein, das nicht reizt.

PROTHOEO Königin!

indem sie sich den Halsschmuck abreisst

PENTHESILEA:

PENTHESILEAWeg, ihr verdammten Flittern!-

PENTHESILEADie Hand verwünsch ich, die zur Schlacht mich

mit erhobener Stimme

PENTHESILEAHeut geschmückt.

PENTHESILEADer Würfel der Entscheidung liegt, er liegt:

PENTHESILEABegreifen muss ich's - und dass ich verlor!

besteigt wieder den Hügel

MEROE:

MEROEDiana, Königin! Du bist verloren,

MEROEWenn du nicht weichst!

vom Hügel herabeilend, sich an Penthesilea drängend

PROTHOE:

PROTHOEMein Schwesterherz! Mein Leben!

PROTHOEDu willst nicht fliehn? Nicht gehn?

in höchster Verzweiflung sich an einen Baum lehnend, gleichsam in Tränen ausbrechend

PENTHESILEA:

PENTHESILEAO Aphrodite!

plötzlich gerührt, setzt sich neben Penthesilea

PROTHOENun, wie du willst.

PROTHOEWenn du nicht kannst, nicht willst - sei's! Weine nicht,

PROTHOEIch bleibe bei dir. Geht, ihr Jungfrau'n,

PROTHOEGeht! Kehrt in eure Heimatsflur zurück!

PROTHOEDie Königin und ich, wir bleiben hier.

OBERPRIESTERINWie, du Unsel'ge?

OBERPRIESTERINDu bestärkst sie noch?

OBERPRIESTERINDa nichts, von aussen sie, kein Schicksal, hält,

OBERPRIESTERINNichts als ihr töricht Herz -

PROTHOEDas ist ihr Schicksal! -

PROTHOEWas fehlt dir? Warum weinst?

PENTHESILEASchmerzen, Schmerzen -

PROTHOEKann ich dir Lind'rung? -

PENTHESILEANichts, nichts, nichts. -

PENTHESILEAWenn ich zur Flucht mich noch -

PENTHESILEAWenn ich rasch wäre -

PENTHESILEAWo steht die Sonne?

PROTHOEDort, dir grad im Scheitel.

sieht unverwandt in die Sonne - sehnsüchtig

PENTHESILEA:

PENTHESILEADass ich mit Flügeln, weit gespreizt und rauschend,

PENTHESILEADie Luft zerteilte! -

Sie sammelt sich und steht auf

MEROESo willst du dich entschliessen?

PROTHOESo hebst du dich empor?

PROTHOESo sei's auch wie ein Riese! Sinke nicht,

PROTHOEUnd wenn der ganze Orkus auf dich drückte!

PROTHOESteh, stehe fest, wie das Gewölbe steht,

PROTHOEWeil seiner Blöcke jeder stürzen will!

PROTHOEBeut deinen Scheitel, einem Schlussstein gleich,

PROTHOEDer Götter Blitzen dar und rufe:

PROTHOETrefft!

PROTHOEUnd lass dich bis zum Fuss herab zerspalten,

PROTHOENicht aber wanke in dir selber mehr. -

PROTHOEKomm. Gib mir deine Hand.

hält den Blick unverwandt auf die Sonne gerichtet, wie entrückt

PENTHESILEA:

PENTHESILEAGeht's hier, geht's dort?

PROTHOEDu kannst den Felsen dort, der sicherer ist,

PROTHOEDu kannst auch das bequeme Tal hier wählen.

leise, in Verzückung

PENTHESILEA:

PENTHESILEADen Felsen!

PENTHESILEADa komm ich ihm um so viel näher. -

indem sie plötzlich, auf eine Brücke

gekommen, stehen bleibt

PENTHESILEADoch höre:

PENTHESILEAEins, eh' ich weiche, bleibt mir übrig noch.

MEROEUnd was?

PROTHOEUnglückliche!

wie im Wahnsinn

PENTHESILEA:

PENTHESILEAEins noch, ihr Freundinnen?

PENTHESILEADen Ida will ich auf den Ossa wälzen,

PENTHESILEAUnd auf die Spitze ruhig bloss mich stellen.

PROTHOESchützt, all ihr Götter, sie!

OBERPRIESTERINVerlorene!

schüchtern

MEROEDies Werk ist der Giganten, meine Königin!

PENTHESILEANun ja, nun ja: worin denn weich ich ihnen?

PROTHOEHimmel!

OBERPRIESTERINUnd wenn du es vollbrächtest, was würdest du?

heftig auffahrend

PENTHESILEABlödsinnige!

PENTHESILEABei seinen goldnen Flammenhaaren zög' ich

PENTHESILEAZu mir hernieder ihn -

PROTHOEWen?

PENTHESILEAHellos,

PENTHESILEAWenn er am Scheitel mir vorüberfleucht!

Alle sehen sich sprachlos, entsetzt an

OBERPRIESTERINReisst mit Gewalt sie fort!

in den Fluss starrend

PENTHESILEAIch Rasende! Da liegt er ja zu Füssen mir!

wild

PENTHESILEA:

PENTHESILEANimm mich!

Sie will sich In den Fluss stürzen und bricht zusammen. Prothoe, mit Hilfe einiger Priesterinnen, bringt die Ohnmächtige nach dem Vordergrund der Bühne

PROTHOEDie Unglückselige!

auf dem Hügel

PRIESTERINAchill erscheint, ihr Fürstinnen!

zu den Priesterinnen

OBERPRIESTERINFort! Hinweg!

OBERPRIESTERINNicht im Gewühl des Kampfes ist unser Platz.

Die Oberpriesterin mit den Priesterinnen ab. Amazonen stürzen herbei

AMAZONENIhr Götter! Flieht!

AMAZONENRette sich, wer retten kann!

ab

Die Amazonen reissen Meroe mit sich fort. Penthesilea und Prothoe allein.

Diomedes mit den Griechen tritt auf

DIOMEDESHier, meine wackeren Aeto!ier, Heran!

PROTHOEO Artemis! Du Heilige! Rette!

PROTHOEJetzt ist's um uns geschehn!

Diomedes und die Griechen dringen auf Penthesilea und Prothoe ein

DIOMEDESErgebt euch!

den Griechen entgegentretend

PROTHOEDem Sieger

PROTHOEErgeb ich sie, nicht dir! Was willst du auch?

PROTHOEDer Pelid ist's, dem sie angehört!

DIOMEDESSo werft sie nieder!

In diesem Augenblick erscheint Achilles ohne Helm und Waffen

stark und drohend

ACHILLESDer weicht, ein Schatten,

ACHILLESVom Platz, der mir die Königin berührt! -

ACHILLESMein ist sie! Fort! Was habt ihr hier zu suchen?

DIOMEDESSo! Dein!

DIOMEDESAus welchen Gründen auch? Mit welchem Rechte?

ACHILLESAus einem Grund, der rechts, und einem links. -

zu Prothoe

ACHILLESGib!

PROTHOEHier. Von deiner Grossmut fürcht' ich nichts.

nimmt Penthesilea in seine Arme

ACHILLESNichts, nichts.

DIOMEDESDoch nun, Doloperheld, wirst du gefällig

DIOMEDESZum Kampf um die Dardanerburg dich wenden?

wie abwesend, gedehnt

ACHILLESEr spricht von der Dardanerburg.

DIOMEDESSo hast du denn, gleich einem Morgentraum,

DIOMEDESUnsern Helenenstreich schon ganz vergessen?

tritt näher und legt ihm die Hand auf die Schulter

ACHILLESWenn die Dardanerburg, Tydide,

ACHILLESVersänke, du verstehst, so dass ein See,

ACHILLESEin bläulicher, an ihre Stelle träte,

verächtlich

ACHILLESSo wär's für mich gerad soviel, als jetzt.

ACHILLESDu gehst und folgst und schlägst die Frauen.

Diomedea macht eine entsprechende Gebärde

ACHILLESFort! Mir zu liebt Erwidre nichts.

Achilles legt Penthesilea an der Wurzel einer Eiche nieder

verlegen

DIOMEDESGut, wie du willst. -

zu den Griechen

DIOMEDESFolgt mir, eh' sich die Weiber wieder sammeln.

Diomedes und die Griechen ab

öffnet Penthesilea die Rüstung

ACHILLESSie lebt nicht mehr.

PROTHOEO möcht ihr Auge sich

PROTHOEFür immer diesem öden Licht verschliessen!

PROTHOEIch fürchte nur zu sehr, dass sie erwacht.

ACHILLESWo traf ich sie?

PROTHOESie raffte von dem Stoss sich,

PROTHOEDer ihr die Brust zerriss, gewaltsam auf;

PROTHOEDoch sei's der Glieder, der verwundeten,

PROTHOESei's der verletzten Seele Schmerz; sie konnte,

PROTHOEDass sie im Kampf gesunken dir, nicht tragen;

PROTHOEDer Fuss versagte brechend ihr den Dienst.

ACHILLESSie zuckte - sahst du es?

PROTHOEIhr Himmlischenl

PROTHOESo hat sie noch den Kelch nicht ausgeleert?

PROTHOESeht, o die Jammervolle, seht -

ACHILLESSie atmet.

PROTHOEPelide! Wenn du das Erbarmen kennst,

PROTHOEWenn ein Gefühl den Busen dir bewegt,

PROTHOESo gönne eine Bitte mir.

ACHILLESSprich rasch.

PROTHOEEntferne dich!

PROTHOETritt aus dem Antlitz ihr, wenn sie erwacht.

PROTHOEUnd lass ihr niemand nah'n,

PROTHOEDer sie begrüsste mit dem Todeswort:

PROTHOEDu bist die Kriegsgefangene Achill's.

ACHILLESSo hasst sie mich?

PROTHOEO frage nicht, Grossherz'ger -!

PROTHOEWie manches regt sich in der Brust der Frauen,

PROTHOEDas für das Licht des Tages nicht gemacht.

PROTHOEMuss sie zuletzt, wie ihr Verhängnis will,

PROTHOEAls die Gefangene schmerzlich dich begrüssen,

PROTHOESo fordr' es früher nicht, beschwör ich dich,

PROTHOEAls bis ihr Geist dazu gerüstet steht.

herrisch

ACHILLESMein Will' ist, ihr zu tun, muss ich dir sagen,

ACHILLESWie ich dem stolzen Sohn des Priam tat.

PROTHOEWie, du Entsetzlicher!

ACHILLESFürchtet sie dies?

PROTHOEDu willst das Namenlos' an ihr vollstrecken?

PROTHOEHier diesen jungen Leib, geschmückt mit Reizen,

PROTHOEDu willst ihn schändlich, einer Leiche gleich -

ACHILLESSag ihr, dass ich sie liebe.

PROTHOEWie -?

ACHILLESBeim Himmel, wie! Wie Männer Weiber lieben;

ACHILLESKeusch und das Herz voll Sehnsucht, doch in Unschuld,

ACHILLESUnd mit der Lust doch, sie darum zu bringen.

ACHILLESIch will zu meiner Königin sie machen.

PROTHOEIhr ew'gen Götter, sag das noch einmal.

PROTHOEDu willst?

ACHILLESKann ich nun bleiben?

PROTHOEO so lass

PROTHOEMich deine Füsse küssen, Göttlicher!

Penthesilea regt sich

PROTHOEDoch sieh: sie schlägt die Augen auf -

ACHILLESSie regt sich -

zu Achilles, der sich daraufhin hinter die Eiche stellt

PROTHOEJetzt gilt's!

PROTHOERasch hinter dieser Eiche berge dich! -

PROTHOENoch tiefer! -

PROTHOEUnd eher nicht, beschwör' ich dich, erscheine,

PROTHOEAls bis mein Wort dich ruft. Versprichst du mir's?

PROTHOEEs lässt sich ihre Seele nicht berechnen.

ACHILLESEs soll gescheh'n.

PROTHOENun denn, so merk jetzt auf!

leise, zärtlich

PROTHOEPenthesilea! O du Träumerin!

PROTHOEIn welchen fernen Glanzgefilden schweift

PROTHOEDein Geist umher, mit unruhvollem Flattern?

PROTHOEKomm, hebe dich an meine Brust.

völlig erwachend

PENTHESILEAWo bin ich?

PROTHOEKennst du die Stimme deiner Schwester nicht?

PROTHOEFührt jener Fels dich, dieser Brückenpfad,

PROTHOEDie ganze blüh'nde Landschaft nicht zurück?

PROTHOEDu seufzest. Was beängstigt dich?

PENTHESILEAAch Prothoe!

heftiger

PENTHESILEAWelch einen Traum entsetzensvoll träumt ich -

PENTHESILEAWie süss ist es - ich möchte Tränen weinen -

PENTHESILEADies mattgequälte Herz, da ich erwache.

PENTHESILEAAn deinem Schwesterherzen schlagen fühlen -

sehr erregt

PENTHESILEAMir war, als ob im heftigen Getümmel

PENTHESILEAMich des Peliden Lanze traf: Umrasselt

PENTHESILEAVon meiner erznen Rüstung schmett'r ich nieder,

PENTHESILEAUnd jeder Griff nach diesem Dolch versagt mir.

PENTHESILEAGefangen bin ich und mit Hohngelächter

PENTHESILEAZu seinen Zelten werd' ich abgeführt.

PROTHOENicht, meine hohe Königin!

PROTHOEDer Hohn ist seiner grossmutvollen Seele fremd.

PROTHOEWär' es, was dir im Traum erschien: glaub mir,

PROTHOEEin sel'ger Augenblick wär' dir beschieden.

PENTHESILEAFluch mir, empfing ich jemals einen Mann,

PENTHESILEADen mir das Schwert nicht würdig zugeführt!

PROTHOESei ruhig, meine Königin.

PENTHESILEAWie! Ruhig? -

PENTHESILEAIch war so ruhig, Prothoe, wie das Meer,

PENTHESILEADas in der Bucht der Felsen liegt; nicht ein

PENTHESILEAGefühl, das sich in Wellen mir erhob.

PENTHESILEADies Wort: sei ruhig! jagt mich plötzlich jetzt,

PENTHESILEAWie Wind die offnen Weltgewässer, auf.

PENTHESILEADu stehst so seltsam da, bist so verstört

PENTHESILEADu hörst's, es war ja nur ein Traum,

PENTHESILEAWie! Oder ist es? Rede-!

PENTHESILEAWo ist denn Meroe? Megaris?

sie sieht sich um und erblickt Achilles, schreiend

PENTHESILEAAh!! Entsetzlich!

gedämpft

PENTHESILEADa steht der Fürchterliche hinter mir.

PENTHESILEAJetzt meine freie Hand -

sie zieht den Dolch

PROTHOEUnglückliche!

sie sucht Penthesiles den Dolch zu entreissen

PENTHESILEAO die Nichtswürdige, sie wehret mir -!

PROTHOEAchilles, rette sie.

PENTHESILEAHinweg, sag ich! -

PROTHOESo sieh ihn doch nur an, Verlorene! -

PROTHOESteht er nicht ohne Waffen hinter dir?

gedehnt, In höchstem Erstaunen

PENTHESILEAWie? Was?

PROTHOENun ja! Bereit, wenn du's verlangst,

PROTHOESelbst deinem Fesselkranz sich darzubieten.

etwas rascher

PENTHESILEANein, sprich.

PROTHOEAchill! Sie glaubt mir nicht. Sprich du!

sehr gedehnt

PENTHESILEAEr wär gefangen mir?

zu Achill

PROTHOEWie sonst? Ist's nicht?

ACHILLESIn jenem schönern Sinn, erhabne Königin!

freimütig und innig

ACHILLESGewillt, mein ganzes Leben fürderhin,

ACHILLESIn deiner Blicke Fesseln zu zerflattern.

Penthesilea drückt sich die Hände vors Gesicht

In plötzlichem Eifer

PROTHOENun denn, da hörtest du's aus seinem Mund.

PROTHOEEr sank, wie du, als ihr euch traft, in Staub;

PROTHOEUnd während du entseelt am Boden lagst,

PROTHOEWard er entwaffnet -

zu AchIli, mit Beziehung

PROTHOENicht-?

ACHILLESIch ward entwaffnet;

ACHILLESMan führte mich zu deinen Füssen her.

Er beugt ein Knie vor ihr.

In Penthesileas Gebaren bricht sichtlich die namenlose Freude über das eben Vernommene durch.

mit sieghafter Grösse

PENTHESILEANun denn, so sei mir, frischer Lebensreiz,

PENTHESILEADu junger, rosenwang'ger Gott, gegrüsst!

mit wachsendem Jubel

PENTHESILEAHinweg jetzt, o mein Herz, mit diesem Blute,

PENTHESILEADas aufgehäuft, wie seiner Ankunft harrend,

PENTHESILEAIn beiden Kammern dieser Brüste liegt.

sie erhebt sich, Immer gesteigerter

PENTHESILEAIhr Boten, ihr geflügelteN, der Lust,

PENTHESILEAIhr Säfte meiner Jugend, macht euch auf,

PENTHESILEADurch meine Adern flieht, ihr jauchzenden,

PENTHESILEAUnd lasst es, einer roten Fahne gleich,

PENTHESILEAVon allen Reichen dieser Wangen wehn:

PENTHESILEADer junge Neridensohn ist mein!

PROTHOEO meine teure Kön'gin, mäss'ge dich.

Indem sie vorschreitet

PENTHESILEAHeran, ihr sieggekrönten Jungfraun, jetzt,

PENTHESILEAVom Staub der Schlacht noch überdeckt, heran.

PENTHESILEAAn euer Amt, ihr Priesterinnen Dianens:

PENTHESILEADass eures Tempels Pforten rasselnd auf

PENTHESILEAMir, wie des Paradieses Tore, fliegen!

PENTHESILEAUnd all ihr flatternden Gewänder, schürzt euch,

PENTHESILEAIhr goldenen Pokale füllt euch an!

PENTHESILEAIhr Tuben schmettert, donnert ihr Posaunen.

PROTHOEFreud' ist und Schmerz dir gleich verderblich,

PROTHOEUnd gleich zum Wahnsinn reisst dich beides hin.

mit innigstem Ausdruck

PENTHESILEAO lass mich, Prothoe! O lass dies Herz

PENTHESILEAZwei Augenblick' in diesem Strom der Lust,

PENTHESILEAWie ein besudelt Kind, sich untertauchen;

hingebend

PENTHESILEAMit jedem Schlag in seine üpp'gen Wellen

PENTHESILEAWäscht sich ein Makel mir vom Busen weg,

PENTHESILEADie Eumeniden fliehn, die schrecklichen,

PENTHESILEAEs weht wie Nah'n der Götter um mich her; -

PENTHESILEAZum Tode war ich nie so reif als jetzt.

PROTHOEO meine Herrscherin!

PENTHESILEADas Unglück, sagt man, läutert die Gemüter.

PENTHESILEAIch, du Geliebte, ich empfand es nicht;

PENTHESILEAErbittert hat es Göttern mich und Menschen,

PENTHESILEAIn unbegriffner Leidenschaft empört.

PENTHESILEAWie möcht ich alles jetzt, was mich umringt,

PENTHESILEAZufrieden gern und glücklich sehn! Ach Freundin!

PENTHESILEADer Mensch kann gross, ein Held, im Leiden sein,

PENTHESILEADoch göttlich ist er, wenn er selig ist!

für sich

PROTHOEDie Unglückselige! -

PENTHESILEASchaff Rosen mir herbei! -

PENTHESILEAKomm jetzt, du süsser Neridensohn,

PENTHESILEAKomm, lege dich zu Füssen mir - ganz her!

PENTHESILEADu fürchtest mich doch nicht?

PENTHESILEAVerhasst nicht, weil ich siegte, bin ich dir?

PENTHESILEASprich! Fürchtest du, die dich in Staub gelegt?

zu ihren Füssen

ACHILLESWie Blumen Sonnenschein.

PENTHESILEAGut, gut gesagt!

PENTHESILEASo sieh mich auch wie deine Sonne an. -

PENTHESILEADiana, meine Herrscherin, er ist verletzt!

ACHILLESGeritzt am Arm, du siehst, nichts weiter.

PENTHESILEAIch bitte dich, Pelide, glaube nicht,

PENTHESILEADass ich jemals nach deinem Leben zielte.

PENTHESILEAZwar gern mit diesem Arm hier traf ich dich;

PENTHESILEADoch als du niedersankst, beneidete

PENTHESILEAHier diese Brust den Staub, der dich empfing.

ACHILLESWenn du mich liebst, so sprichst du nicht davon.

ACHILLESDu siehst, es heilt schon.

PENTHESILEASo verzeihst du mir?

ACHILLESVon ganzem Herzen. -

sehr leise, etwas lauernd

PENTHESILEAJetzt - kannst du mir sagen,

PENTHESILEAWie es die Liebe macht, der Flügelknabe,

PENTHESILEAWenn sie den störr'gen Leun in Fesseln schlägt?

ACHILLESSie streichelt, denk ich, seine rauhen Wangen,

ACHILLESSo hält er still.

flüsternd

PENTHESILEANun denn, so wirst du dich

PENTHESILEANicht mehr als eine junge Taube regen,

PENTHESILEAUm deren Hals ein Mädchen Schlingen legt.

PENTHESILEADenn die Gefühle dieser Brust, o Jüngling,

PENTHESILEAWie Hände sind sie, und sie streicheln dich.

Prothoe bringt Penthesilea Rosenranken.

schwärmerisch

ACHILLESWer bist du, wunderbares Weib?

PENTHESILEAGib her; du wirst es schon erfahren -

sie umschllngt Achill mit einigen Rosenranken

PENTHESILEAWas atmest du?

ACHILLESDuft deiner süssen Lippen.

indem sie sich zurückbeugt

PENTHESILEAEs sind die Rosen, die Gerüche streun.

PENTHESILEANichts, nichts!

ACHILLESIch wollte sie am Stock versuchen.

PENTHESILEASobald sie reif sind, Liebster, pflückst du sie.

Sie setzt Ihm noch eine Ranke auf und lässt ihn gehen. Zu Prothoe

PENTHESILEAO sieh, Wie sein gewitterdunkles Antlitz schimmert!

PENTHESILEADer junge Tag, wahrhaftig, liebste Freundin,

PENTHESILEAEr sieht so weich und mild nicht drein, als er.

PENTHESILEASprich, wer den grössten der Priamiden

PENTHESILEAVor Trojas Mauern fällte, warst das du?

ACHILLESIch bin's.

siegesbewusst

PENTHESILEANun denn, so grüss ich dich mit diesem Kusse,

sie küsst ihn

PENTHESILEAUnbändigster der Menschen, mein! Ich bin's,

PENTHESILEADu junger Kriegsgott, der du angehörst.

ACHILLESO du,

ACHILLESDie eine Glanzerscheinung mir herabsteigt,

ACHILLESAls hätte sich das Ätherreich eröffnet,

ACHILLESGeöffnet steh'n die Pforten des Elysiums!

ACHILLESWie hat der Gott der Liebe mich ereilt!

PENTHESILEAO Freund!

PENTHESILEADu Tagstern unter bleichen Nachtgestirnen!

PENTHESILEAGeöffnet stehn die Pforten des Elysiums!

PENTHESILEAO wie errat ich jetzt,

PENTHESILEAVon wo mir dies Gefühl zum Busen rauschte.

PENTHESILEAWie hat der Gott der Liebe mich ereilt!

PENTHESILEAZwei Dinge nur:

PENTHESILEADich zu besitzen oder umzukommen!

BEIDEUnd jetzt ist uns das Süsseste erreicht!

ACHILLESUnbegreifliche, wer bist du?

ACHILLESWie nenn' ich dich, wenn meine eigne Seele

ACHILLESSich, die entzückte, fragt, wem sie gehört?

PENTHESILEAWenn sie dich fragt, so nenne diese Züge,

PENTHESILEADas sei der Nam', in welchem du mich denkst. -

PENTHESILEAWenn dir der Nam' entschwänd',

PENTHESILEAFändst du mein Bild in dir wohl wieder aus?

PENTHESILEAKannst du's wohl mit geschloss'nen Augen denken?

ACHILLESEs steht so fest, wie Züg' in Diamanten.

PENTHESILEAIch bin die Königin der Amazonen,

PENTHESILEAOtrere war die grosse Mutter mir,

PENTHESILEAUnd mich begrüsst das Volk: PENTHESILEA.

ACHILLESPenthesilea -

PENTHESILEAJa, so sagt ich dir.

ACHILLESMein Schwan singt noch im Tod: Penthesilea.

leise

PENTHESILEADie Freiheit schenk ich dir,

PENTHESILEADu kannst den Fuss ins Heer der Jungfrau'n setzen

PENTHESILEAWo du willst, denn eine andre Kette denk ich noch,

PENTHESILEAWie Blumen leicht und fester doch als Erz,

PENTHESILEADie dich mir fest verknüpft, ums Herz zu schlagen.

gesprächig, etwas nüchtern

PENTHESILEAWir treten jetzt

PENTHESILEADie Reise gleich nach Themiscyra an:

PENTHESILEAIn Themiscyra erst, Nereidensohn,

PENTHESILEAKann ich mich ganz, aus voller Brust, dir weihn.

PENTHESILEADoch nun, mich rufen mancherlei Geschäfte,

PENTHESILEASo lass mich gehen.

gedehnt

ACHILLESWie?

PENTHESILEALass mich aufstehn, Freund.

ACHILLESDu fliehst? Du weichst? Du lässest mich zurück?

ACHILLESNoch eh' du meiner sehnsuchtsvollen Brust

ACHILLESSo vieler Wunder Aufschluss gabst, Geliebte?

PENTHESILEAIn Themiscyra, Freund.

ACHILLESHier, meine Königin!

PENTHESILEAIn Themiscyra, Freund, in Themiscyra. -

PENTHESILEALass mich!

PROTHOEWie? Meine Königin! Wo willst du hin?

PENTHESILEADie Scharen will ich mustern - sonderbar!

PENTHESILEAMit Meroe will ich sprechen, mit Megaris.

PENTHESILEAHab' ich, beim Styx, jetzt nichts zu tun, als plaudern?

PROTHOEDas Heer verfolgt die flücht'gen Griechen,

PROTHOELass Meroe die Sorge, du brauchst der Ruhe noch.

Achilles sucht Penthesilea mit Ton und Handbewegung wieder zu fesseln.

ACHILLESWas ist's, du wunderbares Weib, dass du

ACHILLESIn unsern Streit vor Troja plötzlich fällst?

ACHILLESWas treibt, von Kopf zu Fuss in Erz gerüstet,

ACHILLESDich gegen das Geschlecht der Griechen an?

ACHILLESDu, die sich bloss in ihrer Schöne ruhig

ACHILLESZu zeigen brauchte, Liebliche, das ganze

ACHILLESGeschlecht der Männer dir im Staub zu sehen?

PENTHESILEAAch, Nereidensohn! -Sie ist mir nicht,

PENTHESILEADie Kunst, vergönnt, die sanftere, der Frauen!

PENTHESILEANicht bei dem Fest, wie deines Landes Töchter,

PENTHESILEADarf ich mir den Geliebten ausersehn;

PENTHESILEANicht in dem nachtigall-durchschmetterten

PENTHESILEAGranatwald, wenn der Morgen glüht, ihm sagen,

PENTHESILEAAn seine Brust gesunken, dass er's sei.

PENTHESILEAIm blut'gen Feld der Schlacht muss ich ihn suchen,

PENTHESILEADen Jüngling, den mein Herz sich auserkor,

PENTHESILEAUnd ihn mit ehrnen Armen mir ergreifen,

PENTHESILEADen diese weiche Brust empfangen soll.

ACHILLESTraun! Seltsam. -

PENTHESILEAMich dünkt, du lächelst, Lieber.

ACHILLESDeiner Schöne.

ACHILLESIch war zerstreut - vergib - ich dachte eben,

ACHILLESOb du mir aus dem Monde niederstiegst? -

er versinkt in Nachdenken

PENTHESILEAO Pelide!

PENTHESILEAMein ewiger Gedanke, wenn ich wachte,

PENTHESILEAMein ew'ger Traum warst du!

Man hört Waffengeräusch in der Ferne

aufstehend

PENTHESILEAArgiver nah'n! Erhebet euch!

ACHILLESRuhig! Es sind Gefang'ne, meine Königin.

gedehnt

PENTHESILEAGefangene? - Sagt! Was gibt's?

mit Wärme, aber bestimmt

ACHILLESDu sollst den Gott der Erde mir gebären!

ACHILLESDoch nicht nach Themiscyra folg ich dir,

ACHILLESVielmehr du, nach der blühenden Phtia, mir;

ACHILLESDenn dort führ ich dich jauchzend hin

ACHILLESUnd setze dich, ich Seliger, auf meiner Väter Thron.

PENTHESILEAWie? Was? Kein Wort begreif ich -

mit bittender Gebärde zu Achilles

PROTHOENereidensohn! Willst du! -

in höchster Erregung

PENTHESILEAWas ist's, was gibt's denn?

ACHILLESNichts, nichts, erschrick nicht, meine Königin,

ACHILLESDu siehst, es drängt die Zeit, wenn du nun hörst,

ACHILLESWas über dich der Götter Schar verhängt.

ACHILLESZwar durch die Macht der Liebe bin ich dein,

ACHILLESUnd ewig diese Banden trag ich fort;

ACHILLESDoch durch der Waffen Glück gehörst du mir;

ACHILLESBist mir zu Füssen, Treffliche, gesunken,

ACHILLESAls wir im Kampf uns trafen, nicht ich dir.

PENTHESILEAEntsetzlicher!

ACHILLESIch bitte dich, Geliebte!

ACHILLESBeherrsche dich und höre, wie ein Felsen,

ACHILLESDen Boten an, der dort, wenn ich nicht irre,

ACHILLESMit irgend einem Unheliswort mir naht.

ACHILLESDenn dir, begreifst du wohl, dir bringt er nichts,

ACHILLESDein Schicksal ist auf ewig abgeschlossen;

ACHILLESGefangen bist du mir, ein Höllenhund

ACHILLESBewacht dich minder grimmig, als ich dich!

PENTHESILEAIch, die Gefang'ne dir?

PROTHOESo ist es, Königin!

die Hände aufhebend, jäh ausbrechend

PENTHESILEAIhr ew'gen Himmelsmächt'! Euch ruf ich auf!

Ein Hauptmann tritt mit einer Schar Krieger von links auf.

ACHILLESWas bringst du mir?

HAUPTMANNEntferne dich, Pelide!

HAUPTMANNDas Schlachtglück lockt, das wetterwendische,

HAUPTMANNDie Amazonen siegreich vor;

HAUPTMANNAuf diesen Platz hier stürzen sie heran,

HAUPTMANNUnd ihre Losung ist: Penthesilea!

ACHILLESMit euern Wagen rädert sie!

mit zitternder Lippe

PENTHESILEANein, sieh den Schrecklichen! Ist das derselbe?

ACHILLESSind sie noch weit von hier?

HAUPTMANNHier in dem Tal

HAUPTMANNErblickt man ihren goldnen Halbmond schon.

Er wendet sich zum Hügel und späht aus

tritt vor Penthesilea

ACHILLESSo folg' mir denn ins Griechenlager, Königin!

PROTHOEO meine Herrscherin!

ausser sich

PENTHESILEAMir keinen Blitz, Zeus, sendest du herab!

kommt wieder nach vorn

HAUPTMANNVom Platz hier fort,

HAUPTMANNDoloperheld! Vom Platze! Die Amazonen nahn!

aufrufend

ACHILLESPenthesilea!

PENTHESILEADu willst mir nicht nach Themiscyra folgen?

PENTHESILEADu willst mir nicht zu jenem Tempel folgen,

PENTHESILEADer aus den fernen Eichenwipfeln ragt?

PENTHESILEAKomm her, ich sagte dir noch alles nicht -

ACHILLESNach Phtia, Königin!

PENTHESILEAO!- Nach Themiscyra, Freund!

PENTHESILEANach Themiscyra, sag ich dir!

PENTHESILEAUnd wenn der Sel'gen Sitz in Phtia wäre!

PENTHESILEADoch, doch, o Freund! Nach Themiscyra noch.

ACHILLESIch bau' dir einen Tempel bei mir auf.

PENTHESILEADu folgst mir nicht? - Folgst nicht?

Diomedes stürzt mit Kriegern heran, letztere panikartig ab; Diomedes drängt sich nahe an Achilles heran.

DIOMEDESFort! Achilles!

DIOMEDESDer einz'ge Weg, der dir noch offen bleibt,

DIOMEDESDen schneiden dir die Frauen eben ab. Fort!

Er sucht vergebens Achilles mit sich fortzureissen und eilt nach rechts ab. Meroe tritt auf, ihr folgen auf dem Fusse die Amazonen. Achilles wendet sich einige Schritte nach rechts, Penthesilea immer fest im Auge behaltend, alles mit ruhiger Sicherheit.

MEROESchlagt ihn zu Boden!

AMAZONENFasst ihn, greift ihn!

Alle dringen auf Achilles ein

mit drohender Gebärde gegen die Amazonen und Meroe

PENTHESILEADem ist ein Pfeil geschärft des Todes,

PENTHESILEADer mir sein Haupt berührt!

Die Anstürmenden stutzen und senken ihre Bogen. Achilles geht noch einige Schritte nach rechts, alle fest im Auge und bleibt nochmals stehen.

siegesbewusst

ACHILLESNach Phtia, Königin!

rasch ab

Gleichzeitig stürzt die zweite Hälfte der Amazonen auf die Szene. Oberpriesterin und Priesterinnen folgen. Alle umdrängen freudig Penthesllea und Prothoe

AMAZONENTriumph! Triumph! Sie ist gerettet!

PENTHESILEAVerflucht sei dieser schändliche Triumph mir!

PENTHESILEAVerflucht jedwede Zunge, die ihn feiert,

PENTHESILEADie Luft verflucht mir, die ihn weiter bringt!

PENTHESILEAWar ich, nach jeder würd'gen Rittersitte,

PENTHESILEANicht durch das Glück der Schlacht ihm zugefallen!

PENTHESILEANereidensohnl --

MEROE$Ihr Götter, hört ich recht?

AMAZONENWeh! Verrat!

MERONEEhrwürd'ge Priesterin der Artemis,

MERONETritt näher vor, ich bitte dich! -

tritt aus der Reihe der Amazonen hervor

OBERPRIESTERINNun denn, du setzest würdig, Königin,

OBERPRIESTERINDen Taten dieses Tags die Krone auf.

OBERPRIESTERINNicht bloss, dass du die Sitte wenig achtend,

OBERPRIESTERINDen Gegner dir im Feld der Schlacht gesucht,

OBERPRIESTERINNicht bloss, dass du, statt ihn in Staub zu werfen,

OBERPRIESTERINIhm selbst im Kampf erliegst, nicht bloss, dass du

OBERPRIESTERINZum Lohn dafür ihn noch mit Rosen kränzest:

OBERPRIESTERINDu zürnst auch deinem treuen Volke noch,

OBERPRIESTERINDas deine Ketten bricht, du wendest dich,

OBERPRIESTERINUnd rufst den Überwinder dir zurück. -

OBERPRIESTERINWohlan denn, grosse Tochter Tanais:

OBERPRIESTERINFrei in des Volkes Namen sprech ich dich!

OBERPRIESTERINDu kannst den Fuss jetzt wenden, wie du willst,

OBERPRIESTERINKannst ihn mit flatterndem Gewand ereilen,

OBERPRIESTERINDer dich in Fesseln schlug! -

OBERPRIESTERINVerflucht das Herz, das sich nicht mäss'gen kann!

OBERPRIESTERINMEROE und die AMAZONEN

dumpf

OBERPRIESTERINVerflucht!

Alle, ausser Prothoe, wenden sich von Penthesilea ab.

wankend

PENTHESILEAProthoe!

PROTHOESchwesterherz!

PENTHESILEAO! Bleib bei mir!

PROTHOEIm Tod, du weisst. - Was bebst du, Königin?

PENTHESILEANichts, es ist nichts, ich werde gleich mich sammeln.

Ein Herold tritt auf.

MEROEEin Herold naht dir, Königin!

PROTHOEWas bringst du?

völlig ohne Ausdruck, kalt und rasch

HEROLDMich sendet dir Achilleus, Königin,

HEROLDUnd lässt durch meinen Mund dir kündigen:

HEROLDWeil dich Gelüst treibt, als Gefangnen ihn

HEROLDNach deinen Heimatfluren abzuführen,

HEROLDIhn aber auch hinwiederum Gelüst,

HEROLDNach seinen Heimatfluren dich:

HEROLDSo fordert er zum Kampf, auf Tod und Leben,

HEROLDNoch einmal dich ins Feld hinaus. -

HEROLDHast du's auf solchen Strauss zu wagen Lust?

PENTHESILEALass dir vom Wetterstrahl die Zunge lösen,

PENTHESILEAVerwünschter Redner, eh' du wieder sprichst! -

zu Prothoe

PENTHESILEADu musst es Wort für Wort mir wiederholen!

PROTHOEDer Sohn des Peleus, glaub ich, schickt ihn her,

PROTHOEUnd fordert dich aufs Feld hinaus;

PROTHOEVerweig're kurz dich ihm und sage nein!

fassungslos, gedehnt

PENTHESILEADer Sohn des Peleus fordert mich ins Feld?! -

PROTHOEZum Kampf, ja, meine Herrscherin.

ausbrechend

PENTHESILEADer mich zu schwach weiss, sich mit ihm zu messen,

PENTHESILEADer ruft zum Kampf mich, Prothoe, ins Feld?

PENTHESILEAHier diese treue Brust, sie rührt ihn erst,

PENTHESILEAWenn sie sein scharfer Speer zerschmetterte?

PROTHOEVergiss den Unempfindlichen.

PENTHESILEANun denn,

PENTHESILEASo ward die Kraft mir jetzo, ihm zu stehen:

PENTHESILEASo soll er in den Staub hinab, und wenn

PENTHESILEAJupiter und Giganten ihn beschützen!

AMAZONENWeh! Weh!

HEROLDDu willst im Kampf dich? -

PENTHESILEAStellen will ich mich:

PENTHESILEAEr soll im Angesicht der Götter mich,

PENTHESILEADie Furien auch ruf' ich herab, mich treffen!

Herold ab. Der Donner rollt.

AMAZONENWeh! sie rast! weh ihr!

PROTHOEGeliebte Königin! -

OBERPRIESTERINHörst du ihn, der dir zürnt?

PENTHESILEAIhn ruf ich

PENTHESILEAMit allen seinen Donnern mir herab!

OBERPRIESTERINIhr Fürstinnen! -

AMAZONENAh -

PENTHESILEAHerbei, Ananke, Führerin der Hunde!

MEROEUnmöglich ist's!

PROTHOEKönigin!

PENTHESILEAIhr Sichelwagen, kommt, ihr blinkenden,

PENTHESILEAIhr Reiterscharen, stellt euch um mich her!

PENTHESILEADu ganzer Schreckenspomp des Kriegs, dich ruf ich,

PENTHESILEAVernichtender, entsetzlicher, herbei!

Sie ergreift den Bogen aus der Hand einer Amazone.

AMAZONENDie Rasende!

Der Donner rollt heftig.

PROTHOEO! Sie ist ausser sich!

MEROESie ist wahnsinnig!

ausser Penthesiiea

ALLEAh!

kniet nieder mit allen Zeichen des Wahnsinns

PENTHESILEADich Ares, ruf ich jetzt, dich Schrecklichen.

ALLE ÜBRIGENWeh uns!

PENTHESILEADich, meines Hauses hohen Gründer, an!

PENTHESILEAO! - Deinen erznen Wagen mir herab:

PENTHESILEAWo du der Städte Mauern auch und Tore

PENTHESILEAZermalmst, Vertilgergott, gekeilt in Strassen,

PENTHESILEADer Menschen Reihen jetzt auch niedertrittst.

AMAZONENLästerin, weh uns!

PENTHESILEAO - Deinen erznen Wagen mir herab:

PENTHESILEADass ich den Fuss in seine Muschel setze,

PENTHESILEADie Zügel greife, durch die Felder rolle,

PENTHESILEAUnd wie ein Donnerkeil aus Wetterwolken,

PENTHESILEAAuf dieses Griechen Scheitel niederfalle!

steht auf

gleichzeitig

AMAZONENPenthesilea! Weh dir!

MEROEAuf! Wehrt der Rasenden!

Penthesiiea entgegentretend

PROTHOEGeliebte meiner Seele! Höre mich!

Penthesiiea stösst Prothoe von sich, den gespannten Bogen auf sie anlegend.

Penthesiiea in den Bogen fallend, aufschreiend

PROTHOEPenthesilea! Schwesterseele!

AMAZONEN, MEROE, OBERPRIESTERINRasende!

PENTHESILEAWohlan! Wir kämpfen, siegen MITEINANDER!

Heftige Gewitterschläge.

ausser Penthesiiea

ALLEWeh uns! Weh!

Penthesiiea, Prothoe, Meroe und Amazonen tumultarisch ab. Oberpriesterin und Priesterinnen bilden eine Gruppe im Vordergrund.

OBERPRIESTERINFort, eilt ihr nach!

OBERPRIESTERINSchleunig auf den Kreuzweg hin, legt Schlingen ihr.

PRIESTERINMeinst du die Königin?

OBERPRIESTERINDie Hündin mein ich!

OBERPRIESTERINUnd reisst, wenn sich ihr Fuss darin verfängt,

OBERPRIESTERINSie nieder, bindet sie!

PRIESTERINNENEs ist entsetzlich!

OBERPRIESTERINWas säumt ihr noch. Fliegt, rast und seht

OBERPRIESTERINOb alles noch zu retten sei.

Priesterinnen rasch ab.

die Hände zum Himmel hebend

OBERPRIESTERINIhr Ew'gen! Was beschlosst ihr über uns!

Ab

hinter ihm Diomedes mit einigen Griechen

ACHILLESHa! Stellt sie sich?

ACHILLESWas sagt er, stellt sie sich?

DIOMEDESSie nahet schon,

DIOMEDESJedoch mit Hunden auch und Elephanten

DIOMEDESUnd einem ganzen wilden Reitertross.

DIOMEDESWas die beim Zweikampf sollen, weiss ich nicht.

DIOMEDESDie Waffen ihm herbei, die Pferde vor!

weist die Waffen zurück

ACHILLESSie tut mir nichts, sag ich.

ACHILLESDies wunderbare Weib - halb Furie, halb Grazie -

ACHILLESSie liebt mich!

ACHILLESUnd beim Styx, beim Hades - ich sie auch!

DIOMEDESDu hast sie in die Schranken nur gefordert,

DIOMEDESBloss um ihr -

ACHILLESAuf ein, zwei Monde will ich ihr

ACHILLESIn dem, was sie begehrt, zu Willen sein.

ACHILLESDann bin ich wieder frei, und folgt sie mir,

ACHILLESBeim Jupiter, ich wär' ein Sel'ger,

ACHILLESKönnt' ich auf meiner Väter Thron sie setzen.

Achilles geht mit einer freudigen Gebärde ab. Diomedes und die Griechen sehen ihm verwundert nach, raffen kopfschüttelnd seine Waffen zusammen und eilen damit ab.

hinter der Szene, um Hilfe rufend

ACHILLESDiomed!!

Er erscheint mit allen Anzeichen des Entsetzens auf der Höhe, in höchster Erregung rufend

ACHILLESTydide!!

Er geht einige Schritte nach vom, gegen die Mitte der Bühne; wie suchend bleibt er stehen und wendet sich zurück. In diesem Augenblick erscheint Penthesilea, den aufgelegten Pfeil auf dem noch gesenkten Bogen und bleibt lauernd, in bedrohlicher Haltung stehen.

mit abwehrend erhobenen Händen gegen Penthesilea, laut und eindringlich, mit bebender Stimme

ACHILLESPenthesilea, meine Braut' Was tust du?!

ACHILLESIst dies das Rosenfest, das du versprachst?!

Er weicht Schritt um Schritt, langsam vor der ihn wie ein Jäger das Wild verfolgenden Penthesilea und flieht hinter die Szene. Penthesilea bleibt einen Augenblick stehen und späht, wie ihn suchend, hinter die Szene

reckt sich plötzlich wild auf, triumphierend, aufschreiend

PENTHESILEAHa! Sein Geweih verrät den Hirsch!

Sie hebt den Bogen, spannt ihn aufs äusserste, zielt in der Richtung, wo Achilles verschwand und schiesst nach rückwärts rufend, mit sieghafter Gebärde

PENTHESILEATriumph!!

Der Bogen entgleitet ihrer Hand, sie lacht grässlich auf und stürzt Achilles nach. Die Amazonen stürzen herein über die Bühne und Penthesilea hinter die Szene nach.

AMAZONENTriumph!! Triumph!! Achilleus fällt!

Hinter ihnen folgen die Oberpriesterin und die Priesterinnen. Eine Priesterin bleibt, hinter die Szene blickend, plötzlich wie angewurzelt stehen.

entsetzt aufschreiend

EINE PRIESTERINAh! Euch, ihr der Hölle grauenvolle Götter,

EINE PRIESTERINZu Zeugen ruf ich auf - was erblick ich?!

OBERPRIESTERINNun denn - als ob sie die Medus erblickte!

OBERPRIESTERINWas siehst du? Rede! Sprich!

DIE PRIESTERINPenthesilea,

DIE PRIESTERINSie liegt, den grimm'gen Hunden beigesellt

DIE PRIESTERINUnd reisst die Glieder-

DIE PRIESTERINDie Glieder des Achill reisst sie in Stücken!

OBERPRIESTERINEntsetzen! O Entsetzen!

ALLEFürchterlich!

stürzt atemlos herein

MEROEO ihr, Dianens heil'ge Priesterinnen! -

OBERPRIESTERINSprich, Grässliche, was ist geschehn?!

MEROEIhr habt

MEROEDas rohe Siegsgeschrei des Volkes vernommen!

MEROEAchilles stürzt,

MEROEDen Pfeil, den weitvorragenden, im Nacken,

MEROEHebt er sich röchelnd auf und überschlägt sich,

MEROEUnd hebt sich wiederum und will entfliehn;

MEROEDoch hetz! schon ruft sie: Tigris! hetz! Leäne!

MEROEUnd stürzt - stürzt mit der ganzen Meut, o Diana!

MEROESich über ihn und reisst - reisst ihn beim Helmbusch

MEROEGleich einer Hündin, Hunden beigesellt, ihn nieder!

MEROESie schlägt, die Rüstung ihm vom Leibe zerrend,

MEROEDer Zahn schlägt sie in seine weisse Brust

MEROESie und die Hunde, die wetteifernden.

MEROEAls ich erschien,

MEROETroff Blut von Mund und Händen ihr herab. -

MEROEJetzt steht sie lautlos da, die Grauenvolle,

MEROEBei seiner Leich', umschnüffelt von der Meute,

MEROEUnd blicket starr,

MEROEIn das Unendliche hinaus - und schweigt.

nach einer Pause, dumpf

ALLEWeh uns! Wehe!

OBERPRIESTERINO die gebar Otrere nicht! Die Gorgo

OBERPRIESTERINHat im Palast der Hauptstadt sie gezeugt!

Lange Pause

Die Nacht ist hereingebrochen. Die mit einem wallenden Purpur bedeckte Leiche des Achilles wird, von den Amazonen umgeben und gefolgt, langsam hereingetragen. Eine Amazone wendet sich jäh um und flieht entsetzt zurück.

EINE AMAZONESeht, seht ihr Frau'n! Da schreitet sie heran

EINE AMAZONEIm Aufruhr ihres Wahns, die Grässliche!

EINE AMAZONEDen blutigen Triumph auf fahlen Wangen,

EINE AMAZONEAls wär's der Todfeind, den sie überwunden!

Penthesilea, entblösst von allen Waffen, mit den Zeichen des Wahnsinns behaftet, schreitet langsam, nachtwandlerisch herein und bleibt, ins Leere starrend, in weiter Entfernung von den übrigen, die mit Grauen auf sie blicken, stehen.

schaudernd

ERSTE PRIESTERINO diese Händ'! -

ZWEITE PRIESTERINO wendet euch, ihr Frauen!

PROTHOEO meine Mutter!

OBERPRIESTERINDiana ruf' ich an:

OBERPRIESTERINIch bin an dieser Greueltat nicht schuldig!

ERSTE AMAZONEWas steht sie so erstarrt? -

ZWEITE AMAZONEWas sucht das Auge in der grausen Leere? -

OBERPRIESTERINEs blickt die Ruhe meines Lebens tot. -

OBERPRIESTERINGeh, Prothoe, ich bitte dich, geh, geh,

OBERPRIESTERINIch kann sie nicht mehr sehn, entferne sie.

PROTHOEWeh mir!

sie zögert

streng

OBERPRIESTERINEntschliesse dich!

nähert sich zaghaft Penthesilea

PROTHOEWillst du dich niederlassen, meine Königin?

PROTHOEWillst du an meiner treuen Brust nicht ruhn?

PROTHOEViel kämpftest du an diesem Schreckenstag,

PROTHOEViel auch, viel littest du - von so viel Leiden

PROTHOEWillst du an meiner treuen Brust nicht ruhn?

nach einer Pause, wie ein Hauch

PENTHESILEAAch, Prothoe!

AMAZONENSie spricht - sie redet - horchet!

tritt ermutigt einen Schritt näher, zärtlich, scheu

PROTHOEMein Schwesterherz, Mein süsses! O mein Leben!

PROTHOEVernimm mich!

leise

PENTHESILEABin ich im Elysium?

PENTHESILEABist du der ewig jungen Nymphen eine,

PENTHESILEADie unsre hehre Königin bedienen,

PENTHESILEAWenn sie, von Eichenwipfeln still umrauscht,

PENTHESILEAin die kristallne Grotte niedersteigt?

inniger

PROTHOEErkläre dich, Geliebte! Wir versteh'n nicht -

in Verzückung

PENTHESILEAIch bin so selig, Schwester! Überselig!

PENTHESILEAGanz reif zum Tod, Diana, fühl ich mich!

PENTHESILEAZwar weiss ich nicht, was hier mit mir geschehn'

PENTHESILEADoch gleich des festen Glaubens könnt ich sterben,

PENTHESILEADass ich mir den Peliden überwand.

Sie steht hoch aufgerichtet und sieht ins Weite

hastig, gedämpft, zu den Frauen hinüber

PROTHOERasch jetzt die Leich' hinweg!

mit plötzlich verändertem Ton, gefährlich verhalten

PENTHESILEAO Prothoe!

PENTHESILEAMit wem sprichst du?

Sie macht einen Schritt gegen die Bahre

tritt Ihr entgegen

PROTHOEFort, Rasende!

ausbrechend

PENTHESILEAO Diana! So ist es wahr?!

sie verhüllt sich das Haupt

PROTHOEO bei den furchtbaren Mächten des Olymps,

PROTHOEFrag' nicht! -

rasend

PENTHESILEAHinweg! Und wenn mir seine Wunde,

PENTHESILEAEin Höllenrachen gleich, entgegengähnte!

PENTHESILEAIch will ihn sehn'

Sie läuft auf die Bahre zu, schreckt vor dem bleichen Antlitz des Toten entsetzt weit zurück

PENTHESILEAWer von euch tat das, ihr Entsetzlichen?!!

schneidend

OBERPRIESTERINDas fragst du noch?!

empört

AMAZONENDie Ungeheuerste!

AMAZONENDas fragt sie UNS!!

Penthesilea hat, unbeweglich vor Entsetzen, auf den Toten gestarrt und die Augen geschlossen. Durchs Gewölk fällt ein Mondstrahl auf die Leiche Achills, welcher die Blicke Penthesileas wieder zu dem Toten hinüberzieht.

PENTHESILEAAch, diese blut'gen Rosen!

PENTHESILEAAch, dieser Kranz von Wunden um sein Haupt!

PENTHESILEAAch, wie die Knospen, frischen Grabduft streuend,

PENTHESILEAZum Fest für die Gewürme niedergeh'n!

PENTHESILEAWie kam es denn, dass er sich nicht gewehrt?

OBERPRIESTERINEr liebte dich,

OBERPRIESTERINUnseligste! Gefangen

OBERPRIESTERINWollt' er sich dir ergeben, darum naht' er!

OBERPRIESTERINDarum zum Kampfe fordert' er dich auf!

OBERPRIESTERINDie Brust voll süssen Friedens kam er her,

OBERPRIESTERINUm dir zum Tempel Artemis' zu folgen.

OBERPRIESTERINDoch du -

mit unheimlicher Gelassenheit einfallend

PENTHESILEASo, - so -

OBERPRIESTERINDu trafst ihn!

wie vorher

PENTHESILEAIch zerriss ihn?

PROTHOEO meine Königin!

PENTHESILEAOder war es anders?

gedämpft

ERSTE AMAZONEDie Grässliche!

PENTHESILEAKüsst' ich ihn tot?

gedämpft

ERSTE PRIESTERINO Himmel!

PENTHESILEANicht? Küsst ich nicht?

PENTHESILEAZerrissen wirklich?

PENTHESILEASo war es ein Versehen. Küsse, Bisse,

PENTHESILEADas reimt sich, und wer recht von Herzen liebt,

PENTHESILEAKann schon das eine für das andere greifen.

Sie schreitet zur Bahre und lässt sich vor der Leiche auf die Knie nieder.

PENTHESILEAJetzt sag ich deutlich dir, wie ich es meinte:

PENTHESILEADies, du Geliebter, war's und weiter nichts.

Sie beugt sich über den Toten und küsst ihn, dann erhebt sie sich feierlich und reckt sich, die Hände ballend und die Lippen pressend, in stolzer Grösse auf.

ERSTE AMAZONEWas brütet sie, die Schreckliche, wohl jetzt?

ERSTE PRIESTERINWas zeugte ihr der grause Kuss?

MEROEWas strafft,

MEROEWelch fürchterlich Entschliessen, ihre Brust?

OBERPRIESTERINWill sie - folgt sie dem Jüngling in den Tod?

sich Penthesilea angstvoll nähernd

PROTHOEGeliebteste, gib mir ein einzig Wort.

PROTHOEHörst du mich nicht? Siehst du nicht unsre Angst?

Penthesilea hat, ganz in sich gekehrt, ihre Haltung bewahrt. Nun beugt sie, indem sie zu singen anhebt, gespannt, gekrampft, in einem übermächtigen Willen, die Augen schliessend, ihr Haupt in den Nacken, dehnt die Arme und drückt die gespreizten Hände, als ob sie Dolche hielten, langsam in weitem Bogen schliessend, auf ihre Brüste; so verharrt sie in schmerzvoller Erstarrung.

PENTHESILEADenn jetzt steig ich in meinen Busen nieder,

PENTHESILEAGleich einem Schacht, und grabe, kalt wie Erz,

PENTHESILEAMir ein vernichtendes Gefühl hervor.

PENTHESILEADies Erz, dies läutr' ich in der Glut des Jammers

PENTHESILEAHart mir zu Stahl; tränk es mit Gift sodann,

PENTHESILEAHeiss ätzendem, der Reue, durch und durch;

PENTHESILEATrag es der Hoffnung ew'gem Amboss zu,

PENTHESILEAUnd schärf und spitz es mir zu einem Dolch;

PENTHESILEAUnd diesem Dolch jetzt reich ich meine Brust:

Sie senkt ihr Haupt auf die Brust

PENTHESILEASo! - So! - So! - Und wieder!

schreit auf

PROTHOESie stirbt!

PROTHOEHelft, Schwestern! Helft mir!

Prothoe springt zu und fängt die Stürzende in ihren Armen auf.

PENTHESILEANun ist's gut.

Sie stirbt und gleitet aus den Armen Prothoes auf die Leiche Achills.

Alle Umstehenden bleiben unbeweglich.