Traumleben

Schönberg, Arnold

Ich wandle wie im Traume,

Als wäre mein Aug' verhüllt,

Und rings die Welt von düster-

Dämmernder Nacht erfüllt.

Die Menschen wallen vorüber

Stumm und gestaltenlos,

Die lauten Straßen ruhen

Wie in des Todes Schooß.

Die Welt scheint ganz erstorben,

Versenkt in schwarzer Gruft, --

Doch weht es über die Gräber

Weithin wie Rosenduft.

Ich hör's in meinen Träumen

Wie Nachtigallenschlag,

Heimliche Weisen tönen

Wohl über den ganzen Tag.

Dein Auge nur glänzt ferne

Und leuchtet durch meine Nacht,

Wie eine blaue Blüte

In dunklem Felsenschacht.

Um meinen Nacken schlingt sich

Ein blütenweicher Arm,

Es ruht auf meinem Munde

Ein Frühling jung und warm.

Ich wandle wie im Traume,

Als wäre mein Aug' verhüllt, --

Du hast mit deiner Liebe

All' meine Welt erfüllt.

Die Welt scheint ganz gestorben,

Wir beide nur ruhen allein,

Von Nachtigallen umklungen

Im blühenden Rosenhain...