Vergißmeinnicht

Schönberg, Arnold

War ein Blümlein wunderfein,

Hieß Vergißmeinnicht,

Stand in Mutters Kämmerlein,

Schimmerte so treu und blau

Wie des Himmels Licht.

Mutter lag im Bettlein krank,

Und ihr Herze bricht;

Streckt sie noch die Hände schwank

Sprachlos nach dem Blümlein aus:

Kind, vergiß mein nicht!

Kindlein hat es wohl bedacht,

Holt das Blümlein blau,

Setzt es heimlich in der Nacht

Weinend auf der Mutter Grab,

Übers Herz genau.

Und das Blümlein wurzelt gern

In das Grab hinein;

Schreibt mit manchem blauen Stern

Auf der Mutter kühles Bett:

Kind vergaß nicht dein!

Und zum Grabe schleicht das Kind

Aus dem fremden Haus:

«Mutter!» ruft es, horcht und sinnt, --

«Komm' ach! nur ein einzigmal

Aus dem Grab heraus!

Blümlein, Blümlein, wurzle du

Tief bis an ihr Herz!

Bring' ihr in die Grabesruh',

Lieber Bote, meinen Gruß,

Sag' ihr meinen Schmerz.»

Und beim nächsten Morgenrot,

Ach wie freudenklar!

Lag das Kind im Bettlein tot;

Einen Kranz von Blümlein blau

Trug es in dem Haar.