Genoveva
Schumann, Robert
HIDULFUS, Bischof von Trier (Bariton)
SIEGFRIED, Pfalzgraf (Bariton)
GENOVEVA (Sopran)
GOLO (Tenor)
MARGARETHA (Sopran)
DRAGO, Haushofmeister (Bass)
BALTHASAR, Diener in Siegfrieds Schloss (Bass)
CASPAR, Jäger (Bariton)
CONRAD, Siegfrieds Edelknecht
CHORRitter - Geistliche - Knappen - Knechte - Volk
SYSTEMERSTER AUFZUG
Grosser Schlosshof in Siegfrieds Burg
CHORErhebet Herz und Hände
CHORVoll Andacht himmelan
CHORZu Ihm, dess' Macht ohn' Ende,
CHORDem All' wir untertan!
CHORSein Reich es soll besteh'n
CHORIn aller Ewigkeit,
CHORFür ihn zum Tod zu geh'n,
CHORSind allzeit wir bereit!
CHORWas sollt' uns bringen Schaden,
CHORWill er nur mit uns sein,
CHOREr ist der Quell der Gnaden,
CHORDas Heil bei ihm allein.
HIDULFUSZu einem gottgefäll'gen Kampfe
HIDULFUSRüstet Ihr Euch!
HIDULFUSEs gilt dem Erzfeind unsers Glaubens,
HIDULFUSAbdorrhaman, der aus Spanien in
HIDULFUSDas Frankreich hereingebrochen!
CHORVerderben ihm!
HIDULFUSVon seinen Gräueln empört,
HIDULFUSErhebt sich der gewalt'ge Karl Martell,
HIDULFUSUnd ruft die Tapfern dieses Landes auf,
HIDULFUSDen Frechen mit dem Schwert zu strafen -
CHORHeil Karl Martell!
HIDULFUSIn seinem Namen fordr' auch ich euch auf,
HIDULFUSBewaffne jeder sich, der Kraft
HIDULFUSEin Schwert zu tragen in sich fühlt,
HIDULFUSDem edlen Pfalzgraf Siegfried,
HIDULFUSDem Karl des Krieges Führung anvertraut,
HIDULFUSZum heil'gen Zug sich anzuschliessen,
HIDULFUSZu schützen Christi Kreuz!
CHORWir sind bereit!
HIDULFUS UND CHORSo streite denn, du tapfre Schaar,
HIDULFUS UND CHORDer Christenheit zu Ruhm und Ehr';
HIDULFUS UND CHORDer Engel Heer fleuch' vor dir her,
HIDULFUS UND CHORDer Herr sei mit dir immerdar!
HIDULFUS UND CHORSein Reich es soll besteh'n
HIDULFUS UND CHORIn aller Ewigkeit,
HIDULFUS UND CHORFür ihn zum Tod zu geh'n
HIDULFUS UND CHORSind allzeit wir bereit!
HIDULFUS UND CHORWas sollt' uns bringen Schaden,
HIDULFUS UND CHORWill er nur mit uns sein,
HIDULFUS UND CHOREr ist der Quell der Gnaden,
HIDULFUS UND CHORDas Heil bei ihm allein!
GOLOKönnt' ich mit ihnen! Weiht' auch mich
GOLODes heil'gen Mannes Segensspruch!
GOLOWer doch wie sie
GOLOIn blut'ger Feldschlacht könnte werben
GOLOUm Ruhm, - den Tod der Ehre sterben!
GOLOEin Anderes ist mir beschieden -
GOLORuh' - Still-sein! - - Wär' es auch der Frieden!
GOLOFrieden, zieh' in meine Brust,
GOLOSänftige das tiefe Leid,
GOLODer Gefühle grimmen Streit, -
GOLOFrieden, zieh' in meine Brust!
GOLOTrüb' will Alles mir erscheinen,
GOLOWie die Sonn' auch golden scheint -
GOLOKönnt' ich klagen, könnt' ich weinen,
GOLOTränen, wie ich sonst geweint!
GOLOWie anders mein Sinnen
GOLOIn früheren Tagen!
GOLODa trieb's mich hinaus
GOLOZu Kampf und Strauss!
GOLOKein Ross mir zu wild,
GOLOKeine Kluft mir zu breit,
GOLOZu eng das Gefild,
GOLOKein Ziel mir zu weit!
GOLOUnd kehrt' ich dann heim
GOLOZu fröhlicher Rast,
GOLOWie klang da beim Schalle
GOLODer Zither mein Lied,
GOLOVom Lobe des Sängers
GOLOErtönte die Halle.
GOLOWie zollten sie alle
GOLODem fröhlichen Sang
GOLOSo minniglich Dank,
GOLOUnd feuriger schwang
GOLOBeim gastlichen Mahl
GOLOZum vollen Pokal
GOLOEmpor sich der Sang! - -
GOLODas war in früheren Tagen, -
GOLOUnd jetzt! -
GOLOFrieden, zieh in meine Brust etc. etc.
GOLOSiegfried, Siegfried -
GOLODu ein zweiter Vater mir, dem
GOLOIch alles danke,
GOLOWas tust du mir!
GOLOZum Hüter deines Weibes hast
GOLODu mich bestellt! -
GOLOUnd ich, ein Mensch,
GOLOSoll diesen Himmel wahren! -
GOLOIch seh' sie nahen, - könnt' ich flüchten,
GOLOVerbergen mich, wohin kein Strahl der Sonne dringt!
Siegfried, Genoveva, Drago, Balthasar, Caspar, Dienerschaft
SIEGFRIEDSo wenig Monden erst, dass ich Dich fand, -
SIEGFRIEDUnd schon entreisst Dich mir ein streng Geschick.
GENOVEVAOb auch getrennt, uns eint ein heilig Band,
GENOVEVAIn fernste Ferne reicht der Liebe Blick.
SIEGFRIEDDu bist ein deutsches Weib, so klage nicht -
SIEGFRIEDSollt' ich ertragen unsers Glaubens Schmach?
GENOVEVAWärst du kein Held, Du wärest Siegfried nicht
GENOVEVAUnd keine Klagen sendet' ich Dir nach.
SIEGFRIEDDer Trübsal Nacht folgt einst ein Freudentag.
GENOVEVAWo Du auch weilst, Dir folgt die Liebe nach.
SIEGFRIEDO herrlich Streiten, für die Christenheit,
SIEGFRIEDDes Krieges Banner glorreich zu erheben!
GENOVEVADer Dich mir gab, er sehe mich bereit,
GENOVEVAAuf sein Gebot mein Liebstes hinzugeben.
SIEGFRIEDDu liebend Weib -
GENOVEVAGeliebter Mann -
BEIDEBeglückt' wem solch' ein Held / Weib gegeben!
SIEGFRIEDDies gilt uns! -
SIEGFRIEDZu Euch noch
SIEGFRIEDWen'ge Worte! Drago,
SIEGFRIEDTreu hast du dich stets bewährt,
SIEGFRIEDDeiner Pflege sei vertraut
SIEGFRIEDMein Gesinde, halt' es wohl!
DRAGOWie Ihr sagt, so wird's getan.
SIEGFRIEDEiner fehlt noch - Golo -
SIEGFRIEDDu der Nächste meinem Hause
SIEGFRIEDStehst so fern?
GENOVEVAWie bleich er sieht -
DRAGOWie verstört -
GENOVEVAEs schmerzt der Abschied
GENOVEVAIhn vor allen -
SIEGFRIEDMöchtest gern wohl
SIEGFRIEDMit mir in den Krieg?
GOLOIhr sagt's!
SIEGFRIEDBesser dienst Du hier mir. - Sieh,
SIEGFRIEDNur dem Besten möcht' ich meiner
SIEGFRIEDGüter Bestes anvertrau'n -
SIEGFRIEDDer bist Du! -
SIEGFRIEDMeines Weibes nimm Dich an,
SIEGFRIEDWo sie Mannes Schutz bedarf -
SIEGFRIEDUnd Ihr, seht in Golo hier
SIEGFRIEDEuern unumschränkten Herrn,
SIEGFRIEDDienet ihm, als wär' ich's selbst!
GOLOEinen Würd'gern wohl als mich
GOLOMöcht' ich, dass Ihr fändet -
GENOVEVAGern
GENOVEVANehm' ich Euch zum Ritter an -
GOLOEdle Gräfin, viel zu gut
GOLODenkt Ihr von mir. -
SIEGFRIEDSpart die Worte,
SIEGFRIEDKostbar ist die Zeit; der Ruf
SIEGFRIEDDer Trompete sagt's.
SIEGFRIEDAuf! führt mein Schlachtross vor!
CHOR1.
CHORAuf, auf in das Feld!
CHORGraf Siegfried der Held,
CHOREr führet das Heer,
CHOREr führt es zur Ehr'.
CHORFein's Liebchen ein Kuss!
CHORGeschieden sein muss!
CHORMit uns ist das Glück,
CHORBald kehren wir zurück!
CHOR2.
CHORKarl Martell, Karl Martell, tapferer Hammer,
CHORAllem Heidenvolk zum Jammer!
CHORDer Feind der soll der Ambos sein,
CHORDa schlagen wir wacker drauf und drein!
CHORWie klingt der Hammer so stark und hell!
CHORKarl Martell, Karl Martell!
GENOVEVALeb' wohl -
SIEGFRIEDLeb' wohl -
GENOVEVAAuf Wiederseh'n!
SIEGFRIEDAuf Wiederseh'n!
GOLOO wie sie küsst!
GOLOHerr, das Ross sieht bereit!
GENOVEVAO könnt' ich mit dir! -
SIEGFRIEDGetrost und fasse dich!
GENOVEVALeb wohl!
GOLODer rauhe Kriegsmann! - Auf das Schwert
GOLOVersteht er sich, auf Stoss und Hieb, -
GOLOAuf Liebe nicht! Er hat ihr's angetan!
GOLOStirbt sie, ich will nicht knirschen! doch, sie seufzt!
GOLODas holde Leben kehrt zurück,
GOLOUnd auf die Lippen tritt das erste Roth!
GOLOO Lippen, süsse Lippen! Wer euch küsst,
GOLODer stiehlt sich hier die ew'ge Seligkeit,
GOLODenn nie verglüht ein solcher Kuss! - -
GOLOIch könnt' es tun, ich bin allein -
GOLODie heil'gen Augen steh'n
GOLONoch nicht wie Cherubim
GOLOAbwehrend vor dem Paradies -
GOLOIch will, ich muss sie küssen - -
GENOVEVAMein Siegfried!
GENOVEVAWer bist Du?
GOLOEuer treuster Knecht!
GENOVEVAErlaubt, dass ich mich stütze!
GENOVEVAMir schwindelt! -
MARGARETHASieh da - welch' feiner Rittersmann!
MARGARETHAMan sieht ihn nur mit Freuden an!
MARGARETHADer Federhut, der Degen steht ihm gut,
MARGARETHAAuch hat er Mut!
MARGARETHAUnd wie zum Kuss er sich herunterbog,
MARGARETHAWelch' Flammenglut die Wang' ihm überzog!
MARGARETHADie Frau allein, der Graf beim Heer -
MARGARETHADa fällt's dem hübschen Burschen ja nicht schwer!
MARGARETHAIch hab' kein' Rast, ich hab' keine Ruh,
MARGARETHAEin wenig Groll kömmt auch dazu!
MARGARETHADass aus dem Haus du mich gehetzt,
MARGARETHAHerr Graf, das vergelt' ich dir jetzt!
MARGARETHAStill, er kömmt!
GOLOWas hast du getan
GOLOIn frevelndem Wahn -
GOLODu hast geküsst
GOLODeines Herren Weib, -
GOLODu hieltst umschlungen
GOLODen edlen Leib, -
GOLODu hast gebrochen
GOLODein Ritterwort - -
GOLOElender, fort
GOLOSoweit dich deine Füsse tragen!
MARGARETHAGolo!
GOLOHinweg!
MARGARETHAMein Sohn wohin?
MARGARETHAKein Wort für Deine Amme, die so lang
MARGARETHADich nicht geseh'n?
GOLODu Margaretha hier?
MARGARETHAUnfreundlich stiessest einstens Du mich fort, -
MARGARETHAIch blieb Dir gut -
GOLOIch aber hasse Dich, seit bösem Wandel
GOLOUnd schwarzen Künsten Du dich ergeben,
GOLODie ich verabscheu' -
GOLODies ist der Tugend Haus!
MARGARETHADer Tugend Haus? -
MARGARETHAAch - hofft' ich doch nach langem Wandern hier
MARGARETHAZum Ausruh'n eine Streu zu finden - doch,
MARGARETHAWas ich erblickt in diesem Haus der Tugend - -
MARGARETHAFürwahr, ein schönes Weib des Küssens werth. -
GOLODu hast gesehen?! - stirb! -
MARGARETHAStoss' zu - 's ist ja die Amme nur,
MARGARETHADie Mutter nicht, die Du durchbohrst -
MARGARETHAGeh' Golo - Du bist krank -
GOLOJa - krank zum Sterben -
MARGARETHAVertrau' Dich mir -
MARGARETHAich weiss den Arzt -
GOLOWeib, Hexe, fort! Du, dieses Haus,
GOLODie ganze Welt ist mir verhasst,
GOLOKaum, dass ich trage noch des Lebens Jammerlast, -
GOLOIch will dahin geh'n, wo kein Aug'
GOLOMich wieder finden soll.
MARGARETHADu lässt die arme Frau allein -
MARGARETHASie wird ohn' Dich gar traurig sein,
MARGARETHAAm Leben müsste sie verzagen,
MARGARETHASie will Dir wohl, wie die Leute sagen.
GOLOWas sprichst Du da? wer tat Dir's kund?
MARGARETHANun, drück' mir nur den Arm nicht wund -
MARGARETHADergleichen fällt nicht schwer zu sehn. -
GOLODu lügst, - Du kennst sie nicht die Reine -
MARGARETHAUnd sieh, wie schön sich alles trifft!
MARGARETHADer Graf im Krieg, Du heimgeblieben -
MARGARETHAVielleicht, dass er im Kampfe fällt,
MARGARETHAEr Dich zum Erben gar bestellt!
MARGARETHAOft fügt sich's seltsam in der Welt -
MARGARETHAKommt Berg und Tal doch wohl zusammen,
MARGARETHAUm wie viel leichter zween Flammen -
MARGARETHAGlück auf denn, Glück auf!
GOLOBrichst auf Du schon?
MARGARETHAMuss fort - nach Strassburg -
GOLOSag' an, was tätest Du an meiner Stelle?
MARGARETHAEs dringt ihm in's Herz -
MARGARETHAWär' ein junger Herr ich
MARGARETHAMit Augen wie Ihr, ich hielt'
MARGARETHAAn meiner Hoffnung fest und wär'
MARGARETHAIch in die Königin verliebt.
GOLOO dürft' ich hoffen, Margaretha,
GOLOIch wollt' es königlich Dir lohnen!
GOLOBleib hier im Schloss, sieh mit eignen Augen!
MARGARETHAMehr braucht's nicht
MARGARETHAAls ich bereits geseh'n!
GOLONur wen'ge Tage
GOLOLass Dir's gefallen!
MARGARETHAWollt durchaus Ihr!
GOLODu bleibst?
MARGARETHAVielleicht -
GOLOUnd willst
GOLOMir beisteh'n?
MARGARETHAWie ich's kann -
GOLOGib mir
GOLODie Hand d'rauf!
MARGARETHAHier!
GOLOUnd schwörst
GOLOMir beizusteh'n? -
MARGARETHAIch schwör's! -
GOLOMit neuem Leben
GOLOErfüllst Du mich wieder,
GOLOGehst Du voran,
GOLOGlücket der Plan.
GOLOMein muss sie werden.
GOLOUnd stiegen Engel
GOLONieder zur Erden
GOLOUnd schützten sie, -
GOLOMein muss sie werden -
GOLOJetzt oder nie! -
für sich
MARGARETHAWas ich gewollt,
MARGARETHAMir ist's geglückt -
MARGARETHAIch hab' ihn umgarnt,
MARGARETHAIch halt' ihn umstrickt -
laut
MARGARETHADein soll sie werden,
MARGARETHADein muss sie werden,
MARGARETHAJetzt oder nie! -
SYSTEMZWEITER AUFZUG
Halle
MARGARETHA.
GENOVEVAO weh des Scheidens, das er that, -
GENOVEVAMit ihm schied Freud' und Glück!
GENOVEVAHerr'nloses Haus, Haus ohne Rath! -
GENOVEVAO käm er bald zurück! -
GENOVEVAMit ihm die Lust, mit ihm der Muth
GENOVEVAWo er nicht ist da wankt es, -
GENOVEVADoch wo er herrscht, da steht es gut,
GENOVEVAMein Siegfried, kehre wieder,
GENOVEVAMit Dir schied all' mein Glück dahin!
GENOVEVAGetrost, getrost, mein Herze -
GESANG DER KNECHTE1.
GESANG DER KNECHTEFüllet die Becher bis zum Rande,
GESANG DER KNECHTEStosset an und trinket aus!
GESANG DER KNECHTEZieht der Herr in fremde Lande,
GESANG DER KNECHTEIst der Knappe Herr im Haus!
GESANG DER KNECHTEStosst an und trinket aus!
GESANG DER KNECHTE2.
GESANG DER KNECHTEEi - wer sitzt dort in der Ecke. -
GESANG DER KNECHTEAlter Drago, was ist das!
GESANG DER KNECHTEKommt hervor aus dem Verstecke -
GESANG DER KNECHTEUnsrer Herrin dieses Glas!
GESANG DER KNECHTEDie Herrin lebe hoch!
GENOVEVAWelch rohes Singen! Klingt es doch,
GENOVEVAAls ob sie spotteten! -
GENOVEVADie Knechte sind's, Margaretha unter ihnen,
GENOVEVADies Schreckbild meinem Auge! -
GENOVEVAUnd dort der gute Drago,
GENOVEVAEr will nicht würfeln mit und singen! -
GENOVEVAWie wild sie lärmen! - Siegfried, Siegfried,
GENOVEVAKehr' bald zurück, brich ihren Uebermut,
GENOVEVASie stürzen Haus und Hof dir um!
GENOVEVAWer kömmt!
GENOVEVAIhr seid es, Golo? -
GOLOVerzeiht, dass zu so später Stunde noch -
GENOVEVAStets seid willkommen Ihr, und wisst -
GENOVEVAIch fürchtete mich eben -
GOLOIhr hörtet wohl -
GENOVEVASie singen laut genug -
GENOVEVAUnd ganz allein bin ich -
GOLOSie ganz allein! welch' seltnes Glück?
GENOVEVADie Dienerin entliess nach Trier ich,
GENOVEVADort ihren kranken Vater zu verpflegen -
GENOVEVADa wandelte etwas wie Furcht mich an,
GENOVEVADazu das wilde Singen - aber sagt,
GENOVEVAWas hat es zu bedeuten? -
GOLOSo hört, was mich so spät noch zu Euch führt:
GOLOEin grosser Sieg (so spricht man)
GOLOSei über Abdorrhaman jüngst erkämpft -
GENOVEVAEin Sieg, ein Sieg! O Freude!
GENOVEVADoch wie, Siegfried liess ohne Kunde mich? -
GOLOGerüchte eilen schneller ja als Menschen -
GOLOAuch spricht man von der bald'gen Rückkehr
GOLODes Heeres -
GENOVEVASiegfried's auch? O wär' es wahr?
GOLODies alles hat die Burschen aufgeregt -
GOLOVon Neuem toben sie, ich geh'
GOLOZum Schweigen sie zu bringen.
GENOVEVALasst, lasst - die Freude reizt zum Singen,
GENOVEVAAuch mich - Ihr singt so artig, lasst
GENOVEVAMit einer sanften Weise uns
GENOVEVADen wilden Lärm betäuben - kommt, dort ist die Zither.
GOLO's sind Monden her, dass ich schon nicht mehr sang.
GENOVEVASo wirds nur um so frischer klingen -
GENOVEVAOhn' Widerspruch! - das Lied,
GENOVEVADas aus dem Elsass uns der Sänger lehrte -
GOLOIhr könntet Steine singen machen
GOLODurch Euer Bitten, schöne Frau!
GENOVEVADas Schmeicheln, Golo, scheint Euch eigen,
GENOVEVASingt denn, lasst Euer Herz erweichen!
GOLOO anmuthvollste Zauberin!
SYSTEMDuett
GOLOWenn ich ein Vöglein wär',
GOLOUnd auch zwei Flüglein hätt',
GOLOFlög' ich zu dir!
GOLOWeil's aber nicht kann sein,
GOLOBleib ich allhier!
GOLOBin ich gleich weit von dir,
GOLOBin ich doch im Schlaf bei dir,
GOLOUnd red' mit dir!
GOLOWenn ich erwachen thu'
GOLOBin ich allein!
GOLOEs vergeht kein' Stund' in der Nacht,
GOLODa mein Herze nicht erwacht
GOLOUnd an dich gedenkt,
GOLODass du mir viel tausendmal
GOLODein Herz geschenkt!
GOLONicht länger halt' ich mich,
GOLODie Gluth verzehrt mich!
GOLOZu ihren Füssen, zu ihren Füssen,
GOLODass sie's erfahre -
GOLOAlles, Alles!
GENOVEVAWas ist Euch? -
GOLOGenoveva, verzeiht mir! -
GENOVEVAErst stehet auf, es ziemt Euch nicht zu knie'n!
GOLONicht eher als Ihr mir verzieh'n -
GOLOIch täuscht' Euch -
GENOVEVAWohlan - verzeiht Euch Gott, verzeih'
GENOVEVAAuch ich Euch -
GOLOIch raubt' Euch - ahnet Ihr? -
GOLODamals als Siegfried Abschied nahm -
GENOVEVAGolo, ich sah Euch niemals so - Ihr seid wohl krank? -
GOLODu schlugst die Wunde, still' nun auch
GOLODas Blut, das strömende, des Herzens!
GENOVEVAEin böser Dämon gab dies Wort Euch ein,
GENOVEVABesinnet Euch, mit wem Ihr sprecht!
GOLOO Zauberin, Du hast das Leben mir
GOLODurch Kunst entführt -
GENOVEVAWas sprecht Ihr da? -
GENOVEVAErwacht, denn Ihr verkennet mich!
GENOVEVAIch bin es, Genoveva, die jetzt spricht,
GENOVEVAGemahlin Eures Herrn, des Grafen Siegfried!
GOLOHör' denn, Du meines Herrn Gemahlin -
GOLODass ich es reden, aussagen könnte,
GOLOWorte finden, Töne -
GENOVEVAEs fällt ihn Wahnsinn an - wer steht mir bei! -
GENOVEVAWo flieh' ich hin! Drago! Angelo! hört Niemand mich?
GOLODu liebst mich, holde Braut,
GOLODa ist der Tag begonnen,
GOLODa regt und rührt's sich laut,
GOLODa brechen aus den Knospen alle Wonnen -
GENOVEVAO Siegfried, mein Gemahl,
GENOVEVAWann kehrst du wieder!
GOLONenn' ihn nicht -
GOLOSein Nam' ist Tod!
GOLOMein bist Du, mein -
GENOVEVAAllmächtiger Gott!
GOLOIn meine Arme, Weib! -
GENOVEVAZurück!
GOLOAn meine Brust!
GENOVEVAZurück, ehrloser Bastard!
GOLODas Wort, das traf, -
GOLODas Wort, das schlug, -
GOLOFluch Dir! -
GOLOKein Schlaf soll über diese Augen kommen,
GOLOKein' Speis' und Trank
GOLOUeber diese Lippen,
GOLOBevor Du vernichtet! -
DRAGODem Himmel Dank, dass ich Euch finde,
DRAGOIm ganzen Schlosse sucht ich Euch!
GOLODrago, einandermal! lass jetzt mich nur!
DRAGOIhr müsst mit mir - die Buben unten
DRAGOVerweigern mir Gehorsam.
GOLOZwing' sie dazu, was kümmert's mich!
DRAGODas trüg' ich auch! Doch hört - sie lästern - -
GOLOMich vielleicht? -
GOLOLass sie - was kümmert's Dich?
DRAGONicht Euch -
DRAGONein denkt - sie wagen's unsre Gräfin selber zu
DRAGOBeschimpfen -
GOLOWas denn sprachen sie?
DRAGOKaum mag ich's nacherzählen, das Schändlichste -
GOLOSprich nur -
DRAGOSie sagen: mit dem jungen
DRAGOKaplan, den jüngst Hidulfus
DRAGOHieher gesandt, stünd' sie vertrauter,
DRAGOAls es Graf Siegfried wissen dürfte -
DRAGODenkt, die Schurken! -
GOLODrago,
GOLODie Schurken - - sprachen wahr!
DRAGOHerr Golo! -
GOLOIch weiss noch mehr -
DRAGOIch kann's nicht glauben -
DRAGODie edle Gräfin -
GOLODiese Nacht noch
GOLOHat sie ihn herbeschieden -
DRAGO- mit ihm zu beten
DRAGOVielleicht -
GOLOja, ja, zu beten, dass Graf Siegfried
GOLONie wiederkehren möge -
DRAGONie, nie glaub' ich das! -
GOLOHast Augen Du?
DRAGOWie meint Ihr das?
GOLODu kannst ja selbst Dich überzeugen.
DRAGOIch riss' mein Aug' aus, müsst' es die Schandtat seh'n.
GOLOWohlan - die Prob' ist leicht -
GOLOHier in der Nische
GOLOKann ungesehn dem Liebespaar man lauschen -
GOLOIch schlüpf' hinein -
DRAGOUm ihrer Unschuld willen
DRAGOMöcht' selber ich's - doch nein -
GOLOSo glaub', wenn Du nicht sehn willst -
DRAGOLasst mich - und passt Ihr draussen an der Tür! -
DRAGODoch wenn ich Euch nun morgen früh
DRAGOBeschwören kann, dass Alles Lug' und Trug!
GOLOSo heiss' mich selbst den Schurken! -
DRAGOSo denn mit Gott!
DRAGOZu Tag wird er die Wahrheit bringen!
MARGARETHAIch lauscht' an der Tür - weiss alles -
MARGARETHAMit Genoveva war't zu heftig Ihr!
GOLOUnd hörtest Du, wie sie mich nannte? -
MARGARETHAIst's Deine Schuld? -
GOLOHilf mir mich rächen!
MARGARETHAHör' an - ich will nach Strassburg,
MARGARETHADen Grafen dort zurückzuhalten -
GOLODas wolltest Du -
MARGARETHAEr liegt verwundet da -
GOLOHa!
MARGARETHA- Ich sing ein Schreiben an die Gräfin auf
MARGARETHAManch' Tränklein weiss ich zu bereiten, auch
MARGARETHAFür ihn, das soll von seinen Leiden ihn befrei'n,
MARGARETHAUnd Dich von ihm -
GOLOMich schüttelt Fieberfrost -
MARGARETHAKomm' in die Gesindestube! Drago, als Buhle -
MARGARETHAEi das wird lustig! -
GENOVEVADort schleichen über'n Hof sie sacht,
GENOVEVAWie Wölfe, die vom Raube kommen! -
GENOVEVAMir ist so bange, so beklommen -
GENOVEVAO Du, der über Alle wacht,
GENOVEVADer Alles wohlgemacht,
GENOVEVABeschütz' o Herr! auch diese Nacht
GENOVEVADie Guten und die Frommen!
GENOVEVAIn Deinen Willen leg' ich nun
GENOVEVASo Seel' wie Leib! O hab' Erbarmen
GENOVEVAMit mir, und wenn ich mich vergass,
GENOVEVAWeil sich ein Bub' an mir
GENOVEVAUnd meiner Ehr' vermass,
GENOVEVAVergieb, da mir zu meiner Wehr
GENOVEVAKein' andre Waffe blieb -
GENOVEVAO Herr, der gern verzeiht,
GENOVEVABeschirme mich in meinem grossen Leid!
GENOVEVAUnd Du, der alle Schmerzen stillt,
GENOVEVAKomm', süsser Schlaf, bring' Siegfried's Bild
GENOVEVAIm Traume mir,
GENOVEVAVom tiefen Weh, das mich erfüllt,
GENOVEVAAn seinem Herzen auszuruh'n.
KNECHTE UND MÄGDESacht, sacht
KNECHTE UND MÄGDEAufgemacht!
KNECHTE UND MÄGDEDass er uns nicht entschlüpft,
KNECHTE UND MÄGDEHabt Acht!
BALTHASARDort ist das Zimmer,
BALTHASARUmstellt die Thür!
CHOREr entschlüpft uns nicht,
CHORWir steh'n dafür!
BALTHASARDas Licht verlischt -
CHORNur stille, still -
BALTHASARIch hör' Geflüster
BALTHASARWie von Zwei'n -
CHORDringt ein, dringt ein!
GENOVEVAWer kömmt? -
GENOVEVAWer es auch sei, zurück!
CHORStill, still! sie sind gefangen!
GENOVEVAWas sucht Ihr hier?
BALTHASARWir suchen -
GENOVEVAWen?
BALTHASARHerrn Golo - -
BALTHASARErlaubt, dass selbst wir suchen
BALTHASARIn Eurem Schlafgemach -
GENOVEVAIn meinem Schlafgemach?
GENOVEVAWer eintritt, ist des Todes,
GENOVEVAKömmt Euer Herr zurück!
BALTHASARDer ist noch weit im Felde -
BALTHASARWir suchen seinen Stellvertreter!
GENOVEVAMeint Ihr Herrn Golo, er ist nicht hier -
GENOVEVAGeht fort, ich bitt' Euch! -
CHORDie brüstet sich,
CHORUnd bittet auch!
CHORSucht nur, wir müssen ihn finden!
GENOVEVAHerr, schütz' vor Frechheit mich! -
GENOVEVAGeht, geht! Weicht zurück!
CHORDringt hinein, dringt hinein!
GOLOZurück, ihr Schurken!
GOLOWie könnt Ihr wagen,
GOLOZu stören der Herrin Ruh'!
GENOVEVAO nehmt Euch meiner an!
GENOVEVAHier ist Herr Golo - nun geht,
GENOVEVAWen sucht Ihr noch?
GOLOMich suchten sie?
GENOVEVAJa Euch!
CHORNein, nein
CHORD'rin muss noch Jemand sein!
BALTHASARIm Schlafgemach steckt Jemand noch.
GOLOFrau Gräfin, lasst sie suchen doch
GOLOUm Eure Unschuld darzutun.
GENOVEVASucht denn!
DRAGOErbarmen, Erbarmen!
CHORDrago!
GENOVEVAGott steh mir bei!
BALTHASARFrau Gräfin, mit Erlaubniss, das ist schlecht -
GOLOFreund, du bist rasch!
CHORSeht, sie erbleicht, die Schuld ist klar!
BALTHASARWas sagt Ihr nun?
GENOVEVANichts zu Euch!
BALTHASARDas glaub' ich - nichts zu uns, die wir es sah'n,
BALTHASARWas aber wohl zu dem, der's hört von uns?
GENOVEVAGlaubt, was Ihr seht! nur bitt' ich, glaubt nicht mehr,
GENOVEVAIhr brachtet Lichter mit, gebt mir ein Licht!
BALTHASARVerdächt'ges seh ich nichts!
MARGARETHAIch lauscht' am Fenster dort,
MARGARETHAWie Drago sie umfing!
GENOVEVAAuch diese da!
GENOVEVAEuch ruf' ich auf,
GENOVEVASagt Ihr, Herr Golo, was Ihr glaubt!
GOLOIch heiss' nicht Siegfried, bin der Richter nicht!
GENOVEVADa sprecht Ihr wahr! -
BALTHASARDie ist ja nach dem Fall
BALTHASARViel stolzer noch! doch bräche sich der Stolz
BALTHASARVielleicht im Turm - wär' ich der Herr,
BALTHASARSie müsste gleich hinunter!
CHORZum Turm mit ihr, zum Turm mit ihr,
CHORDort hat sie Zeit zur Reue!
SYSTEMGENOVEVA.
CHORFührt mich wohin es sei - nur führt mich hin,
CHORWo ich das Blut nicht seh'! -
BALTHASAR UND CHORZum Turm mit ihr!
GENOVEVAO Herr im Himmel, schütz' Dein Kind!
GENOVEVAWas hab' ich getan,
GENOVEVADass so schwer Du mich prüfst!
GOLOO Herzenswunde brich' nicht auf!
GOLODer Rache werd' ihr Recht!
GOLOHalt' Deinen Schmerz zurück!
BALTHASARFührt sie hinunter, bindet sie!
CHORFührt sie hinunter, bindet sie!
CHORFort in den Turm, fort in den Turm!
SYSTEMDRITTER AUFZUG
Zimmer in einer Herberge zu Strassburg
SIEGFRIEDNichts hält mich mehr, - lasst Eure Salben,
SIEGFRIEDLasst Eure Kräuter, gute Frau!
SIEGFRIEDDie Wund ist heil - seht, seht!
MARGARETHANur wenige Tage schont Euch noch!
MARGARETHADer muss von Eisen sein, dass er
MARGARETHADen Trank verschmerzt, den ich ihm gab -
SIEGFRIEDGern schont ich länger mich; doch Sehnsucht
SIEGFRIEDNach Haus, nach meinem Weib lässt keine Ruh'
SIEGFRIEDMir mehr -
MARGARETHAHabt auch ein Weib Ihr?
SIEGFRIEDGute!
SIEGFRIEDWie sie gibt's keine auf der Welt!
MARGARETHAUnd auch ein Kind?
SIEGFRIEDNoch ist's ein Wunsch,
SIEGFRIEDSchon lang harr' ich auf Kunde -
SIEGFRIEDUnd morgen muss ich fort, ich halt's
SIEGFRIEDNicht länger aus -
MARGARETHAGeduld, Geduld -
MARGARETHAZwei Tage pflegt Euch noch, und wollt
MARGARETHAEin art'ges Spiel Ihr sehen,
MARGARETHADas Euch an Heimat und an Weib erinnerte,
MARGARETHASo wüsst' ich eines -
SIEGFRIEDIch versteh' Euch nicht -
MARGARETHASo hört, hier gibt's einen Zauberspiegel,
MARGARETHAD'rin schaut man alles, was man will,
MARGARETHAUnd alles, was sich jüngst begeben -
SIEGFRIEDGeht das mit rechten Dingen zu?
MARGARETHAWeiss nicht -
MARGARETHAUntrüglich aber ist das Spiel gewiss.
SIEGFRIEDWas Ihr da sagt! - und auch von meinem Weibe,
SIEGFRIEDGlaubt Ihr, berichtet mir's? -
MARGARETHAVon Allem, was Ihr wünscht -
SIEGFRIEDDas muss
SIEGFRIEDIch sehen. Sagt, um welche Stunde könnt'
SIEGFRIEDIch's schau'n?
MARGARETHAAm liebsten, wenn es dunkelt schon -
SIEGFRIEDHier nehmt für Eure Pflege dies - vielleicht
SIEGFRIEDSuch' ich Euch auf noch -
MARGARETHAEuer Edelknecht
MARGARETHAWeiss meine Wohnung. So gehabt Euch wohl
MARGARETHAUnd haltet ruhig Euch!
SIEGFRIEDLebt wohl!
SIEGFRIEDJa wart' Du bis zum jüngsten Tag
SIEGFRIEDAuf mich mit Deinem Spiegel -
SIEGFRIEDConrad, Conrad!
SIEGFRIEDSpring', Junge freu' Dich, lass
SIEGFRIEDDie Rosse satteln, heute noch
SIEGFRIEDGeht's fort nach Haus! Die Wunde zwar
SIEGFRIEDNoch brennt sie - aber hier
SIEGFRIEDBrennt's heisser noch, nicht länger
SIEGFRIEDErtrag' ich's fern vom Haus -
SIEGFRIEDDie Nacht ist schön -
SIEGFRIEDO wonn'ger Strom der Luft! -
SIEGFRIEDMach' alles fertig, - fort, fort!
SYSTEMLied
SIEGFRIEDBald blick' ich dich wieder mein Heimatschloss,
SIEGFRIEDDer Turmwart bläst, es jauchzt der Tross,
SIEGFRIEDDie Tore rasseln vor mir auf,
SIEGFRIEDDie Brücke fällt, ich schaue hinauf -
SIEGFRIEDSie hat mich erblickt, sie fliegt mir entgegen
SIEGFRIEDUnd Aug' an Aug' und Brust an Brust!
SIEGFRIEDO Liebestreu', wie reich an Segen!
SIEGFRIEDO Wiederseh'n so reich an Luft!
SIEGFRIEDBesiegt ist der Feind, das Kreuz erhöht,
SIEGFRIEDDes Glaubens Panier das Land durchweht!
SIEGFRIEDWie grimm die Wut des Heiden war,
SIEGFRIEDMit uns stritt Gott und seine Schar!
SIEGFRIEDVoll Bangen blicktest du aus nach mir.
SIEGFRIEDMein Weib, aus deinen stillen Mauern -
SIEGFRIEDWas bangst du noch? wirf fort dein Trauern -
SIEGFRIEDNun trennt keine Macht mich mehr von dir!
SIEGFRIEDWer sprengt so eilig in das Thor herein!
SIEGFRIEDDer Reiter scheint von Sinnen - hör' ich recht,
SIEGFRIEDEr lenkt die Schritte her zu mir!
SIEGFRIEDDa hackt ein Rab' am Fenster -
SIEGFRIEDWas kann's bedeuten!
SIEGFRIEDDu Golo? Herzlich sei gegrüsst! -
SIEGFRIEDDoch wie so bleich Du siehst - Du bringst
SIEGFRIEDNichts Gutes!
GOLOGutes nicht.
SIEGFRIEDMein Weib ist tot -
GOLOSie lebt –
SIEGFRIEDSie lebt?
SIEGFRIEDDann sei es, was es sei; ich trag' es leicht.
GOLOLes't selbst!
SIEGFRIED- Von wein Hauscaplan -
GOLOMir beben die Knie,
GOLOIch möchte zurück den grausigen Weg,
GOLODen mich Margaretha gehn lässt.
SIEGFRIEDGolo! - -
SIEGFRIEDHier nimm mein Schwert, schlag' nieder mich -
SIEGFRIEDDoch wart' - erst sie!
GOLOO fasst Euch, edler Herr!
SIEGFRIEDVerhöhn' mich nicht mit Deinem Trost! -
SIEGFRIEDNiemand auf der Welt
SIEGFRIEDSoll mehr mich seh'n - Niemand wissen,
SIEGFRIEDWo ich geblieben! doch - auch sie
SIEGFRIEDSoll sterben!
SIEGFRIEDHier nimm mein Schwert und hier den Ring,
SIEGFRIEDZeig' beides ihr, damit sie weiss,
SIEGFRIEDVon wem Du kömmst! - -
SIEGFRIEDDoch still! Es fällt mir ein -
SIEGFRIEDHier lebt eine Frau, die mir erzählte
SIEGFRIEDVon einem Wunderspiegel, d'rin sich zeige
SIEGFRIEDVergang'nes bis auf's Kleinste abgeschildert.
SIEGFRIEDConrad! Du weisst ja, wo die Frau,
SIEGFRIEDDie meiner pflegte, wohnt! führ' hin uns!
SIEGFRIEDKomm, guter Golo! -
SYSTEMVerwandlung
Margarethens Zimmer
MARGARETHAIch sah ein Kind im Traum, ein hübsches Kind,
MARGARETHADie Zähne weiss, die Backen roth und rund,
MARGARETHADie Augen - nein, die sah ich nicht so recht -
MARGARETHAZwei Tränen standen d'rin. - Es rief:
MARGARETHA„Zum Engel war ich dir bestimmt,
MARGARETHADu warfst mich in den Bach“ - Dummer Traum!
MARGARETHAj fällt mir ein:
MARGARETHAHätt' ich das Mägdlein nicht ertränkt, und wär'
MARGARETHAEs schön geworden, wie ich's sah im Traum,
MARGARETHASo klopfet jetzt vielleicht ein Freiersmann,
MARGARETHAEin solcher, der das Glück bringt über Nacht; -
MARGARETHALasst ruh'n die Toten, denn sie ruhen gut.
MARGARETHAEi nun, wer stört sie? Stören sie doch mich!
SIEGFRIEDHollah, macht auf!
MARGARETHAWer da?
MARGARETHAHerr Graf -
MARGARETHAso spät!
SIEGFRIEDLasst, lasst! wer sagt Euch, dass ich sitzen will!
SIEGFRIEDIch halte mich nicht lange bei Euch auf.
MARGARETHAWas steht zu Diensten Euch, wenn nicht der Spiegel?
SIEGFRIEDVergessen hätt' ich's fast - ja, ja -
SIEGFRIEDDen Spiegel wollt' ich seh'n,
SIEGFRIEDSo zeigt mir denn mein Weib, und was
SIEGFRIEDSie vor sechs Monden that!
MARGARETHAIhr scheint erzürnt mein edler Herr -
MARGARETHAD'rum bitt' ich, schlagt mir nicht,
MARGARETHAWenn was Ihr seht, Euch nicht gefällt,
MARGARETHADas theure Stück entzwei!
SIEGFRIEDHör' auf!
MARGARETHADas heisst: sang' an?
MARGARETHADoch die Bedingung, denkt jetzt nicht an Ihn,
MARGARETHADer einst die Welt erschuf und sie erhält!
SIEGFRIEDSehr sonderbare Worte sprecht Ihr da!
SIEGFRIEDDen Spiegel! den Spiegel!
MARGARETHAUnd hier der fremde Herr - soll er nicht geh'n?
SIEGFRIEDEr ist mein Freund, mag Alles schau'n -
SIEGFRIEDWir beid' sind rein!
MARGARETHAWas bebst Du, Feiger, denke d'ran,
MARGARETHAWie Dich die Gräfin höhnte?
GOLOSie reisst zu Sünd' und Schand' mich fort!
SIEGFRIEDWas bebst Du, Golo, denke d'ran,
SIEGFRIEDWie Du mich rächst!
SIEGFRIEDDie Wahrheit will ich wissen,
SIEGFRIEDOb auch das Herz mir bricht.
MARGARETHADein muss sie werden noch!
GOLODu mahnst mich recht, - schon reut' es mich!
MARGARETHADein muss sie werden, Mut nur, Mut!
GOLOStehst Du mir bei, so wird's gelingen!
SIEGFRIEDWas zaudert Ihr, - lasst sehn den Spiegel!
MARGARETHAEin schönes Weib - fürwahr des Küssens wert!
GOLOMein muss sie werden, mein!
SIEGFRIEDDen Spiegel! den Spiegel!
SYSTEMMARGARETHA.
SIEGFRIEDEuch zu dienen!
SIEGFRIED"Erscheint!"
SYSTEMERSTES BILD
SYSTEMSTIMMEN HINTER DER SZENE
SIEGFRIEDAbendlüfte kühlend weh'n,
SIEGFRIEDLiebe singt in Wald und Feld!
SIEGFRIEDKann ein Herz allein besteh'n,
SIEGFRIEDWo so selig rings die Welt!
SIEGFRIEDSaaten wogen um dich her,
SIEGFRIEDSchlägt dein Herz nicht Liebeswogen
SIEGFRIEDDen du suchst, er tritt daher,
SIEGFRIEDErde wird zum Blütenmeer:
SIEGFRIEDUnd du wirst hinabgezogen,
SIEGFRIEDWie die Biene selig schwer.
SIEGFRIEDSieh da - mein Schloss - wahrhaftig!
GOLOMit Satan steht die Hex' im Bunde.
SIEGFRIEDDort der Eichwald auch! Und dort
SIEGFRIEDAuf dem Fusspfad die Gestalt -
SIEGFRIEDSie ist's, mein Weib - -
GOLOO holdeste der Frauen!
SIEGFRIEDJetzt auch Drago! -
SIEGFRIEDSie sprechen freundlich! Wahrlich,
SIEGFRIEDMit Jedem sprach sie so!
SIEGFRIEDDa find' ich nichts zu schelten.
SIEGFRIEDKomm, Golo! der Spiegel sagt mir nichts,
SIEGFRIEDWas ich nicht wüsste!
MARGARETHASechs Monden wies ich ihn zurück,
MARGARETHAWie Ihr gewünscht. Wollt Ihr ein Bild vielleicht
MARGARETHAAus neu'rer Zeit?
SIEGFRIEDWas meinst Du, Golo!
GOLOLass't sehn!
SIEGFRIEDWohlan denn!
MARGARETHAErscheint, erscheint!
SYSTEMZWEITES BILD
SYSTEMSTIMMEN HINTER DER SZENE
MARGARETHAWann die Lichter der Erde verglüh'n,
MARGARETHAWann der Blüten Kelche geschlossen,
MARGARETHAEine Blume der Nacht ist entsprossen,
MARGARETHAMöchte heimlich erblüh'n!
MARGARETHAWann die Sterne funkeln und sprüh'n,
MARGARETHAWann der Mond seine Wunder ergossen,
MARGARETHAHat der Liebe Reich sich erschlossen,
MARGARETHAMöchte heimlich erglüh'n!
SIEGFRIEDDer Garten meines Burghof's ist's,
SIEGFRIEDDie Laube an der Mauer dort,
SIEGFRIEDIch kenn' sie wohl! -
SIEGFRIEDSie beid' allein, - zur Abend-Stunde!
SIEGFRIEDBursch, du bist keck!
GOLOSo sah ich oft sie sitzen,
GOLODoch ahnt' ich Schlimmes nicht!
SIEGFRIEDDas Schlimme
SIEGFRIEDSeh' ich noch nicht! So sittsam wie sie blickt,
SIEGFRIEDSo scheint sie nur als Herrin sich
SIEGFRIEDZu fühlen, er als Diener.
GOLOWohl dem, der da vertraut!
SIEGFRIEDKönnt noch ein Bild ihr hexen,
SIEGFRIEDAus jüngster Zeit ein Stück?
MARGARETHADrei Bilder steh'n in meiner Macht
MARGARETHAMehr nicht! Wollt noch das Ihr?
SIEGFRIEDDas letzte denn!
MARGARETHAErscheint, erscheint, erscheint!
SYSTEMDRITTES BILD
SYSTEMSTIMMEN HINTER DER SZENE
MARGARETHALeiser Tritt durch's stille Haus!
MARGARETHAFerne der, der sie bewacht!
MARGARETHASei verschwiegen, dunkle Nacht,
MARGARETHALösch' die hellen Lichter aus!
MARGARETHAVon dem Baum im Paradies,
MARGARETHADess' verbotne Frucht so süss,
MARGARETHAList'ge Schlange brich' auf's Neu'
MARGARETHAGoldne Frucht und kriech' herbei!
SIEGFRIEDSchurke, Drago! -
SIEGFRIEDGolo, räche mich! -
MARGARETHAO Gott!
MARGARETHAFurchtbar Gesicht, verschwind!
DRAGO'S GEISTUmsonst versuchst Du Deine Macht an mir!
MARGARETHAWer sandte Dich!
GEISTDer Herr!
MARGARETHAIch kenn' ihn nicht!
GEISTDu riefst ihn an, -
GEISTUnd er gebietet Dir durch meinen Mund:
GEISTSchnell mach' Dich auf, dem Grafen Siegfried,
GEISTWas Du an ihm gefrevelt, zu gesteh'n.
MARGARETHAUnd tu' ich's nicht?
GEISTSo wird
GEISTDir binnen Mondesfrist der Holzstoss aufgerichtet,
GEISTDu stirbst den Feuertod - so ist's bestimmt!
MARGARETHASo töt' ich mich vorher!
GEISTVersuch' es nicht! In Flammen wirst
GEISTDu Salamander sein, Im Schoss der Erde Wurm,
GEISTUnd gegen Stahl und Eisen wie von Stein!
MARGARETHAEntsetzen packt mich -
GEISTJa,
GEISTSo ist's bestimmt, so wird's erfüllt!
MARGARETHASchon lecken die Flammen am Holz -
MARGARETHASie fassen mich blutigrot!
MARGARETHAWie es nagt, wie es brennt! O Tod!
MARGARETHAFürchterlich, fürchterlich!
MARGARETHAWo flieh' ich hin,
MARGARETHAWo berg' ich mich!
MARGARETHAHerr des Himmels,
MARGARETHAHab' Erbarmen!
MARGARETHALuft!
MARGARETHAHülfe! Rettung! - -
MARGARETHASiegfried! Siegfried! -
SYSTEMVIERTER AUFZUG
Wilde Felsengegend
GENOVEVASteil und steiler ragen die Felsen, -
GENOVEVADrohende Gründe! Schreckliche Wildnis! -
GENOVEVASagt, wann sind wir am Ziele?
CASPAR UND BALTHASARBald!
GENOVEVADer Tag ist schwül, die Füsse schmerzen,
GENOVEVAGönnt eine Weile Ruhe der Müden!
CASPAR UND BALTHASARVorwärts jetzt!
GENOVEVAGrausames Leid fügt Ihr mir zu! -
GENOVEVAFürchtet Ihr nicht, der einst erscheinen,
GENOVEVADer einst mich rächen wird?
CASPAR UND BALTHASARHeuchlerin schweigt!
GENOVEVAWehe mir Armen! -
GENOVEVAHier führt kein Weg zurück.
BALTHASARHier wartet!
GENOVEVAWeh' mir, kaum halt' ich aufrecht mich.
SYSTEMGaunerlied
CASPAR UND BALTHASARSie hatten beid' sich herzlich lieb,
CASPAR UND BALTHASARSpitzbübin war sie, er ein Dieb.
CASPAR UND BALTHASARWenn Schelmenstreich' er macht',
CASPAR UND BALTHASARSie warf sich hin und lacht',
CASPAR UND BALTHASARUnd lacht'.
CASPAR UND BALTHASARUm sechse früh ward er gehenkt,
CASPAR UND BALTHASARUm sieben drauf in's Grab gesenkt;
CASPAR UND BALTHASARSie aber schon um acht
CASPAR UND BALTHASAR'nen andern küsst', und lacht',
CASPAR UND BALTHASARUnd lacht'.
GENOVEVADie letzte Hoffnung schwindet,
GENOVEVABald ist's vorüber! -
GENOVEVASterben müssen, so jung,
GENOVEVASterben von Mörderhand, -
GENOVEVAPreisgegeben der Schande!
GENOVEVAZeigt kein Ausweg sich? erscheint kein Retter?
GENOVEVASiegfried, Siegfried, hörst du die Stimme nicht
GENOVEVADeines Weibes, das dich treu geliebt?
GENOVEVAUnd die Schuld wird einst zu Tage kommen.
GENOVEVAUnd sehnsuchtsvoll wirst du mich rufen,
GENOVEVAUnd trösten kann ich dich nicht,
GENOVEVASiegfried, sagen dir nicht,
GENOVEVAWie ich vergeben
GENOVEVAAlles Weh um deinetwillen! -
GENOVEVAZeigt kein Ausweg sich? erscheint kein Retter?
GENOVEVAWas leuchtet hier aus dunklem Versteck -
GENOVEVAEin Kreuz, ein Muttergottesbild!
GENOVEVADies sah'n sie nicht, sie hätten
GENOVEVADen letzten Trost mir geraubt! -
GENOVEVAO heil'ge Jungfrau, blick' auf mich,
GENOVEVAGib' Kraft, das Bitterste zu tragen!
GENOVEVAMich geb' ich hier in Deine Hand,
GENOVEVAO zieh' sie nicht zurück,
GENOVEVADie Du zum Heil mir ausgestrecket,
GENOVEVADu leitest mich zu meinem Glück,
GENOVEVAGib dass dazu kein Weg mich schrecket! -
GENOVEVAWie wird die Luft von Tönen wach,
GENOVEVAWie weh'n zum Herzen mir sie mild!
GENOVEVAUnd Fels und Wald hallt von den Tönen nach,
GENOVEVAWie wird auf einmal alles Leid gestillt!
GENOVEVAWas schau' ich! Oeffnet sich der Höhle Dach?
GENOVEVADer Himmel über mir von Glanz erfüllt
GENOVEVAUnd in dem Glanz der Liebe Bild!
GENOVEVAAllgütiger! Sieh mich vor Dir im Staube.
GENOVEVAWas ist vor Deines Himmels Herrlichkeit
GENOVEVADer Menschen Not, der Erde kurzes Leid!
GENOVEVADu lässt mich der Verzweiflung nicht zum Raube!
GENOVEVADu Liebesquell, mein Hort, an den ich glaube,
GENOVEVADurch Trübsal führst Du ein zur Seligkeit!
GENOVEVAIch höre Schritte durch den Wald, -
GENOVEVAWas kommen mag, ich bin gefasst.
GOLOKennt Ihr den Ring?
GOLOUnd auch dies Schwert?
GOLODies Schwert gab mir Graf Siegfried,
GOLODass Ihr den Tod von ihm empfangt -
GOLODen Ring, damit an seines Willens Ernst
GOLOIhr keinen Zweifel hegt, - wie dünkt Euch das?
GENOVEVAIhr lügt -
GOLOLügt auch dies Schwert, -
GOLOLügt auch der Ring, derselbe,
GOLODen Siegfried einst am Traualtar Ihr gabt?
GENOVEVAIch - fass' es nicht!
GOLOWas denkt Ihr über Drago's Ende?
GENOVEVAIch? - Nichts. Was denkt der Graf?
GOLOWas ein jeder denkt, -
GOLODass Ihr auf's Aergste ihn berückt! -
GENOVEVAIn dieser Stunde fängt mein Elend an.
GOLOMit immer höh'ren Reizen Euch zu schmücken -
GENOVEVAO frevelhafter Spott! - Was säumt Ihr noch?
GENOVEVAHier steh' ich, tötet mich; Ihr tut ein gutes Werk!
GOLOWenn Ihr so mutig seid, dass Ihr den Tod
GOLOErwählt, - ich bin zu feig, dies schöne Haupt,
GOLODas mir wie Sonn' und Mond und Sterne war,
GOLOAn's Schwert zu liefern. -
GOLOKommt und entflieht mit mir!
GENOVEVAIhr sprecht im Wahnsinn!
GOLOEinmal nur
GOLOGib, was Du geben kannst, nur einmal
GOLOLass ruhen mich an Deiner Brust!
GENOVEVAZurück, Verruchter!
GOLONur einmal
GOLOGönn' mir dies Himmelsglück! -
GENOVEVAHinweg, Du fluchbelad'ner Mann!
GOLOHör' mich - vom Tod will ich Dich retten, -
GOLONur bitte!
GENOVEVAEuch! O nie!
GOLOBedenk', -
GOLODu bist in meiner Macht! Ein Wink
GOLOVon mir, - und jene Männer greifen Dich!
GENOVEVAIch bin in Gottes Hand! -
GOLOO sprich es aus ein einzig Wort,
GOLOUnd Du bist frei! - -
GOLODu schweigst? -
GOLOIhr Männer tretet vor!
GOLOSeid Ihr bereit, des Herrn Befehl
GOLOAn seiner sünd'gen Gattin zu vollziehn?
SYSTEMBALTHASAR UND CASPAR.
GOLOJa! -
GOLOSo will's der Graf, Ihr sollt's
GOLOMit diesem Schwerte tun!
DIE BEIDENWie Ihr befehlt, so wird's gescheh'n! -
GOLOTut Eure Pflicht!
GOLOIch geh! - Und hört:
GOLOKehr' ich zu Nacht nicht heim in's Schloss,
GOLOSo sucht mich nicht und sagt den Andern:
GOLOIch sei zu Ross, den Falken auf der Hand,
GOLOIn's Land hineingesprengt! -
CASPARHabt Ihr noch einen Wunsch, so nennt ihn! Kann
CASPARIch ihn erfüllen, soll's gescheh'n!
GENOVEVAWenn mein Gemahl zurückkehrt, sagt ihm dies:
GENOVEVADass ich, wie hart er auch mit mir verfuhr,
GENOVEVAIhm Alles doch, bevor ich starb, vergab!
BALTHASARNun ist's genug!
GENOVEVAUmsonst versucht mein Mund,
GENOVEVADie rohen Herzen zu erweichen!
GENOVEVASchickst Du kein Zeichen Deiner Huld,
GENOVEVASo sterb' ich jetzt! - Doch Deinem Willen
GENOVEVAMuss ich mich neigen! -
CASPARFühr' sie vom Kreuze fort; am Kreuz
CASPARMag ich nicht morden!
BALTHASARFort von hier!
GENOVEVAVom Kreuze lass' ich nicht!
BALTHASARGlaubt Ihr, das Kreuz schützt auch ein buhlend Weib?
SYSTEMGENOVEVA.
BALTHASARVon meinem Heiland lass' ich nicht!
CASPARMir ist, als hört' ich in der Ferne
CASPARGeschrei und Hörnerruf -
BALTHASARSchweig', Feiger, schweig -
BALTHASARDie Furcht hat Dein Gehör geschärft, -
BALTHASARFass' an, fass' an!
CASPARMir bebt die Hand, ich kann es nicht -
GENOVEVAHeb' gnädig mich zu Dir empor!
CASPARWir sind verraten - lass uns fliehn!
BALTHASARHinweg!
JÄGERSie ist's, am Kreuze dort!
JÄGERDen Mördern nach!
JÄGERZu Hülfe ihr!
JÄGERWo ist der Graf? Fort suchet!
JÄGERDa naht er!
MARGARETHAGraf Siegfried herbei!
SIEGFRIEDO Genoveva!
CHORWeh', sie erkennt ihn nicht!
SIEGFRIEDMein teures Weib! -
CHORDer Schreck raubt' ihr die Sinne!
GENOVEVAGüt'ger Gott - wo bin ich!
SIEGFRIEDMein teures Weib!
GENOVEVADie Stimme kenn' ich - -
GENOVEVAWie Wolken liegt's vor den Augen mir - -
GENOVEVASiegfried, Du bist's! -
CHORWelch' Wiederseh'n!
SIEGFRIEDO lass es ruhn Dein Aug' auf mir! -
GENOVEVAIch mische meine Tränen mit den Deinen!
SIEGFRIEDIch bin die Schuld an Deinem Elend,
SIEGFRIEDIch bin's, der Dich in Not gebracht
SIEGFRIEDWie kann ich Dich versöhnen!
GENOVEVASprich nicht so!
GENOVEVAEs war nicht Deine Schuld, der Himmel fügt' es!
SIEGFRIEDSo lang' ich lebe, kömmt kein Trost
SIEGFRIEDIn meine Brust! -
GENOVEVAGlaub' mir auf's Neu'
GENOVEVAKehrt Ruh und Glück zurück;
GENOVEVAGelingen wird es meiner Lieb' und Treu'!
BEIDEGelingen wird es unsrer Lieb' und Treu'!
GENOVEVADoch - wo ist Golo?
BALTHASARUm den seid unbesorgt! Wir fanden ihn
BALTHASARZerschmettert in der Schlucht dort -
GENOVEVAO lass uns fort von diesem Schreckensort!
SIEGFRIEDVersagen Dir die Füsse nicht die Kraft?
CHOR DER FRAUENAuf unsern Händen
CHOR DER FRAUENTragen wir Euch!
CHOR DER MÄNNERVon Zweigen flechten wir
CHOR DER MÄNNERDie Sänfte Euch!
GENOVEVALasst, lieben Leute! Neue Kräfte,
GENOVEVAIch fühl's, durchdringen mich - habt Dank!
SIEGFRIEDStütz' Dich auf mich!
SIEGFRIEDKommt Alle mit in's Schloss,
SIEGFRIEDDenn dieser Tag, ein Festtag soll er sein;
SIEGFRIEDDie Glocken läuten schon von fern,
SIEGFRIEDUnd Priester sollen Messe singen,
SIEGFRIEDDem Hocherhabnen unsern Dank zu bringen!
CHORBestreut den Weg mit grünen Mai'n,
CHORLasst den Ruf erschallen in's Land hinein:
CHORDie viel geduldet,
CHORDie edle Herrin,
CHORSie kehrt zurück!
Gesang hinter der Szene
CHORNun hebet Herz und Hände,
CHORVoll Freude himmelan,
CHORZu ihm, dess' Macht ohn' Ende,
CHORDem all' wir untertan!
CHORSein Reich es soll besteh'n,
CHORIn aller Ewigkeit,
CHORFür ihn zum Tod zu geh'n
CHORWar'n allzeit wir bereit!
CHORWas konnt' uns bringen Schaden,
CHORDa er ja mit uns war!
CHOREr ist der Quell der Gnaden,
CHORDer ew'ge, licht und klar!
SCHLUSSCHORErschalle, festlicher Sang,
SCHLUSSCHORErtönet, jubelnde Lieder!
SCHLUSSCHORSiegfried Heil
SCHLUSSCHORDem tapferen Helden,
SCHLUSSCHORHeil Genoveva
SCHLUSSCHORDer hohen Frau!
SCHLUSSCHORDas uns so lang
SCHLUSSCHOREntrissen war,
SCHLUSSCHORDas edle Paar
SCHLUSSCHOREs kehrt uns zurück!
MÄDCHENNehmet zu freundlich -
MÄDCHENHoldem Empfang
MÄDCHENBlühende Rosen!
SIEGFRIED UND GENOVEVAHabt Dank, habt Dank!
JÜNGLINGEMögen des Lebens
JÜNGLINGEStürme euch nie
JÜNGLINGEFeindlich umtosen!
SIEGFRIED UND GENOVEVAO namenloses Glück!
MÄDCHENLebet in Freude!
JÜNGLINGELebet in Frieden!
GENOVEVAIch kann's nicht fassen,
GENOVEVANicht glauben, mein Siegfried!
ALLESiegfried Heil, dem tapferen Helden,
ALLEHeil Genoveva, der hohen Frau!