Nachtmusikanten

Siegfried Matthus

Hier sind wir arme Narrn

Auf Plätzen und auf Gassen,

Und tun die ganze Nacht

Mit unsrer Musik passen.

Es giebt uns keine Ruhe

Die starke Liebesmacht,

Wir stehen mit dem Bogen

Erfroren auf der Wacht;

Sobald der helle Tag

Sich nur beginnt zu neigen,

Gleich stimmen wir die Laut,

Die Harfen und die Geigen.

Mit diesen laufen wir

Zu mancher Schönen Haus,

Und legen unsern Kram,

Papier und Noten aus.

Der erste gibt den Tackt,

Der andre bläst die Flöten,

Der dritte schlägt die Pauk',

Der viert stöst die Trompeten.

Ein andrer aber spielt

Theorb und Galischan

Mit gar besonderen Fleiß,

So gut er immer kann.

Wir pflegen auch so lang

An einem Eck zu hocken,

Bis wir ein schön Gespenst

Hin an das Fenster locken;

Da fängt man alsbald an

Vor der Geliebten Tür

Verliebte Arien

Mit Pausen und Suspir.

Und sollten vor der Wacht

Wir endlich weichen müssen,

So macht man statt der Händ',

Die Läufe mit den Füßen.

Und also treiben wirs

Oft durch die lange Nacht,

Daß selbst die ganze Welt

Ob unsrer Narrheit lacht.

Ach schönste Phillis hör

Doch unser Musiziren,

Und laß uns eine Nacht

In deinem Schoss pausiren.