Die drei Budrisse
Stanisław Moniuszko
In den Schloßhof hernieder
Rief Held Budris die Brüder,
seine Söhne, und also begann er:
»Führt hervor eure Rosse,
Und macht scharf die Geschoße,
In den Krieg schon wehen die Banner.
Hab's in Wilno erfahren,
Daß alsbald unsre Scharen
Nach der Welt drei Seiten sich kehren:
Olgierd wird Reussens Gauen,
Skirgiel Lachias Auen
Und Fürst Kieystut Teutonien verheeren.
Ihr seid kräftig und munter,
Steigt zum Kampf denn hinunter,
Von der Littauer Göttern geleitet.
Nicht mehr tauge zur Tat ich,
Doch den Ziehenden rat' ich:
Ihr seid drei, drei Wege dann schreitet!
Einer mag sich bereiten,
Unter Olgierd zu streiten
Längs dem Ilmen in Nowogrods Feldern.
Dort giebt's Zobelbesätz'
Und viel andere Schätz',
Und der Kaufmann dort strotzet von Geldern.
In dem Kampf zieh' der Zweit'
In Fürst Kieystuts Geleit,
In dem Blut er der Kreuzritter wate!
Dort giebt's Bernstein wie Sand
Und manch köstlich Gewand
Und brillantengeschmückte Ornate.
Dring' mit Skirgiel der Dritte
Bis in Lachias Mitte;
Wohl an Prunk gerät dort nicht zu denken.
Doch statt dess mag er bringen
Gute Schilde und Klingen
Und von dort eine Tochter mir schenken.
Denn die schönste der Frauen
Ist die Lachin zu schauen,
Wie's Kätzelein tändelt sie gerne,
Weiß wie Milch sind die Wangen,
Schwarze Wimpern umfangen
Ihrer Augen helleuchtende Sterne!
Dorther hab' ich vor lange
In der Jugendlust Drange
Eine Lachin zum Weib mir erkoren;
Und lebt jene gleich nimmer,
Denk' ich ihrer doch immer,
Wenn mein Auge dorthin sich verloren.«
Also mahnt er sie weise,
Segnet dann sie zur Reise;
Sie ziehn hin auf verschiedenen Wegen.
Herbst und Winter erscheinen,
Und noch siehet er keinen:
Budris glaubt im Kampf sie erlegen.
Auf der Schneebahn zum Schloße
Eilt ein Mann hoch zu Roße;
Unterm Mantel was bergen wohl mocht er?
»Ei! ein Kubel! im Kubel
Nowogrodische Rubel?«
»Nein, mein Vater! die lachische Tochter.«
Auf der Schneebahn zum Schloße
Eilt ein Mann hoch zu Roße;
Unterm Mantel was bergen wohl mocht er?
»Bringst wohl! Bernstein, mein Zweiter?
Warst in Deutschland ja Streiter!«
»Nein, mein Vater! die lachische Tochter.«
Auf der Schneebahn zum Schloße
Eilt ein Mann hoch zu Roße;
Voll von Beut' ist der Mantel des Dritten.
Doch noch eh' sie geteilet,
Held Budris schon eilet,
Zu der dritten Hochzeit zu bitten.