Eine Nacht in Venedig
Strauss Jr., Johann
Operette in drei Akten
GUIDO, HERZOG VON URBINO (Tenor)
Senatoren von Venedig:
BARTOLOMEO DELACQUA (Bariton)
GIORGIO TESTACCIOBARBARA, Delacquas Frau (Sopran)
GIORGIO TESTACCIOAGRICOLA, Barbaruccios Frau
GIORGIO TESTACCIOCONSTANTIA, Testaccios Frau
GIORGIO TESTACCIOANNINA, Fischerstochter, Barbaras Milchschwester (Sopran)
GIORGIO TESTACCIOCARAMELLO, Leibbarbier des Herzogs (Tenor)
GIORGIO TESTACCIOPAPPACODA, Makkaronikoch (Tenor)
GIORGIO TESTACCIOCIBOLETTA, Zofe bei Delacqua (Sopran)
GIORGIO TESTACCIOENRICO PISELLI, Seeoffizier im Dienst der Republik Venedig, Delacquas Neffe
GIORGIO TESTACCIOCENTURIO, Page des Herzogs
GIORGIO TESTACCIOBALBI, Diener des Herzogs
Senatorsfrauen:
LIBERATAPEPPINO, ein Junge
CHOR:Kavaliere, Gäste, Musikanten, Diener des Herzogs, Senatoren, Senatorsfrauen, Masken, Gondolieri, Matrosen
CHOR:Fischer, Strassenhändler, Mädchen und Frauen aus dem Volke
CHOR:Ort: Venedig
CHOR:Zeit: Mitte des 18. Jahrhunderts
SYSTEMOuvertüre
SYSTEMERSTER AKT
Platz am Canal grande mit Blick auf die Dogana (Santa Maria della Salute) und die Insel San Giorgio. Rechts vorne das in romanischem Stil gehaltene Haus Delacquas, dahinter, unmittelbar am Kanal, ein zweites Haus.
Links vorne ein torartiger Schwibbogen; an diesen anschliessend der rückwärtige Teil des Palazzo Urbino (in maurischem Stil). Es wird angenommen, dass die Vorderfronten des Palazzo und des Hauses zur Rechten gegen
den Kanal zu liegen, so dass auf dem Platz nur die Rückseiten der Gebäude sichtbar sind. Links, hart an dem
Schwibbogen, steht der primitive Stand des Pappacoda: ein kleines, zerlumptes Zelt, darunter der mit Kohlenfeuer geschürte Makkaronikessel; daneben ein kleines Tischchen, auf dem ineinandergeschichtete Schüsseln liegen. Im Kanal sieht man manchmal eine Gondel vorbeifahren. Rechts am Ufer liegt eine Barke.
Peppino, Volk, Schiffer, Orientalen, Mönche, Gondolieri, Soldaten, Matrosen, Händler aller Art. Dann Pappacoda, zuletzt Annina.
Wenn der Vorhang aufgeht, herrscht reges Volksleben.
Es ist Feierabend. Über der Szene liegt gelblichrotes Licht, wie es der Dämmerung vorangeht. Am Ufer des Kanals legt eine Gondel an, welcher eine Dame entsteigt, die Einkäufe macht und dann weiterfährt. Aus der Barke, die am Ufer liegt, wird Holz geladen. Um Pappacodas Stand stehen und sitzen einige zerlumpte Gesellen, die Makkaroni essen. Peppino, ein kleiner, schmieriger Junge, bedient sie. Der heiter auftretende Pappacoda ist ein junger Neapolitaner: in seinem Äusseren halb Lazzaroni, halb Koch; er hat krauses Haar, braunen Teint, trägt Ohrringe und um den Hals ein Amulett, ist sehr geschwätzig und gestikuliert aufs lebhafteste.
ALLGEMEINER CHORWenn vom Lido sacht
ALLGEMEINER CHORWieder Kühlung weht,
ALLGEMEINER CHORWenn der Sonne Macht Schon zur Neige geht,
ALLGEMEINER CHORDann strömet die Menge
ALLGEMEINER CHORIn buntem Gedränge
ALLGEMEINER CHORDurch Plätze und Strassen,
ALLGEMEINER CHORKanäle und Gassen;
ALLGEMEINER CHORDie Ufer, die Brücken
ALLGEMEINER CHORGefüllt zum Erdrücken;
ALLGEMEINER CHOREin Hasten, ein Laufen
ALLGEMEINER CHORZum Kaufen, Verkaufen!
ALLGEMEINER CHORIn zahllosen Weisen
ALLGEMEINER CHORHört Waren man preisen!
STIMMEN DER VERKÄUFER(durcheinander)
FISCHWEIBPesci, pesci freschi!
BLUMENMÄDCHENQua la bella pianta!
OBSTVERKÄUFERRosse, rosse le angurie!
WASSERTRÄGERAcqua, acqua dolce!
BOHNENHÄNDLERFavetta, favetta!
TOPFENHÄNDLERINPuina, puina!
ALLGEMEINER CHORWelch ein Leben, welch Regen,
ALLGEMEINER CHORWelch munteres Bewegen!
ALLGEMEINER CHORAus Gondeln die Lieder!
ALLGEMEINER CHORVom Ufer hallt's wider
ALLGEMEINER CHORIn jubelnden Sängen,
ALLGEMEINER CHORIn schmetternden Klängen
ALLGEMEINER CHORTönt es: Heil dir, heil Venezia!
ALLGEMEINER CHORHeil dir, Königin der Adria!
PAPPACODASignori, prego, hört, Was Pappacoda wert!
PAPPACODAIhr habt wohl manches Schöne hier,
PAPPACODADoch ohne mich, was wäret ihr?!
CHORWas sagt er? O hört doch! Kommet heran!
CHORHört den Neapolitaner an!
PAPPACODAKommet heran, hört mich an!
PAPPACODA1.
PAPPACODAIhr habet euren Markuspiatz,
PAPPACODADaneben die Piazzetta,
PAPPACODADie Rialtobriicke dann,
PAPPACODADie Merceria, die Loggetta!
PAPPACODAIhr habt des Dogen Prachtpalast,
PAPPACODADen schlanken Campanile,
PAPPACODADer Kanäle süssen Duft,
PAPPACODAUnd habt der Riva Abendkühle.
PAPPACODANur eines hat gefehlt noch
PAPPACODABisher euch immer hier:
PAPPACODAEin echter Makkaronikodi
PAPPACODADen habt ihr nun in mir, ja hier in mir!
PAPPACODAPappacoda in Person
PAPPACODAHat nach Venedig sich gewandt,
PAPPACODAErzeugt für euch die Makkaron'
PAPPACODAMit seiner kunstgeübten Hand!
Tanzend
PAPPACODATia, tia, tia, tia!
PAPPACODADrum sei glücklich, sei selig, Venezia!
PAPPACODAPappacoda, Pappacoda, Pappacoda ist da!
ebenso
CHORSei glücklich, sei selig, Venezia!
CHORPappacoda, Pappacoda, Pappacoda ist da!
PAPPACODA2.
PAPPACODAPreis ihm, der diese Welt
PAPPACODASo trefflich schuf nach allen Seiten,
PAPPACODAEr schuf Erd' und Himmelszelt,
PAPPACODASchuf Wolken, die vorübergleiten,
PAPPACODADie Vögel, das Insektenheer,
PAPPACODADen Walfisch, die Harpune,
PAPPACODASchuf auch diese Stadt im Meer
PAPPACODAUnd schuf die sandige Lagune!
PAPPACODASchuf Sonnenschein und Mondlicht
PAPPACODAUnd schuf zuletzt auch mich!
PAPPACODANur Makkaroni schuf er nicht,
PAPPACODADenn diese schaff nur ich!
PAPPACODADie schaff nur ich!
PAPPACODAPappacoda in Person
PAPPACODAHat nach Venedig sich gewandt,
PAPPACODAErzeugt für euch die Makkaron'
PAPPACODAMit seiner kunstgeübten Hand!
Tanzend
PAPPACODATia, tia, tia, tia!
PAPPACODADrum sei glücklich, sei selig, Venezia,
PAPPACODAPappacoda, Pappacoda, Pappacoda ist da!
ebenso
CHORSei glücklich, sei selig, Venezia!
CHORPappacoda, Pappacoda, Pappacoda ist da!
Vorige. Enrico Piselli
ausrufend
PAPPACODAMaccheroni, Maccheroni di Napoli! Maccheroni con sugo!
PAPPACODAEinen Denar die Schüssel! Makkaroni, so lang wie der Canal grande, mit soviel Käse wie Sand am Lido!
PAPPACODAMakkaroni, Signori, Makkaroni!
Einige Personen treten an den Stand
der, in einen Mantel gehüllt, schon vorher geheimnisvoll von rechts auftrat und das Haus Delacquas fixierte, halblaut
ENRICO.
ENRICOPappacoda!
Stärker
ENRICOPappacoda!
PAPPACODAOh, Signor Piselli!
Stürzt zu ihm.
PAPPACODABefehlen?
ENRICOMein Onkel zuhause?
PAPPACODASignor Delacqua? Nein. Der Senat hat heute Sitzung. Der Onkel sitzt mit.
ENRICOWirklich? Dann will ich meine Tante besuchen!
Will ins Haus
PAPPACODAMan soll nie jemand besuchen, der nicht zuhause ist! Signora Delacqua ist mit Ciboletta zur Vesper nach San Marco.
ENRICOWie unangenehm! Pappacoda, kannst du schweigen?
PAPPACODAOh, Signor, eher schwatzt der Löwenrachen vor dem Dogenpalast als ich!
ENRICONun denn, nimm diesen Scudo!
PAPPACODAEin Scudo?! Das ist gut, oh! Welche Schandtat soll ich begehen für diese Riesensumme?
ENRICOLass meiner Tante ein Briefchen zukommen!
PAPPACODASonst nichts?
ENRICONein. Aber mein Onkel darf nichts davon wissen - du begreifst?
PAPPACODAVollkommen!
ENRICOMorgen ist Delacquas Geburtstag, es betrifft - eine Überraschung!
PAPPACODAFür den Onkel? Verstehe vollkommen. Eine Überraschung!
ENRICOSage Signora Barbara, für heute abend bliebe es bei neun Uhr!
der nicht versteht
PAPPACODAAha! Für heute abend bleibt es bei...
ungeduldig
ENRICONeun Uhr! Ich verlasse mich auf dich, Pappacoda! Und zu keinem Menschen ein Wort!
PAPPACODAZu keinem Menschen ein Wort!
Enrico geht langsam nach rechts ab
zu Pappacoda, der tiefe Bücklinge macht
ALLE.
ALLEWas hat er denn? Was machst du denn?
PAPPACODAIch freue mich! Ich bin gerührt! Wenn man sieht, wie liebevoll dieser junge Neffe mit seiner jungen
PAPPACODATante eine Überraschung plant für den zuwideren Onkel für neun Uhr am Vorabend seines Geburtstags!
PAPPACODADas geht einem förmlich zu Herzen! Braver Jüngling! Charmante Tante!
Mit der Geste des Gehörntwerdens
PAPPACODABeneidenswerter Onkel! Feine Familie!
Vorige. Annina
Annina, ein Fischermädchen, geschmückt mit Korallen und Muscheln aller Art, ein mit Frutti di mare gefülltes
Netz über der Schulter tragend, entsteigt einer rückwärts anlegenden Barke
ALLESeht, o seht!
ANNINAFrutti di mare! Frutti di mare!
ANNINAKommt und kauft Frischeste Ware!
ALLESeht, Annina legt dort an,
ALLEDie immer, wenn sie Fische bringt,
ALLEUns neue Lieder singt!
ALLEStille, stille, hört sie an!
nach vorne kommend
ANNINA1.
ANNINAIch kam von Chioggia
ANNINAZu euch übers Meer
ANNINAUnd brachte die Barke
ANNINAMit Fischen da her!
ANNINAHeut biet ich euch Austern,
ANNINASo saftig und frisch,
ANNINACrevetten und Muscheln,
ANNINADas Feinste zu Tisch!
ANNINAFrutti di mare! Frutti di mare!
ANNINAKommt und kauft
ANNINAFrischeste Ware!
ALLEKauft, kauft!
ANNINA2.
ANNINADas Fischlein im Netze
ANNINAKann nicht mehr heraus,
ANNINADie Auster verkriecht sich
ANNINAUnd schliesset ihr Haus.
ANNINADie Fische, die fängt man,
ANNINADie Fische sind stumm,
ANNINADie Auster, die schluckt man,
ANNINADie Auster ist dumm!
ANNINAFrutti di mare! Frutti di mare!
ANNINAKommt und kauft
ANNINAFrischeste Ware!
ALLEKauft, kauft!
Annina legt ihr Netz und einen Korb voll Austern auf die Bank vor Delacquas Haus
PAPPACODAAh, schöne Annina! Also Frutti di mare?
ANNINAJa! Signor Pappacoda, wollt Ihr ein paar Austern schlürfen?
PAPPACODAAus Eurer Hand mit Haut und Haaren!
öffnet gewandt mit einem vom Gürtel herab hängenden Messer einige Austern
ANNINAAlso, da habt Ihr!
essend
PAPPACODAOh, delikat! Aber apropos Haare! Ich errate, was Euch herführt! Ihr seid wegen
PAPPACODACaramello da, dem Leibbarbier des Herzogs von Urbino, der heute mit seinem Herrn hier ankommt.
PAPPACODADa steht der Palast des Herzogs!
Deutet auf den Palazzo Urbino
ANNINAIhr irrt Euch, Pappacoda ich bringe Barbara Delacqua, meiner Milchschwester, Fische!
ANNINAVon dem Leibbarbier will ich nichts wissen.
PAPPACODAWie? So sprecht Ihr von Caramello, der Euch verehrt anbetet?
ANNINAEin Tunichtgut ist er... ein Ungeheuer ein ...ein...
PAPPACODAAlso, mit einem Wort, Ihr liebt ihn noch immer!
ANNINAAch, sprecht mir nicht mehr von ihm! Sagt mir lieber, wie Ihr mit Ciboletta steht, der hübschen
ANNINAZofe von Signora Delacqua?
presst ihre Hand auf sein Herz
PAPPACODASpürt Ihr, wie es da klopft, wenn ich diesen Balkon betrachte?
Blickt auf Delacquas Balkon
PAPPACODAWisst Ihr, was dieses Klopfen bedeutet, wenn ich zu diesem Balkon hinaufblicke?
PAPPACODAHabt Ihr eine Ahnung, was dieser Klopfbalkon mir...
hat nach links geblickt
ANNINAStill! Da kommt ihre Herrin!
Vorige. Barbara Delacqua
VIERTER AUFTRITT.
eilt auf Barbara, die von links kommt, zu
ANNINABarbara!
BARBARAAnnina! Ach, wie schön von dir, dass du gekommen bist!
mit einem Kratzfuss
PAPPACODAMeinen Respekt, Signora!
BARBARAGrüss Euch, Pappacoda!
Geht an ihm vorbei, will zu Annina
räuspert sich, dann leise zu Barbara
PAPPACODASignora Barbara, auf ein Wort!
Barbara bleibt stehen
PAPPACODASignor Enrico Piselli …
schnell
BARBARAMein Neffe? Was ist's mit ihm?
PAPPACODA… gab mir diesen Brief für seine schöne Tante.
BARBARAGebt her!
Liest verstohlen den Brief
ironisch
PAPPACODAEr meinte, es handle sich um eine Überraschung für hochdero Gemahl.
verwirrt
BARBARAJa, ja, in der Tat ... eine Überraschung... zu Delacquas Geburtstag!
lauter
PAPPACODAUnd es bliebe, wie verabredet, bei heute abend, punkt neun Uhr!
BARBARAPst! Schreit doch nicht so!
leise
BARBARAEs handelt sich doch um eine Überraschung!
PAPPACODAJa, richtig, um eine Uberraschung!
ANNINANun, Barbara!
BARBARAGleich, gleich!
Will zu ihr, bleibt stehen
BARBARAPappacoda! Sagt Ciboletta, sie solle mir melden, wenn mein Mann aus der Sitzung heimkommt!
BARBARAFür Eure Botschaft besten Dank. Da, nehmt und schweigt!
Gibt ihm ein Geldstück
BARBARAJetzt komm, Annina, ich habe eine dringende Bitte an dich! Addio, Pappacoda!
Mit Annina ab
PAPPACODAAddio, Signora, addio! Zwei Scudi! Einer von dem Neffen, einer von der Tante,
PAPPACODAJetzt fehlt nur noch einer von dem zuwideren Onkel! Doch, wo steckt Ciboletta?
Ruft
PAPPACODACiboletta!
Vorige. Ciboletta
FÜNFTER AUFTRITT.
hinter der Szene
CIBOLETTAIch komme schon!
Sie tritt nach rückwärts gehend auf und ruft, heftig gestikulierend, in die Kulisse zurück
CIBOLETTAAddio, addio, Giovannina! Auf morgen! Hoppla!
Sie stösst an Peppino, der eben mit einer Schüssel Makkaroni hantiert, stolpert, fällt mit der
Schüssel zugleich zu Boden, bleibt sitzen und macht ein dummes Gesicht
CIBOLETTABin schon da!
hilft ihr auf
PAPPACODAWo warst du denn, mein Dummerl?
CIBOLETTAIn der Vesper!
PAPPACODAHast du gebetet, dass du ein recht gescheites Mädel wirst?
CIBOLETTAMein Gott, bei mir hilft ja doch nichts!
PAPPACODAAber was hast du denn in der Kirche gemacht, wenn du nicht gebetet hast?
CIBOLETTAIch hab recht bitterlich geweint weil ich in diesem Karneval noch nicht ein einziges Mal getanzt habe!
PAPPACODAGeweint hast du? Geweint wegen Tanzen? Und so was liebt ein Mann wie ich!
CIBOLETTAJa liebst du mich denn wirklich?
PAPPACODAFreilich liebe ich dich - und du - liebst du mich?
CIBOLETTALieben? Was ist denn das?
PAPPACODANun, wenn die da … den da … so recht von Herzen … na, du verstehst ja!
Ciboletta schüttelt verneinend den Kopf; er spricht mit komischen Gesten weiter
PAPPACODAAlso wenn der da ... die da... so recht innig, leidenschaftlich …
drückt sie an sich
PAPPACODAverstehst du?
nickt
CIBOLETTA.
CIBOLETTAMhm! Aber wenn die da ... den da ... und der da ... die da ... liebt, so meine ich, sollten die da und der da ein
CIBOLETTAPaar werden und - heiraten!
PAPPACODAHeiraten?
CIBOLETTAFreilich!
PAPPACODAAlso gut, wir heiraten, sobald ich den Platz als Herrschaftskoch habe, den ich noch immer vergebens suche.
PAPPACODAAber sind wir einmal Mann und Frau, dann nimm dir nicht etwa ein Beispiel an deiner
PAPPACODAHerrin, die ihren Mann mit seinem Neffen betrügt!
CIBOLETTAJa, hast du denn einen Neffen?
PAPPACODANein!
CIBOLETTAIch auch nicht. Mit wem soll ich dich dann betrügen?
zum Publikum
PAPPACODAGott, ist die dumm!
CIBOLETTAWenn ich so dumm bin - weshalb willst du mich denn dann heiraten?
PAPPACODAEben deshalb! Eben deshalb!
CIBOLETTAWas? Nur deshalb? Ich hab fein noch andere Sachen, die mich begehrenswert machen!
drückt sie an sich
PAPPACODADas glaub ich - und was für Sachen du hast!
reisst sich los
CIBOLETTALass mich, zwischen uns ist es aus!
PAPPACODAAber Ciboletta!
CIBOLETTAIch lass mir nicht immer sagen, dass ich dumm bin!
PAPPACODAAber Ciboletta!
schreiend
CIBOLETTA.
CIBOLETTASchluss!
PAPPACODAAber Cibo…
CIBOLETTASchluss!
PAPPACODAAber Ci…
CIBOLETTAHeiraten, ja, das würd' mich freun, Heiraten soll sehr lustig sein!
PAPPACODANur wenn man eine Stellung hat! Von Lieb' allein wird man nicht satt! Und kurz - es geht noch nicht!
CIBOLETTAWarum?
PAPPACODAWarum? Die Frag' ist zu dumm!
beleidigt
CIBOLETTAZu dumm? Zu dumm?
PAPPACODAZu dumm! Zu dumm!
CIBOLETTANun denn, du kluger Mann, So hör mich einmal an!
gesprochen
PAPPACODAWas wird da herauskommen?
CIBOLETTA's ist wahr, ich bin nicht allzu klug,
CIBOLETTADoch wär' ich, sollt' ich denken,
CIBOLETTAAls deine Frau schon klug genug,
CIBOLETTAIch werde dir nichts schenken!
CIBOLETTAWir beide gäben wohl ein Paar,
CIBOLETTAIch nähm' dich mit Vergnügen
CIBOLETTADoch willst du nicht nun denn, fürwahr,
CIBOLETTASo werd ich mich drein fügen
CIBOLETTAUnd bald 'nen andern kriegen!
CIBOLETTAJa ja! Da sorg ich mich nicht drum!
CIBOLETTAZiehst du mich gar zu lang herum,
CIBOLETTASo mach ich kurz "Linksum"!
CIBOLETTAHalt mich nur nicht für gar so dumm!
PAPPACODASei nur nicht bös gleich drum
PAPPACODAIch seh, du bist nicht gar so dumm,
PAPPACODABist weder dumm noch stumm,
PAPPACODADoch nimm nur nicht gleich alles krumm!
CIBOLETTADu bist ein Mann, bist sehr gescheit
CIBOLETTAUnd willst mir imponieren;
CIBOLETTADoch lass ich mich nur kurze Zeit
CIBOLETTASo bei der Nase führen.
CIBOLETTADie Mutter hat mich's schon gelehrt:
CIBOLETTA"Trau keinem! Du wirst betrogen!
CIBOLETTADenn was ein Mann dir zehnmal schwört,
CIBOLETTAIst elfmal schon erlogen!"
CIBOLETTADies Wort ist wohl erwogen!
CIBOLETTADrum frag ich jetzt: Warum
CIBOLETTAZiehst du so lange mich herum?
CIBOLETTABlieb' ferner ich noch stumm,
CIBOLETTADa wär' ich wirklich gar zu dumm!
PAPPACODASei nur nicht bös gleich drum
PAPPACODAIch seh, du bist nicht gar so dumm,
PAPPACODABist weder dumm noch stumm,
PAPPACODADoch nimm nur nicht gleich alles krumm!
Beide tanzen nach rechts ab
Delacqua, Testaccio, Barbaruccio
drei gleich gekleidete, komisch wirkende ältere Männer,Volk im Hintergrund
BARBARUCCIOPuh, das war eine stürmische Sitzung heute!
DELACQUAEure Rede gegen den Herzog von Urbino enthielt manches Wahre!
im Rednerton
BARBARUCCIO"Ich opponiere gegen jeden feierlichen Empfang des Herzogs", rief ich, "wir sind Republikaner und keine Tyrannenknechte!"
TESTACCIODer Herzog von Urbino ist gar kein Tyrann! Er ist ein lebenslustiger Herr, der alljährlich zum Karneval nach
TESTACCIOVenedig kommt und enorm viel Geld sitzen lässt.
DELACQUAViel Geld aber auch ebenso viele betrogene Weiber!
BARBARUCCIOEr hat uns Räte mit unseren Frauen zu einem Feste geladen, das er heute gibt! Ich habe den
BARBARUCCIOBeschluss durchgesetzt, dass unsere Frauen dies Fest nicht besuchen werden!
BARBARUCCIODass ich nicht gehe, versteht sich von selbst, denn ich sitze links - noch linkser als links!
Setzt sich links
TESTACCIOUnd ich gehe zum Fest! Denn ich sitze rechts noch rechtser als rechts!
Setzt sich rechts
Zu Delacqua
BARBARUCCIOUnd Ihr?
DELACQUAIch lasse mich sehen, begrüsse den Herzog und verlasse das Lokal!
BARBARUCCIOAber Ihr wisst doch, dass der Herzog Eurem jungen Weibe im vorigen Karneval auf Schritt und Tritt nachstellte?
DELACQUAEr hat mein Weib nie gesehen, sie war maskiert!
BEIDEOh!
DELACQUAMeine Frau wird heute durch einen sicheren Gondoliere zu meiner Base, der Abtissin, gebracht. In einer halben
DELACQUAStunde führt sie Francesco nach Murano hinüber. Dort wird Barbara vor den tollen Streichen des Herzogs in Sicherheit sein!
TESTACCIOGuter Gedanke!
BARBARUCCIOIch an Eurer Stelle ginge nicht zum Feste!
DELACQUAWarum nicht? Der Herzog hat im Venezianischen reiche Besitzungen; sein Verwalter ist kürzlich gestorben;
DELACQUADer Posten soll neu besetzt werden; ich will mich darum bewerben.
erstaunt
BEIDE.
BEIDEIhr?
DELACQUADie Stelle trägt jährlich dreitausend Zechinen!
erstaunt
BEIDEDreitausend Zechinen?
DELACQUAIch bin kein reicher Mann und...
TESTACCIOHm, wenn es so ist, werde ich ebenfalls um den Posten konkurrieren!
DELACQUA, BARBARUCCIOIhr?
TESTACCIOAuch ich bin kein reicher Mann und...
BARBARUCCIOHm, ich füge mich als überstimmt der Majorität und werde auch auf den Ball gehen.
DELACQUA, TESTACCIOIhr?
BARBARUCCIOUm den Herzog wegen des Postens zu interpellieren!
heftig
DELACQUAOh, Ihr Wetterfahnen!
heftig
TESTACCIOUnd dieser Mann schreit fortwährend gegen Korruption!
heftig zu beiden
BARBARUCCIOWetterfahnen? Korruption? Was wollt Ihr damit sagen? Ich rufe zur Ordnung! Ich interpelliere Euch! Ich sitze links!
schreiend
TESTACCIOIch sitze rechts!
schreiend
DELACQUAUnd ich im Zentrum! Ich sage also: Friede! Friede! Trinkt ein Glas Wein bei mir!
DELACQUAWir werden ja sehen, wer von uns die Verwalterstelle davonträgt!
Alle drei gehen in Delacquas Haus
Volk. Centurio. Balbi. Diener. Dann Caramello. Gondolieri.
ein Page, tritt mit Balbi und den anderen Dienern aus dem Palazzo Urbino
CENTURIOSchnell, schnell, ihr Leute, bald wird der Herzog hier sein! Hisst die Flaggen! Rollt diesen Teppich hier auf!
Die Diener rollen einen Laufteppich vom Palast zum Kanal. Centurio blickt nach rechts rückwärts
CENTURIODa kommt schon eine Gondel mit Caramello, des Herzogs Leibbarbier! Da ist der Herzog auch nicht weit!
Caramello fährt in einer Gondel an, steigt aus
CHOREvviva, Caramello! Des Herzogs Barbier! Er ist es, er ist es! Er kommt als Kurier!
ist ausgestiegen; mit karrikierter Würde sich in die Brust werfend
CARAMELLOWillkommen, alte Freunde!
CARAMELLOGegrüsst seid alle mir!
CARAMELLOJa, staunet nur, betrachtet
CARAMELLOMich wie ein Wundertier!
CARAMELLOIn hoher Ehrenstellung
CARAMELLOSeht ihr mich Wieder hier!
CARAMELLOIch bin zwar nicht der Herzog,
CARAMELLODoch bin ich sein Barbier!
CHOREvviva, Caramello!
CHORDes Herzogs Barbier!
CARAMELLODer Herzog von Urbino
CARAMELLOIch sag's Euch con sordino
CARAMELLOEr liebt die schönen Fraun,
CARAMELLOHat manche kleine Schwächen
CARAMELLOIch weiss davon zu sprechen,
CARAMELLOIch hab ja sein Vertraun!
CARAMELLOIch leb dort wie im Himmel,
CARAMELLOEr nennt mich: "Tölpel! Lümmel!"
CARAMELLODas ist so seine Art!
CARAMELLODoch mir wird alles möglich,
CARAMELLOIch gehe ja tagtäglich
CARAMELLODem Herzog um den Bart!
Mit der Geste des Einseifens
CARAMELLOEr liebt den Scherz, das Lachen,
CARAMELLOEr liebt die Pracht, den Glanz
CARAMELLOUnd andre gute Sachen,
CARAMELLOLiebt Wein, Gesang und Tanz!
CARAMELLOUnd alle diese Dinge
CARAMELLOStudiert' ich fleissig drum!
CARAMELLODie Müh' war nicht geringe,
CARAMELLODoch bracht' es mich nicht um!
CARAMELLOIch mag mich selbst nicht loben,
CARAMELLODoch geh ich gleich euch Proben
CARAMELLOVon ein'gem, was ich kann,
CARAMELLOUnd mit mir rufet dann:
CARAMELLOHoch Caramello, die seltne Perl',
CARAMELLOEr ist doch und bleibt doch ein ganzer Kerl!
CHORHoch Caramello, die seltne Perl',
CHOREr ist doch und bleibt doch ein ganzer Kerl!
gesprochen
CARAMELLOHe! Was steht ihr denn da und gafft? Es ist doch Karneval - tanzt doch! Tanzt!
Weitersingend mit Tanzbewegungen, in welche die Umstehenden allmählich übergehen
CARAMELLOEine neue Tarantelle
CARAMELLOZeig ich hier euch auf der Stelle!
CARAMELLOGebet acht, ihr lernt sie schnelle,
CARAMELLOAuf dem Raume einer Elle!
CARAMELLOAuf und nieder wie die Welle,
CARAMELLOHin und her wie die Libelle,
CARAMELLOBlank und schnell wie die Sardelle,
CARAMELLORasch und flink wie die Forelle!
CARAMELLOVorwärts bis zur Morgenhelle
CARAMELLOKlinge Tamburin und Schelle
CARAMELLOImmer stärker schwelle, schwelle!
CARAMELLOSchlaget Löcher in die Felle,
CARAMELLODas ist alles Bagatelle!
CARAMELLOWer nicht singen kann, der belle,
CARAMELLODass es in die Ohren gelle!
CARAMELLODreht euch wie ein Karusselle,
CARAMELLOWie berauscht vom Götterquelle.
CARAMELLOSchnelle! Schnelle! Schnelle!
CARAMELLOJa, Caramello, das ist ein ganzer Kerl!
CARAMELLOHoch soll er leben, Preis dieser Per!'!
Allgemeiner Tanz
ALLECaramello ist fürwahr ein ganzer Kerl,
ALLEEin Kleinod, eine seltne Perl'!
Centurio und Balbi ziehen sich zurück
Vorige. Pappacoda.
drängt sich durch die Menge, freudig die Arme ausbreitend
PAPPACODA.
PAPPACODACa … Ca … Caramello!
ebenso
CARAMELLOPa … Pa … Pappacoda!
PAPPACODALass dich umarmen!
CARAMELLOPappacoda, alter Makkaronikessei, wie geht es deinen Makkaroni?
PAPPACODADanke, gut! Wie geht es deinem alten Barbierpinsel? Ich muss dir etwas sagen! Ich habe Annina gesehen!
CARAMELLOWo ist sie?
PAPPACODAEben ging sie in Delacquas Haus!
CARAMELLOWas macht denn der alte Delacqua?
PAPPACODAEr ist eifersüchtiger denn je!
CARAMELLOUnd Barbara, sein schönes Weib?
PAPPACODASchöner denn je!
CARAMELLODas wird den Herzog freuen! Er schickt mich voraus, das Terrain zu sondieren!
CARAMELLODu weisst, im Vorjahr hat ihm der alte Delacqua die Geschichte verpatzt und er konnte die schöne
CARAMELLOBarbara nur maskiert sehen!
PAPPACODAUnd mir scheint, heuer will er dem Herzog wieder einen Strich durch die
PAPPACODARechnung machen, denn soviel ich weiss, soll Signora Delacqua nach Murano fahren!
CARAMELLODelacqua weiss, dass der Herzog der schönen Barbara nachsteigt?
PAPPACODAJa und er will sie in Sicherheit bringen. Schlag neun Uhr kommt Francesco mit der Gondel und singt als Zeichen das Lied.
CARAMELLOWelches Lied?
PAPPACODAWeiss ich's?
CARAMELLOAh, der Schlag muss pariert werden! Pappacoda, höre mich an! Schaffe mir sofort den Gondoliere Francesco her.
CARAMELLOIn der Gondel, die die schöne Barbara entführen soil, werde ich den Gondoliere spielen!
PAPPACODAJa, aber ich muss...
CARAMELLOHalt jetzt deine Pappacoda und komm!
Zieht ihn rasch mit sich fort
Barbara. Annina.
kommt mit Annina aus dem Hause
BARBARAAlso, hast du mich verstanden?
ANNINAIch weiss, ich weiss, ich soll maskiert an deiner Steile nach Murano fahren, um neun Uhr wird
ANNINAFrancesco kommen und das alte Lied singen: "Komm in die Gondel, mein Liebchen
blickt sich vorsichtig
BARBARAUm Gotteswillen, still!
ANNINAAber, wozu denn das alles? Hast du ein Stelldichein?
Schelmisch lächelnd
ANNINAVielleicht mit Enrico?
BARBARAJa. Enrico und seine Freunde wollen meinem Manne ein
BARBARAStändchen bringen und während des Tumults soll ich entwischen.
ANNINADu Glückliche!
BARBARAAlso willst du mir helfen?
ANNINAAber gerne!
BARBARAIch danke dir! Ich richte dir einstweilen den Domino her! Komm nicht zu spät!
ANNINAKeine Angst!
Barbara geht ins Haus, Annina will ab
Annina. Caramello.
Caramello kommt von links, bemerkt Annina und pfeift.
Annina blickt sich um, wendet sich aber sofort entrüstet ab.
CARAMELLOAnnina!
kalt
ANNINA.
ANNINAMein Herr?
CARAMELLOJa, was ist denn das für ein Empfang?
Will zu ihr
ANNINAHalt! Komm mir nicht in die Nähe!
CARAMELLOWas soll denn das heissen?
ANNINADas soll heissen: Strafe muss sein! Damit ist alles gesagt!
ANNINAVor einem Jahr war ich dein Alles, dein Täubchen von
ANNINASan Marco, dein Leckerbissen, dein Engel! Halunke! Und heuer?
CARAMELLOHeuer kann ein Paar aus uns werden!
ANNINADas ist das sechste Heiratsversprechen, das du mir gibst...
ANNINAFünf hast du nicht gehalten.... windiger Geselle!
CARAMELLOStürmisch, stürmisch vielleicht aber nicht windig!
CARAMELLODiesmal ist's Ernst. Wenn es glückt, werde ich Verwalter der venezianischen Güter meines Herzogs!
spöttisch
ANNINADie armen Güter!
CARAMELLODie armen Güter?
Tritt ganz nahe zu ihr
CARAMELLOUnd wenn ich eine schöne Verwalterin zur Seite hätte
macht die Geste des Stehlens
CARAMELLOdie mir verwalten hilft?!
ANNINAMeinst du mich?
CARAMELLOFreilich! Seien wir doch wieder gut!
ANNINANein!
CARAMELLOAnnina!
ANNINACaramello!
CARAMELLODu fliegst nicht in meinen Arm?
ANNINAIch fliegen? Nein, mein Lieber!
CARAMELLOEinst liebtest du mich treu und warm!
ANNINADie Zeiten sind vorüber!
CARAMELLOUnd nicht ein Küsschen zum Empfang? Ist das die Liebe unermessen?
ANNINADu liessest Zeit dir gar zu lang,
ANNINADa hab ich auf die Lieb' vergessen!
ANNINAAch! Als meine Barke
ANNINAGlitt übers Meer,
ANNINADa flogen zwei Schwalben
ANNINAHinter mir her
ANNINAUnd sangen leise
ANNINAMir meine Weise:
ANNINAPellegrina rondinella!
CARAMELLOHör mich, Annina!
ANNINARondineila pellegrina!
ANNINAPellegrina rondinella!
ANNINADein Lied von Lieb' und Treue
ANNINAHat einen falschen Ton,
ANNINADu hast es mir gesungen,
ANNINADoch als es kaum verklungen,
ANNINAWar's auch vergessen schon!
ANNINAPellegrina rondinella,
ANNINARondinella pellegrina!
ANNINALockrer Vogel Caramello,
ANNINANimmer traut dir Annina!
BEIDEPeliegrina rondinella,
BEIDERondinella pellegrina!
CARAMELLOImmer treu blieb ich Annina!
ANNINANimmer trau ich dir!
CARAMELLOGlaub, o glaub doch mir!
CARAMELLOLass frei mich dir's gestehen,
CARAMELLODass ich fern von dir,
CARAMELLOWie das so oft pflegt zu gehen,
CARAMELLOManch schöne Frau gesehen,
CARAMELLODoch keine so wie dich!
ANNINAPellegrina rondinella,
ANNINARondinella pellegrina!
ANNINALockrer Vogel Caramello,
ANNINANimmer traut dir Annina!
BEIDEPellegrina rondinella,
BEIDERoridinella pellegrina!
CARAMELLOImmer treu blieb ich Annina!
ANNINANimmer trau ich dir!
CARAMELLOGlaub, o glaub doch mir!
Komischer Tanz. Er will sie küssen, sie reisst sich los,macht lachend eine lange Nase und eilt links ab.
Caramello folgt ihr komisch resigniert, die Hände in den Hosentaschen
Annina. Ciboletta. Caramello. Pappacoda.
kommt mit Ciboletta von rechts
PAPPACODANein, nein, nein, es geht absolut nicht! Unmöglich!
PAPPACODAMit zwei elenden Scudi in der Tasche kann ich kein Kostüm ausleihen!
weinerlich
CIBOLETTAAber ich bringe dir einen alten Anzug meines Herrn!
PAPPACODAWenn auch, es geht nicht! Hier Makkaroni kochen … am Markuspiatz tanzen - das geht nicht!
weint komisch
CIBOLETTAHihihihihi!
weint auch
PAPPACODAHahahahaha!
kommt mit Annina von links
CARAMELLOHöre dir das Duett an!
zu Pappacoda
CARAMELLOWas hat sie denn? Warum heult sie denn?
PAPPACODASie will tanzen!
CARAMELLOSo lass sie tanzen!
PAPPACODAWir haben kein Geld!
CARAMELLOIch hab auch kein Geld und tanze doch!
CARAMELLOIn der Früh' mache ich's so ...
macht die Geste des Einseifens
CARAMELLO....und abends mache ich's so ...
macht einige Tanzschritte
CARAMELLOIch habe eine prächtige Idee! Mein Herzog gibt heute ein Maskenfest
freudig
ANNINAUnd da gehen wir alle hin!
Stolziert wie im Ballsaal
spottet ihr nach
CARAMELLOUnd da gehen wir alle hin!" Habt ihr schon so etwas gesehen? So willst du zum Herzog gehen?
Zeigt auf ihr Netz
CARAMELLODu hast ja lauter Löcher!
Greift in die Tasche und zieht ein Paket Einladungskarten heraus
CARAMELLOAlso hört mich an! Ich soll diese Karten für die Fürstlichkeiten austragen,
CARAMELLOAber auf eine oder zwei kommt es nicht an! Da hast du eine und du und du ...
Verteilt die Karten
CARAMELLOÜberhaupt, was soll ich erst viel herumlaufen? Pappacoda, nimm die ganzen Karten und gib sie deinen
CARAMELLOFreunden! Für Maskenanzüge werde ich sorgen!
CIBOLETTADafür muss ich ihm einen Kuss geben!
Zu Pappacoda
CIBOLETTADu erlaubst schon!
Küsst Caramello
PAPPACODAAuch ich muss ihr einen Kuss geben.
zu Caramello
PAPPACODADu erlaubst schon!
Will zu Annina, Caramello stellt ihm das Bein vor
ANNINAHalt, küsst nicht zu früh!
ANNINAIch bin leider verhindert! Ich muss noch heute nach Chioggia der Vater wartet!
CARAMELLO"Der Vater wartet!" Lass ihn warten! Übrigens wenn sie nicht kann, werde ich mir halt eine andere Tänzerin suchen!
heftig
ANNINAWas hast du gesagt?
CARAMELLODass ich mir eine andere Tänzerin suchen werde!
ANNINASo? Nun geh ich grade mit!
Für sich
ANNINAIch kann von Murano in einer Stunde zurück sein!
CARAMELLOIch hab's ja gewusst!
hebt ihren Rock und spreizt ein Bein vor
ANNINAUnsereins hat doch auch Füsse!
PAPPACODAUnd was für Füsse!
ALLE VIERAlle maskiert, alle maskiert
ALLE VIERCospetto, wie amüsant das wird!
ALLE VIERIn der Menge
ALLE VIERBuntem Gedränge
ALLE VIERSich verstecken
ALLE VIERUnd necken!
ALLE VIERHier entweichen,
ALLE VIERDort erreichen,
ALLE VIERBald sich finden,
ALLE VIERBald verschwinden!
ALLE VIERAlle maskiert, alle maskiert,
ALLE VIERWo Spass und wo Tollheit und Lust regiert!
ALLE VIERGanz ungeniert alle maskiert
ALLE VIERCospetto, wie amüsant das wird!
ANNINAAlles sehen ungesehen
ANNINAKann man dort bequem!
CIBOLETTAAuch kann man im Tanz sich drehen
CIBOLETTAUnd weiss nie mit wem!
CARAMELLODas Geplauder zu belauschen
CARAMELLOUnbemerkt und stumm!
PAPPACODASchlechte Witze auszutauschen
PAPPACODABald gescheit, bald dumm!
ALLE VIERAlle maskiert, alle maskiert,
ALLE VIERWo Spass, wo Tollheit und Lust regiert!
ALLE VIERGanz ungeniert, alle maskiert
ALLE VIERCospetto, wie amüsant das wird!
ANNINAWenn ihr Männer intrigiert habt
ANNINAUnd euch schliesslich demaskiert habt,
ANNINASehen wir armen Frauen klar,
ANNINADass einer wie der andre war!
CARAMELLOUnd wir Männer, die den Frauen
CARAMELLOGingen gläubig auf den Leim,
CARAMELLOKommen endlich statt in Masken
CARAMELLONur mit langen Nasen heim.
PAPPACODADass du dieses nicht begriffen,
PAPPACODAZeigt der Ausdruck des Gesichts!
CIBOLETTAIch versteh nichts von den Kniffen,
CIBOLETTATanzen will ich, weiter nichts!
DIE ÜBRIGENTanzen will sie, weiter nichts!
ALLE VIERAlle maskiert, alle maskiert
ALLE VIERWo Spass, wo Tollheit und Lust regiert!
ALLE VIERGanz ungeniert, alle maskiert!
ALLE VIERCospetto, wie amüsant das wird!
dann tanzen alle vier nach rückwärts ab
Herzog. Gefolge. Volk. Gondolieri.
kommt gelaufen
CENTURIODer Herzog! Der Herzog! Caramello, der Herzog!
Eilt in den Palast
Der Herzog fährt in einer Gondel an; zwei Kavaliere sind ihm beim Aussteigen behilflich und fahren dann in der Gondel weiter
blickt auf seinen Palast und dann auf die ganze Umgebung
DER HERZOGEndlich sehe ich dich wieder! Du Stadt der Liebe! Du Stadt der Freude! Mein herrliches Venedig!
DER HERZOGSei mir gegrüsst, du holdes Venezia!
DER HERZOGIch stehe träumend da, dir so nah!
DER HERZOGZur Liebe dich Natur erkor,
DER HERZOGIn deinen Mauern wohnt das Glück!
DER HERZOGSchon mancher hier sein Herz verlor,
DER HERZOGBekam dafür ein anderes zurück!
DER HERZOGWir fliegen dir zu, wie Falter zum Licht,
DER HERZOGZur Stadt, die uns allen Liebe verspricht!
DER HERZOGMein Herz ruft dir zu:
DER HERZOGO Königin du,
DER HERZOGSei mir gegrüsst, du holdes Venezia!
DER HERZOGIch stehe träumend da, dir so nah!
DER HERZOGDu holde Zauberin,
DER HERZOGSpielst mit den Herzen,
DER HERZOGSo nimm sie hin!
DER HERZOGDie Schmerzen
DER HERZOGSei'n dir verziehn!
DER HERZOGKeiner kann dir entfliehn!
DER HERZOGDie Menschen, sie flüstern dir zu,
DER HERZOGDu holdes Venezia, du!
DER HERZOGDu Wunder dort im Weltenraum,
DER HERZOGSei mir gegrüsst, sei mir gegrüsst!
Ab in den Palast
Herzog. Caramello. Die drei Senatoren
kommt aufgeregt gelaufen
CARAMELLODer Herzog! Wo ist der Herzog?
Er erblickt den wieder auftretenden Herzog und macht tiefe Bücklinge
HERZOGNun, hast du Barbara gesprochen?
CARAMELLONein, unmöglich der Mann ist zu Hause! Er geht ihr nicht von der Seite! Ein ekelhafter Kerl!
Delacqua, Barbaruccio und Festaccio sind aus dem Hause gekommen
CARAMELLODa kommt er ja!
bemerkt den Herzog, für sich
DELACQUAZum Teufel!
Eilt zur Tür seines Hauses und sperrt sie ab
leise zum Herzog
CARAMELLOEr hat die Tür versperrt!
lachend
HERZOGJa, ich habe es gesehen!
sich verbeugend
DELACQUAHoheit!
ebenso
BARBARUCCIOHoheit!
ebenso
TESTACCIOHoheit!
HERZOGIch begrüsse Venedigs Senat in seinen würdigsten Vertretern! Heute abend beim Feste hoffe ich die Herren zu sehen!
DELACQUA, BARBARUCCIO, TESTACCIOGewiss, gewiss, gewiss!
betonend
HERZOGSelbstverständlich erwarte ich Sie mit ihren Damen!
leise zu Barbaruccio
TESTACCIOUnd der Senatsbeschluss?
stotternd
BARBARUCCIOLeider, Hoheit, ist meine Gattin verhindert
TESTACCIOSo wie die meine!
HERZOGUnd Signora Delacqua?
stotternd
DELACQUAAuch meine Gattin kann nicht kommen. .. sie ist bei einer sterbenskranken Tante die einmal sterben wird ... in Treviso!
einfältig
BARBARUCCIOSagtet Ihr nicht, in Murano?
tritt Barbaruccio wütend auf den Fuss
DELACQUANein! Nein! Treviso! Ihr habt schlecht gehört!
leise zum Herzog
CARAMELLOSie soll heute abend nach Murano in Sicherheit gebracht werden! Ich werde aber seinen Plan vereiteln!
HERZOGBravo! Bravo!
Zu Delacqua
HERZOGSignora Delacqua ist also nicht in Venedig?
stotternd
DELACQUANein.. . Sie ist nicht inwendig... in Venedig!
lachend
HERZOGAlso auf ein andermal, ihr Herren! Arrivederci!
den Herzog kopierend
CARAMELLOArrivederci!
BARBARUCCIOEine kleine Interpellation, Hoheit! Der Posten Eures Verwalters ist neu zu besetzen ich konkurriere darum...
TESTACCIOIch ebenfalls!
DELACQUAIch ebenfalls!
BARBARUCCIOAlso dieser Posten.
fällt ihm ins Wort
HERZOG.
HERZOGIst noch nicht besetzt und wird demjenigen zuerkannt, der sich meine Gunst zu erringen weiss! Addio, Signori!
Ab in den Palast
DELACQUA, BARBARUCCIO, TESTACCIOEs lebe der Herzog!
gravitätisch, den Herzog parodierend
CARAMELLODer Posten ist noch nicht besetzt und wird demjenigen zuerkannt, der sich meine Gunst zu erringen weiss!
DELACQUAFrecher Schlingel!
weitersprechend
CARAMELLO… hat der Herzog gesagt! Meine Herren, dieser Posten ist noch frei!
Zeigt auf den Makkaroniofen, drückt Delacqua Makkaroni in die Hand und eilt dann in den Palast ab
wirft ihm zornig die Makkaroni nach
DELACQUAIch protestiere gegen eine solche Behandlung!
Barbaruccio und Testaccio gehen ab
Barbara. Delacqua. Pappacoda
zu Pappacoda, der rückwärts aufgetreten ist
DELACQUAPappacoda, hast du gehört, was der Herzog gesagt hat?
während er die Makkaroni aufhebt und in den Ofen wirft, ohne Interesse
PAPPACODAJawohl, er hat ja laut genug gesprochen!
DELACQUAEr hat gesagt: "Der Posten wird dem zuerkannt, der sich meine Gunst zu erwerben weiss!"
PAPPACODAIhre Gunst?
DELACQUASeine Gunst! Das bezieht sich auf den Herzog! Das ganze bezieht sich auf Barbara, meine Frau, bezieht sich auf das Fest! Verstehst du?
PAPPACODANein, aber auf jeden Fall, es bezieht sich!
DELACQUAWas mache ich denn nur?
PAPPACODADas weiss ich nicht - das geht mich auch nichts an!
DELACQUADer Herzog hat meine Frau nie gesehen ... Wie wäre es, wenn ich ihm eine falsche Barbara vorstellen würde?
PAPPACODAEine Gemeinheit!
empört
DELACQUAFrecher Geselle, mach dass du weiterkommst!
Während Pappacoda seinen Makkaroniofen zusammenräumt und fortträgt
DELACQUAJa, das ist eine famose Idee ... aber erst die richtige Barbara in Sicherheit gebracht!
Ruft zum Balkon
DELACQUABarbara! Barbara! Weibchen!
Barbara erscheint auf dem Balkon
mit gespielter Zärtlichkeit
BARBARAJa, mein geliebtes Männchen?
ebenso
DELACQUAMein Schätzchen, nimm dein Reisetäschchen, dein Kapüzchen, nimm ein Lärvchen vor...
betreten
BARBARASchon jetzt? Es ist doch noch Zeit!
DELACQUADu fährst doch gern nach Murano zu Tantchen ins Klösterchen?
wie oben
BARBARAGewiss, gewiss!
DELACQUARecht so, mein Herzchen, beeile dich nur! Das Gondelchen wird gleich da sein! Leb wohl, mein Herzchen!
DELACQUAEilt ab
blickt nervös suchend umher
BARBARAWo nur Annina bleibt?
Erblickt Annina hinter der Szene, ruft
BARBARAAnnina! Annina!
Annina. Barbara
FÜNFZEHNTER AUFTRITT.
kommt atemlos über die Brücke, trägt in einem Tuch einen Domino aus roter Seide
ANNINAIch komme ja schon! Ich lief bis zum Arsenal, wo Enrico eben seine Freunde zur Serenade für deinen verehrten Herrn Gemahl drillt! Einen Domino habe ich dir auch mitgebracht!
Zeigt den Domino
ANNINARot die Farbe der Liebe! Ist die Luft rein?
BARBARAJa, komm rasch!
will in das Haus
ANNINAEs ist ja zugesperrt!
BARBARAWarte.. . da hast du das Schlüsselchen!
Wirft einen sehr grossen Schlüssel vom Balkon herab
BARBARAJetzt komm nur rasch!
Verschwindet
ANNINAIch komme schon!
Sperrt das Haustor auf und eilt ab
Caramello. Herzog
hat einen grossen Mantel umgeworfen, kommt lachend mit Caramello
HERZOGDeine Idee ist ausgezeichnet! Und bist du des Gondoliere sicher?
in einem gestreiften Mantel, mit einem grossen Schlapphut
CARAMELLOIch bestach ihn mit zehn Zechinen!
HERZOGZehn Zechinen? Ist das nicht zu wenig?
CARAMELLOIch habe ihm so nur acht gegeben! In der Gondel, welche Deiacqua mietet, in der die schöne
CARAMELLOBarbara entführt werden soll, werde also ich den Gondoliere spielen.
HERZOGAusgezeichnet!
CARAMELLONatürlich werde ich Signora Barbara in den Kanälen nur etwas spazieren führen, um sie schliesslich von der Wasserseite aus in den Palast Eurer Hoheit zu bringen.
reibt sich vergnügt die Hände
HERZOGFamos! Wenn sie so schön ist, wie sie im vergangenen Jahr geistreich war als Maske, so ist dein Glück gemacht! Nun ans Werk!
Caramello will ab
HERZOGHalt! Wie wird Signora Barbara deine Gondel erkennen?
CARAMELLODas alte Lied
singend
CARAMELLO"Komm in die Gondel, mein Liebchen! O steige nur ein" das ist das verabredete Zeichen!
HERZOGGut! Gut! Jetzt mach, dass du fortkommst!
Caramello geht ab
Der Herzog. Dann Barbara und Annina. Später Pappacoda und Ciboletta
allein
HERZOGHier ward es still
HERZOGBenützen will Ich diesen Augenblick
HERZOGIch locke sie mit Melodie,
HERZOGVielleicht lacht mir das Glück!
HERZOGDer Mond hat schwere Klag' erhoben
HERZOGUnd vor Gericht es kundgemacht:
HERZOGEr will nicht länger stehn da droben
HERZOGDu hast ihn um den Glanz gebracht!
HERZOGAls er die Sterne jüngst gezählt,
HERZOGHat's an der vollen Zahl gefehlt!
HERZOGJa, zwei der schönsten nahmst du fort,
HERZOGEs sind die beiden Augen dort!
Annina und Barbara erscheinen am Balkon; der Herzog versteckt sich. Herzog für sich
HERZOGDort regt sich's schon Auf dem Balkon!
leise zu Annina
BARBARADen Domino gib mir!
Annina gibt ihr den roten Domino
HERZOGBei meiner Treu, Das scheinen zwei!
leise
ANNINANur schnell, bald ist er hier!
ebenso
BARBARAHorch! Wer schleicht da herum?
zum Balkon
HERZOGPst! Pst! Pst! Pst!
leise
ANNINAEinerlei, wir bleiben stumm,
ANNINABis aus der Gondel das Lied erklingt!
HERZOGSie zaudert, doch List bald den Sieg erringt!
HERZOGSei mir willkommen Du holde Nacht!
HERZOGZum Herzenstehlen Wie gemacht!
HERZOGBin zwar kein Räuber, Bin kein Dieb,
HERZOGZum Herzenstehlen Treibt mich die Lieb'!
Pappacoda und Ciboletta kommen von rückwärts, tragen zwei Bündel
ANNINA, BARBARASchon rückt sie näher, Die holde Nacht!
ANNINA, BARBARAUnser Beginnen Weckt nicht Verdacht!
ANNINAIch lass entführen mich, Ihr zulieb!
ANNINAIhrer indessen harrt schon ein Dieb!
BARBARASie lässt entführen sich!
BARBARAMir zulieb harrt schon ein Dieb!
PAPPACODASchon rückt sie näher, Die holde Nacht,
PAPPACODADrum auf mein Zeichen Habe wohl acht!
CIBOLETTAKomm, Pappacoda, Du Herzensdieb,
CIBOLETTAIch spitz die Ohren, Dein Zeichen gib!
PAPPACODAHast du mir ein Kostüm gebracht?
PAPPACODAFür unsre heutige Faschingsnacht?
CIBOLETTAVon meinem Herren brachte ich
CIBOLETTADies alte Staatskleid mit für dich!
HERZOGMit Vorsicht jetzt hinausgeblickt,
HERZOGOb uns das Abenteuer glückt!
ANNINA, BARBARA, PAPPACODA, CIBOLETTA, HERZOGMit Vorsicht jetzt hinausgeblickt,
ANNINA, BARBARA, PAPPACODA, CIBOLETTA, HERZOGOb uns das Abenteuer glückt!
Alle ziehen sich zurück. Delacqua eilt von links über die Szene zu seinem Hause, schliesst auf und verschwindet darin
hinter der Szene
CARAMELLOHoaho! Hoaho!
HERZOG's ist Caramello Als Gondolier!
HERZOGIch hör sein Singen Schon in der Näh'!
Zieht sich wieder zurück
Caramello
fährt in einer Gondel ans Ufer, steigt aus und singt, dem Balkon zugewandt
CARAMELLOKomm in die Gondel, mein Liebchen!
CARAMELLOO steige nur ein,
CARAMELLOAllzu lang schon fahr ich trauernd so ganz allein!
CARAMELLOHab ich an Bord dich, dann stosse ich freudig vom Land,
CARAMELLOFühre eilig dich hinüber zum schönen Strand,
CARAMELLODer dort lockend winkt,
CARAMELLOFern im Mondlicht blinkt;
CARAMELLOWo uns deckt Dunkel der Nacht,
CARAMELLOWo kein Späherauge wacht!
CARAMELLODort sollst du mir sagen
CARAMELLOEin süsses beglückendes Wort!
CARAMELLOSehnsüchtig Klagen
CARAMELLOFindet Erhörung dort!
CARAMELLOHoaho! Hoaho!
Delacqua. Annina. Caramello. Herzog
Delacqua, mit einer grossen brennenden Laterne in der Hand, führt die sorgsam verhüllte Annina, die er für seine Frau hält, aus dem Haus
DELACQUAKomm nur, liebes Kind!
ANNINAMir ist so bang!
Der Herzog tritt aus dem Dunkel und beobachtet genau den Vorgang; dann zieht er sich aufs neue zurück
DELACQUANach Murano, liebes Kind,
DELACQUATrägt die Gondel dich geschwind;
DELACQUASteig nur ein, lebe wohl,
DELACQUABis von dort ich dich hol!
Er führt Annina zu dem an der Gondel harrenden Caramello. Im selben Augenblick stürzen Ciboletta und Pappacoda zu Delacqua,
packen ihn von beiden Seiten und drängen ihn tanzend nach vorne
Vorige. Pappacoda. Ciboletta
PAPPACODAMesser Delacqua!
CIBOLETTAMesser Delacqua!
PAPPACODAWas soll das heissen?
CIBOLETTAJetzt Euch entfernen?
PAPPACODASeht sie dort kommen...
CIBOLETTAMit den Laternen
PAPPACODADie Serenade...
CIBOLETTAEuch zu Ehren!
PAPPACODA's wär' doch schade
CIBOLETTASie nicht zu hören.
drängen ihn zu seiner Tür
PAPPACODA, CIBOLETTAHinein! Hinein!
PAPPACODA, CIBOLETTAIhr könnt Euch freun!
zu Annina
DELACQUALeb wohl, es muss sein!
Annina winkt ihm stumm
DELACQUADu sagst gar kein Wort?
Will zu ihr
halten ihn fest
PAPPACODA, CIBOLETTA.
PAPPACODA, CIBOLETTASie kommen schon dort!
DELACQUAWohlan denn, hinein!
Ab
PAPPACODA, CIBOLETTAHinein! Hinein!
PAPPACODA, CIBOLETTAIhr könnt Euch freun!
HERZOGHinein! Hinein!
HERZOGDu kannst dich freun!
HERZOGBald soll sie bei mir
HERZOGIn Sicherheit sein!
Verschwindet im Palast
fährt mit Annina fort
CARAMELLO.
CARAMELLOHoaho! Hoaho!
Vorige, ohne Caramello und Annina. Dann Enrico. Matrosen. Schiffsjungen. Volk. Zuletzt Barbara
Matrosen und Schiffsjungen, von Enrico geführt, kommen von rechts rückwärts in einem Zuge tanzend vor
Delacquas Haus und stellen sich dem Balkon gegenüber. Die Schiffsjungen haben bunte Laternen,
die Matrosen haben Mandolinen usw. Von allen Seiten drängt sich Volk hinzu.
VOLKSchnell zur Serenade!
VOLKCHOR der MATROSEN und SCHIFFSJUNGEN
VOLKDu, den wir hochverehren,
VOLKBist morgen sechzig Jahr'!
VOLKDu wurdest grau in Ehren
VOLKDu seltnes Exemplar!
VOLKOft konnt'st du Ruhm dir holen,
VOLKUnd hast es nicht getan;
VOLKDass Herzen du gestohlen,
VOLKMan nicht behaupten kann!
VOLKDies Lied sei dir empfohlen,
VOLKHab die Gnad' und hör es an!
VOLK1.
VOLKMit der Würde, die dir eigen,
VOLKHüllst du weise dich in Schweigen;
VOLKAndre schwatzen, du bleibst stumm da,
VOLKO Delacqua qua qua qua qua!
VOLKWenn die andern debattieren,
VOLKOpponieren, sich blamieren,
VOLKSagst du gar nichts oder nickst:
VOLK"Ja!' O Delacqua qua qua qua qua!
VOLKDeine grössten Gedanken,
VOLKDu hältst sie in Schranken,
VOLKIn sicherem Verschluss,
VOLKDu bist ein Pfiffikus!
VOLKSolche Perlen des Geistes
VOLKSind kostbar, du weisst es,
VOLKDu trägst sie versteckt,
VOLKWo sie kein Mensch entdeckt!
VOLKVivat!
Delacqua am Balkon seines Hauses, verneigt sich, ringt nach Worten
VOLK2.
VOLKGüt'ger Himmel, sei uns gnädig,
VOLKIn dem Rate von Venedig
VOLKLass ihn sitzen noch recht lang da,
VOLKDen Delacqua qua qua qua qua!
VOLKWas die Rechte sich wohl dachte,
VOLKWas die Linke sich wohl dünke,
VOLKSelbst das Zentrum geht ihm nicht nah,
VOLKDem Delacqua quaqua quaqua!
VOLKWie im Rat du gesessen,
VOLKKann niemand vergessen,
VOLKDer je dich dort sah,
VOLKHeil Delacqua qua qua!
VOLKDrum bald lauter, bald leiser
VOLKErtönt's, bis wir heiser,
VOLKBald fern und bald nah:
VOLKHeil Delacqua qua qua!
VOLKVivat!
gerührt
DELACQUASignori, Ihre Huldigung ehrt mich wie schade, dass meine Frau nicht zu Hause ist! Tausend Dank!
Windet sein Taschentuch aus, wovon Pappacoda, der unter dem Balkon steht, ganz nass wird; dann ab ins Haus
Barbara, im roten Domino, ist inzwischen aus der Haustür getreten, wird von Enrico begrüsst und, von Laternenträgern gedeckt, durch den Schwibbogen fortgeführt.
CHORHerrlicher Spass!
CHOREr ist ganz enchantiert!
CHOREilet, dass den Moment ihr nicht verliert
CHORSchnell, macht euch fort, noch eh' er die Sache spürt!
hinter der Szene
CARAMELLOHoaho! Hoaho!
CHORNur stille und lauschet! Die Gondel, sie rauschet, Es tönet der Gesang!
wie oben
CARAMELLOKaum dass mein Liebchen
CARAMELLODie schaukelnde Gondel entführt,
CARAMELLOHat auch bald sich's umfangen vom Schlaf gespürt!
CARAMELLOSchwankende Wogen, sie lullen leise dich ein
CARAMELLOUnd mein Lied klingt dir süss in den Traum hinein!
CARAMELLOHoaho! Hoaho!
hat sich zum Ufer gewendet
CHORAus den Gondeln holde Sänge,
CHORVon Balkonen Liebeslieder!
CHORHerzbestrickend hallt es wider,
CHORÜbet Zaubermacht!
CHORKosen und Lauschen
CHORBei flüsterndem Rauschen In Mondstrahles Pracht
CHORDas ist Venedigs Nacht!
Bei den letzten Takten hat sich der Chor ganz leise zurückgezogen. Die Bühne bleibt einen Augenblick leer. Das Licht des eben aufgegangenen Monds beleuchtet die Szene. Caramello fährt, mit der schlafenden Annina in der Gondel, vorbei und sieht sich lachend nach dem Hause Delacquas um.
Der Vorhang fällt langsam
SYSTEMZWISCHENAKTS-MUSIK
SYSTEMZWEITER AKT
Im Palast des Herzogs. Prachtvoller Saal. Rückwärts mächtige Glastüren. Der vordere Teil des ganzen Raumes,
der durch eine grosse Portiere von der weiten Hinterbühne abgetrennt werden kann, bildet unterstützt durch entsprechende Möblierung ein eigenes, intim wirkendes Gemach.
Der Herzog. Centurio. Balbi
festlich gekleidet, geht ungeduldig auf und ab. Zu Centurio, der nach rückwärts späht
HERZOGWo bleibt nur Caramello?
CENTURIOVielleicht hat Signora Barbara Widerstand geleistet!
HERZOGKaum glaublich! Sind meine Leute instruiert?
CENTURIONach Eurer Hoheit Befehl!
HERZOGSobald also diese Vorhänge geschlossen sind, wird niemand mehr vorgelassen! Und sie werden geschlossen, sobald Caramello mit einer Dame kommt.
Nervös
HERZOGLeider kommt er noch immer nicht!
von rechts
BALBIEure Hoheit!
HERZOGWas gibt's? Ist Caramello da?
BALBINein, Euer Hoheit . Gäste!
HERZOGFühre sie in den Festsaal - hier will ich allein bleiben!
BALBIEs sind Damen!
aufhorchend
HERZOGDamen? Hübsch? Jung?
BALBIEs sind lauter Frauen von Senatoren!
sehr überrascht
HERZOGSenatorsfrauen, die trotz des Verbots ihrer Männer mein Haus betreten?
HERZOGDa bin ich doch neugierig herein mit ihnen!
Vorige. Agricola, Constantia, Notbierga, Macedonia, Teodolinda und andere Senatorsfrauen,
Balbi lässt die Damen, die Maskenkostüme tragen, aber unverlarvt sind, eintreten. An der Spitze
kommt Agricola, eine dicke alte Dame, die jedoch noch sehr lebenslustig ist
DIE SENATORSFRAUENNur ungeniert hereinspaziert,
DIE SENATORSFRAUENDer Herzog lud uns ein!
DIE SENATORSFRAUENDrum soll Senat und hoher Rat
DIE SENATORSFRAUENNicht hinderlich uns sein.
DIE SENATORSFRAUENZu sagen "Nein" wär' gar nicht fein,
DIE SENATORSFRAUENMan muss doch höflich sein!
DIE SENATORSFRAUENWir sagten "Ja" und sind nun da
DIE SENATORSFRAUENTrotz unsrer Minncr Schrein.
DIE SENATORSFRAUENDie machen sich nur lächerlich
DIE SENATORSFRAUENMit ihrer Politik -
DIE SENATORSFRAUENVon einem Ball im Karneval,
DIE SENATORSFRAUENDa hält uns nichts zurück!
nach einer tiefen Verbeugung vor dem Herzog
AGRICOLAVenedigs Frauen herzuführen
AGRICOLAHab übernommen ich als Pflicht,
AGRICOLAWas kann uns Schlimmes hier passieren,
AGRICOLASo ängstlich sind wir nicht! Nein!
ALLE, HERZOGSo ängstlich sind wir (sie) nicht!
AGRICOLADass Sie, Herr Herzog, allen Frauen
AGRICOLAGefährlich sind, sagt das Gerücht,
AGRICOLADoch unsrer Tugend wir vertrauen,
AGRICOLASo ängstlich sind wir nicht!
ALLE, HERZOGSo ängstlich sind wir (sie) nicht!
ironisch
HERZOGVerstehe ich die Damen recht, führt Sie die Opposition gegen Ihre Männer hierher?
AGRICOLANicht diese allein, Hoheit! Wir wollen den tollen Herzog persönlich kennenlernen,
AGRICOLAeinen Mann, von dessen Galanterie an allen 149 Kanälen Venedigs gesprochen wird.
AGRICOLAEinen Mann, der auf jeder der 370 Brücken Venedigs schon ein verliebtes Abenteuer hatte,
AGRICOLAeinen Mann, der auf jeder der 117 Inseln Venedigs ein Opfer zurückliess!
lachend
HERZOGJa, man vermag sehr viel in der Liebe, wenn man ihr ausschliesslich lebt!
AGRICOLAIhre Hand, mein Fürst! Sie sind zwar ein liebenswürdiger Taugenichts durch und durch aber …
schnalzt mit den Fingern und schüttelt ihm energisch die Hand
AGRICOLA... ich achte Sie!
wie oben
HERZOGWenn Sie mich besser kennen würden
AGRICOLADas verlange ich nicht, aber ...
wie oben
AGRICOLAich achte Sie!
Kokett
AGRICOLAIst es wahr, Herzog, dass Sie nach Venedig mit Heiratsplänen gekommen sind?
HERZOGNein, Signora, ich mache die Reise durchs Leben nicht gerne mit Gepäck!
AGRICOLAOh, dieser Vergleich des ewig Weiblichen
AGRICOLAmit einem Reisekoffer ist zwar kühn, aber ...
wie oben
AGRICOLA... ich achte Sie!
ist rückwärts eingetreten, leise zum Herzog
CENTURIOHoheit, eine Gondel, ich glaube Caramello zu erkennen!
selig
HERZOGEndlich!
Laut
HERZOG.
HERZOGMeine Damen, gestatten Sie, dass ich Sie in den Bankettsaal führe!
Bietet zwei jungen hübschen Senators frauen den Arm
verletzt
AGRICOLAOho, Herr Herzog, ich glaube, Ihr Arm gebührt den älteren Senatorinnen!
macht sich von den beiden jungen Damen los
HERZOGSignora, die älteren Senatorinnen....
schüttelt ihr die Hand
HERZOG...achte ich, aber nach den jüngeren schmachte ich!
AGRICOLADie älteren Senatorinnen würden vor dem tollen Herzog auch nicht zurückschrecken, denn
singend
ALLE SENATORSFRAUENSo ängstlich sind wir nicht! (usw.)
Der Herzog geleitet die Damen bis an die Tür, bleibt dann allein zurück
Herzog. Centurio
kommt
CENTURIOCaramello ist schon im Palais!
HERZOGAllein?
CENTURIOMit einer maskierten Dame!
HERZOGWirklich? Also, du weisst alles: Vorhänge schliessen, niemand vorlassen! Wo ist ein Spiegel? Wie sehe ich aus?
CENTURIOVerführerisch wie immer!
HERZOGWeisst du, was diese Stunde mir bringt? Ein neues Glück! Ein neues Abenteuer!
HERZOGDu weisst doch, treu sein das liegt mir nicht!
Entlässt Centurio durch eine Handbewegung
HERZOGTreu sein, das liegt mir nicht,
HERZOGWeil ich leicht den Kopf verlier,
HERZOGWenn ich nur ein Mädel spür,
HERZOGKann ja nichts dafür!
HERZOGJa, treu sein das liegt mir nicht,
HERZOGWeil mein Blut nach Liebe drängt,
HERZOGUnd mein Herz an Schönheit hängt,
HERZOGGleich Feuer fängt!
HERZOGDas ist meine Manier
HERZOGUnd jetzt geh ich zu ihr!
HERZOGUnd morgen, ach ja, morgen dann,
HERZOGFang ich was Neues an.
HERZOGWas liegt daran?
HERZOGHab stets an eine nur gedacht,
HERZOGAn die von heute Nacht!
HERZOGIch liebe sie
HERZOGBis früh!
HERZOGJa, treu sein - das liegt mir nicht,
HERZOGWeil mein Blut nach Liebe drängt,
HERZOGWenn ich nur ein Mädel spür,
HERZOGKann ja nichts dafür!
HERZOGJa, treu sein das kann ich nicht,
HERZOGWeil mein Blut nach Liebe drängt
HERZOGUnd mein Herz an eine nur denkt.
HERZOGAn sie, nur an sie! Bis früh!
Eilt ab
Annina. Caramello
trägt die halb ohnmächtige Annina, die noch eine Larve trägt, atemlos in den Saal
CARAMELLOPuh!....
CARAMELLOGott sei Dank, dass ich hier bin! Wo soll ich sic denn hinlegen?
Blickt suchend nach einem Sofa
CARAMELLODiese Signora Barbara ist für eine leichtlebige
CARAMELLOVenezianern ziemlich schwer!
Geht mit ihr auf und ab
CARAMELLODie schaut nur so leicht aus! Die hat das Gewicht inwendig!
Renkt sich die Arme aus. Zum Publikum
CARAMELLOAlso bitte, wenn man bedenkt, so ein Haus, so ein Saal und keine Liegegelegenheit!
Setzt sich in einen Fauteui
seufzt
ANNINAAh!
CARAMELLOSagten Sic etwas?
Wie oben
ANNINAAh!
kopiert sie
CARAMELLOAh!
Zum Publikum
CARAMELLOSie hat A gesagt, da wird sie auch bald B sagen! Der Herzog wird sie schon gesprächig machen!
zu Annina
CARAMELLOSie müssen sich in die Lage finden, Signora Barbara!
schwach
ANNINAIch bin schon in der Lage, Signor Caramello!
erstaunt, für sich
CARAMELLOCararnello? Sic kennt mich?
laut
CARAMELLOWoher kennen Sie mich denn? Ich bin doch der Gondoliere Franccsco.
zu Annina
CARAMELLOSie kennen mich?
ANNINAIch kenne Sie und die Erkorene Ihres Herzens!
CARAMELLODie Erkorene meines Herzens?
setzt sich interessiert zu ihr
CARAMELLODa müssen Sie mir schon sagen, welche Erkorene Sie meinen!
ANNINAHaben Sie denn mehrere?
CARAMELLOIch habe mehrere! Denn
singt parodistisch, den Herzog kopierend
CARAMELLO"Treu sein das liegt mir nicht!" Also, welche Erkorene meinen Sie?
ANNINANun, Annina, meine Milchschwester!
geringschätzig
CARAMELLOAch so, Annina … die Milch - Annina!
CARAMELLOGott, ein einfaches Fischermädchen, eine kleine Tändelei!
CARAMELLOWas ist das gegen Sie, schöne Barbara!
ANNINABarbara!
Springt auf und tritt ihm dabei absichtlich auf den Fuss
CARAMELLOAu! Den Tritt kenne ich!
nimmt die Maske ab
ANNINAEsel! Ich bin es, Annina!
erschrocken
CARAMELLOAnnina? Gehorsamster Diener! Barbara - Annina - Annina - Barbara!
ANNINAJa, ich bin das "einfache Fischermädchen"!
CARAMELLOUnglückliche, was willst du denn hier?
ANNINAJa, mein Lieber, das muss ich dich fragen, der mich für den Herzog entführte!
CARAMELLODich? Ich wollte ja Delacquas Frau entführen!
ängstlich
CARAMELLOWenn der Herzog den Missgriff entdeckt, macht er mich um zwei Köpfe kürzer!
pathetisch
ANNINASei ganz ruhig, ich werde meine Rolle als Senatorsfrau ganz gut spielen!
legt den Domino ab, trägt unter demselben ein prachtvolles Staatskleid, stolziert auf und ab, stolpert dabei über die Schleppe
CARAMELLODu willst eine Senatorsfrau sein? Wenn der Herzog dich sieht, ist er imstande...
kokett
ANNINA… sich in mich zu verlieben!
CARAMELLOJawohl! und das dulde ich nicht!
schreiend
CARAMELLODas dulde ich nicht!
Da ihm Annina droht, geduckt, ganz kleinlaut
CARAMELLODas dulde ich nicht!
Will ihr den Domino über die Schultern legen
CARAMELLOKomm ins Gonderl!
CARAMELLOHör mich, Annina, Komm in die Gondel,
CARAMELLOHör doch, komm doch!
ANNINANein, ich bleibe,
ANNINAWill mich amüsieren,
ANNINAWill im Tanze Den Herzog verführen!
CARAMELLOGut! Doch bleibst du,
CARAMELLOSo bleib ich bei dir
CARAMELLOUnd tanzst du, Bin ich dein Tanzkavalier!
ANNINAHaha! Ein feiner Kavalier!
parodistisch übertrieben
CARAMELLOErlauben Sie mir, Um ihre Taille den Arm zu legen!
ebenso, affektiert
ANNINAOh, bitte sehr,
ANNINATröten Sie nöher,
ANNINAIch lieb den Tanz!
reicht ihm die Hand zum Kuss
CARAMELLOWie sie sich spreizt,
CARAMELLODie dumme Gans!
schlägt ihr auf die dargebotene Hand
ANNINAAch, wie so schön,
ANNINASich ein wenig zu drehn...
ANNINAHerrlich, prächtig!
CARAMELLOSie schwärmt für den Tanz,
CARAMELLODas muss man nützen!
CARAMELLOBitte, sich nicht so sehr zu erhitzen!
CARAMELLOJetzt rasch einen Kuss,
CARAMELLOMit dem Tanzen mach Schluss!
ANNINANoch ein bisschen!
CARAMELLOErst ein Küsschen!
ANNINANein, nein, nein!
CARAMELLOJa, beim Tanz
CARAMELLOHüpft das Herz!
CARAMELLOWie das rührt
CARAMELLOUnd verführt!
CARAMELLOLust und Scherz
CARAMELLOJetzt regiert,
CARAMELLOWang' an Wang',
CARAMELLOJeden Zwang
CARAMELLOLöst der Klang!
CARAMELLOSo, jetzt haben wir getanzt und jetzt gehen wir!
ANNINANein, ich bleibe, und wenn du dich auf den Kopf stellst!
CARAMELLOWarum soll ich mich auf den Kopf stellen? Ich kann ja gar nicht auf dem Kopf stehen!
Vorige. Herzog
Der Herzog kommt von links. Annina nimmt rasch ihre Larve vors Gesicht
ANNINAEr ist schon da!
sich verbeugend, aufgeregt
CARAMELLODurchlaucht!
zu Annina
CARAMELLONa Wart!
HERZOGCaraniello, ich bin mit dir zufrieden!
CARAMELLOIch auch mit Ihnen, Durchlaucht!
HERZOGHat sie Widerstand geleistet? Geschrie'n?
CARAMELLOFurchtbar! Wenn ich Eurer Hoheit raten darf, lassen Sie sie laufen, schicken wir sie
CARAMELLOnach Hause, es ist nichts dran an ihr! ich bringe eine andere!
HERZOGDumrnkopf, wo denkst du hin? Lass uns allein, fort, hinaus!
zu Annina, befehlend
CARAMELLOLass uns allein,
CARAMELLOfort, hinaus!
Der Herzog klopft ihm auf die Achsel
CARAMELLOHerein!
HERZOGDich meine ich, hinaus!
wie oben, zu Annina
CARAMELLODich meine ich, hinaus!
HERZOGDu sollst hinaus, Caramello!
CARAMELLOAh, ich soll hinaus? Na ja, das ist was anderes! Aber, Hoheit, eines kann ich ihnen sagen:
CARAMELLOtrauen Sie ihr nicht, sie ist gemeingefährlich, sie beisst!
HERZOGDesto besser, ich liebe den Widerstand!
kleinlaut
CARAMELLODa kann man nichts machen!
ungeduldig
HERZOGSo geh doch endlich!
Nervös auf und ab
folgt ihm auf Schritt und Tritt
CARAMELLOHoheit, trauen Sie ihr nicht! Es wäre schade um Ihr schönes Gesicht . . .
CARAMELLO...sie hat einen Dolch im Gewande!
Stösst an den Herzog, der sich plötzlich umdreht
HERZOGWirst du dich endlich hinausscheren?
CARAMELLOScheren - das ist das Stichwort für einen
CARAMELLOBarbier! Scheren!
Geht nach rückwärts, plötzlich los brechend
CARAMELLOHimmel, Herrgott! Wenn ich nur jetzt jemand hätte, an dem ich meine Wut auslassen könnte! Oh!
Rauf! sich wütend die Haare und geht ab
Der Herzog. Annina
HERZOGSo sind wir endlich denn allein
HERZOGNun lösen Sie Ihr Wort auch ein!
ANNINAWas für ein Wort?
HERZOGIhr Angesicht
HERZOGHat stets die Larve mir verhüllt!
kokett die Maske lüftend
ANNINA.
ANNINAWenn nur Ihr Hoffen sich erfüllt!
HERZOGWas seh ich? Weit ist's übertroffen!
HERZOGO Engelsbild!
Will sie umarmen
ANNINANur nicht so nah!
HERZOGWarum so grausam, Barbara?!
HERZOGAch, Ihre Nachsicht ging für mich
HERZOGSonst weiter doch!
für sich
ANNINAWas hör ich da?
lLaut
ANNINAWie weit ging sie denn eigentlich?
HERZOGSie sagten...
ANNINANun, was sagte ich?
ANNINA1.
HERZOGSie sagten meinem Liebesflehn
HERZOGGewährung zu beim Wiedersehn!
HERZOGIch hoffe, Sie erinnern sich!
ANNINANein, mir ist nichts erinnerlich!
HERZOGSie sprachen dann von Sympathie
HERZOGUnd von...
ANNINAIch sagte: »Schweigen Sie!»
ANNINASie werden wohl erinnern sich?!
HERZOGDas ist mir nicht erinnerlich!
ANNINAVon der guten Barbara
ANNINAHört man saubre Dinge da,
ANNINADas muss ich gestehn!
ANNINAGar zu gerne wüsste ich,
ANNINAWie die beiden eigentlich
ANNINAMiteinander stehn!
HERZOGEndlich nun mir wieder nah,
HERZOGHeissgeliebte Barbara!
HERZOGHör mein liebend Flehn!
HERZOGHeute noch möcht wissen ich,
HERZOGWie wir beide eigentlich
HERZOGMiteinander stehn!
HERZOG2.
HERZOGAls zärtlich Sie umfing mein Arm,
HERZOGDa seufzten Sie: »Es ist sehr warm!«
HERZOGIch hoffe, Sie erinnern sich!
ANNINANein, mir ist nichts erinnerlich!
HERZOGDann hab ein Küsschen ich begehrt
HERZOGUnd Sie...
ANNINAIch sagte: "Unerhört!"
ANNINASie werden wohl erinnern sich!
HERZOGNein, mir ist nichts erinnerlich!
ANNINAVon der guten Barbara...
usw. bis Schluss, dann beide rechts ab
Caramello. Herzog
der den Herzog noch hier glaubt, kommt von rückwärts
CARAMELLOHoheit! Annina!
Bemerkt plötzlich, dass niemand im Zimmer ist, kleinlaut
CARAMELLOSind schon drin da!
Geht zur Tür rechts, ruft
CARAMELLOHoheit! Hoheit!
hinter der Szene
HERZOGWas gibt es?
CARAMELLOSämtliche Senatoren bitten um Einlass!
wie oben
HERZOGWirf sie hinaus!
laut, als ob er zu anwesenden Herren sprechen würde
CARAMELLOSie haben gehört, meine Herren: Hinaus!
Eilt nach rückwärts, ruft
CARAMELLOHerein, meine Herren!
Da niemand kommt, zum Publikum
CARAMELLOAlso bitte, wenn man jemand braucht, ist niemand da!
nervös
CARAMELLOAber ich lasse sie nicht allein!
eilt wieder zur Tür rechts, ruft
CARAMELLOHoheit! Hoheit!
hinter der Szene, ungeduldig
HERZOGWas gibt es schon wieder?
CARAMELLOWenn mir nur etwas einfallen würde
rufend
CARAMELLOSignor Delacqua ist hier!
öffnet die Tür
HERZOGWirf ihn hinaus!
der immer versucht, in das Zimmer zu blicken
CARAMELLOEr lässt sich nicht abweisen!
tritt aus dem Zimmer
HERZOGWas heisst das, er lässt sich nicht abweisen? Ich will nicht gestört werden!
CARAMELLOZu Befehl, Hoheit!
klopfl Caramello auf die Schulter
HERZOGDiese Signora Barbara ist übrigens ein
jede Silbe betonend
HERZOGreizendes Weibchen!
sehr weinerlich
CARAMELLOSo? Reizend? Ist sie wirklich so reizend?
HERZOGAber sie ist spröde, sehr spröde!
plötzlich ausser sich vor Freude
CARAMELLOSie ist spröde?
eilt froh nach rückwärts
CARAMELLOHöre es, Volk von Venedig, sie ist spröde!
HERZOGAber ich werde auch dieses Herz besiegen!
HERZOGAuch sie wird mein werden!
Geht lachend, Caramello mehrmals zublinzelnd, in das Zimmer zurück
allein zum Publikum
CARAMELLOBitte, was hat er gesagt? Auch sie wird mein …? So eine Gemeinheit!
nach rechts sprechend
CARAMELLONa, freue dich auf das morgige Rasieren!
Caramello. Pappacocla, später Volk
als Senator gekleidet, mit einer falschen, unförmigen langen Maskennase, alle Taschen vollgestopft, eine lange Wurst unter dem Arm und eine bauchige, mit Stroh umwundene italienische Weinflasche um den Hals gehängt, kommt torkelnd von rückwärts
PAPPACODACaramello!
erfreut
CARAMELLOAh, Pappacoda! Du musst mir helfen! Aber mir scheint, du hast einen Schwips?
PAPPACODAEinen nur? Ich habe zwei Schwipse! Einen vom Wein und einen vom Schnaps!
CARAMELLOSauf aus!
PAPPACODAAussaufen soll ich? Gleich, gleich!
will trinken
PAPPACODAAber die Nase geniert mich!
schiebt sich die Nase auf die Stirn und trinkt
PAPPACODAHast du nicht Ciboletta gesehen?
CARAMELLOAch, lasse mich in Rub' mit deiner Ciboletta! Ann ina ist hier im Palast! Der Herzog gibt sie nicht frei! Eile hinab an den Kanal und hole einige Genossen, damit wir Annina mit ihrer Hilfe entfuhren!
PAPPACODADazu brauche ich nicht hinabzueilen! Ich habe deine Einladungskarten an meine Freunde verteilt....jeder frisst für drei, sauft für fünf und stiehlt für sieben!
CARAMELLOHerein mit ihnen! Je mehr Lärm, desto besser! Der Herzog soll keine ruhige Minute haben!
Pappacoda pfeift, von allen Seiten kommen Männer und Frauen, durchwegs mit vollbeladenen Taschen, fast alle betrunken
CHORSolch ein Wirtshaus Lob ich mir!
CHORGut und billig Speist man hier!
CHORWer bescheiden, Der verliert,
CHORZugegriffen Ungeniert!
CHORAuch für morgen
CHORLasst uns sorgen,
CHORAngepackt
CHORUnd eingesackt!
CHORMarietta, come va?
CHORSe oggi là va bene
CHORDomani non si sa!
PAPPACODASchau, wie sich alles gut unterhält,
zu Caramello
PAPPACODADoch hab ich sie dir noch nicht vorgestellt!
PAPPACODADieser noble Cavaliere,
PAPPACODALuigi ist's, der Gondoliere!
PAPPACODADer hier Strassenmusikant,
PAPPACODADieser Käselieferant!
PAPPACODADort ein Schneider, un sartore,
PAPPACODAUnd hier dieser pulitore
PAPPACODAPutzt die Stiefel rein und blank,
PAPPACODAUnd der geht auf den Rattenfang!
PAPPACODADas ist Peppo, ein Facchino,
PAPPACODAHier vom Land ein Vetturino.
PAPPACODADieser duftet so pikant,
PAPPACODAWeil er steht am Zwiebelstand!
PAPPACODADer dort säuft, ist Bürstenbinder,
PAPPACODAEr vertrank schon Weib und Kinder!
PAPPACODADie Signora hier ist Wäscherin,
PAPPACODADie Donna Öbstlerin!
PAPPACODAKurz, die ganze riunione
PAPPACODAIst wahrhaftig gar nicht ohne,
PAPPACODADie und der, und der und die
PAPPACODAAlle sind sie nobili.
CHORPensieri ne ho tre:
CHORQuello dell'amorosa,
CHORIi vino et anche il café!
CHOROhe, tralala, ohe!
CARAMELLODoch mit Vorsicht sorget klug,
CARAMELLODass die Taschen weit genug!
CHORMit Vorsicht sorget klug,
CHORDass die Taschen Weit genug!
CHOROhe, tralala, ohe!
CHORSi mette tutto in sacco,
CHORMacacco, per bacco!
leise
PAPPACODAMan steckt ein, man steckt ein,
PAPPACODABis alle Tische blank und rein!
zu Caramello
PAPPACODANoch sah Ciboletta ich nicht
PAPPACODASoviel ich im Saale auch such!
PAPPACODAHa, wenn sie die Treue mir bricht,
PAPPACODASo trifft die Verrät'rin mein Fluch!
ironisch begütigend
CARAMELLOMan steckt ein, man steckt ein,
CARAMELLOWer Weibern traut, wird stets bereun!
CARAMELLOSi mette tutto in sacco,
CARAMELLOPer bacco, per bacco!
CARAMELLOPer bacco! Man steckt alles ein!
CARAMELLOAnnina ist hier im Palast,
CARAMELLODer Herzog gibt sie nicht frei,
CARAMELLODas bringt zur Verzweiflung mich fast!
CARAMELLOWas soll ich nun machen dabei?
ironisch Caramello kopierend
PAPPACODAMan steckt ein, man steckt ein,
PAPPACODADer Herzog könnt' sonst böse sein!
PAPPACODASi mette tutto in sacco,
PAPPACODAMacacco, macacco,
PAPPACODAPer bacco, man steckt alles ein!
CHORSi mette tutto in sacco,
CHORMacacco, macacco,
CHORPer bacco, man steckt alles ein!
CARAMELLOWird wo ein Verbrechen vollführt,
CARAMELLOIst schnell auf der Spur Polizei.
CARAMELLOIn Masse wird dann arretiert,
CARAMELLOVielleicht ist der Schuld'ge dabei!
PAPPACODAAh.
Caramello stopfl ihm den Mund mit der Salami und übernimmt den Ton
BEIDEMan steckt ein, man steckt ein,
BEIDEDer Rechte kann ja drunter sein!
BEIDESi mette tutto in sacco,
BEIDEMacacco, macacco,
BEIDEPer bacco, man steckt alles ein!
CHORSi mette tutto in sacco, Macacco, macacco!
CHORPer bacco, man steckt alles ein!
Alle laufen lärmend ab, Caramello folgt ihnen
Annina. Herzog. Dann Caramello. Später Pappacoda.
Zuletzt Delacqua, Barbaruccio und Testaccio
kommt von rechts
HERZOGDieser Spektakel! Den hat mir sicher Caramello angerichtet!
zurücksprechend
HERZOGDie Luft ist rein, kommen Sie, Signora!
kommt lächelnd
ANNINAMit einem Wort, Sie geben Ihre Bemühungen auf?
HERZOGNoch lange nicht, schöne Signora Barbara! Ihre Kälte macht Sie mir nur noch begehrlicher!
er eilt auf sie zu, will sie umfangen
HERZOGIch liebe Sie, Signora ... ich liebe Sie!
will sie küssen
der plötzlich eintritt
CARAMELLOHo ... Ho . . Ho.....Hoheit!
lässt Annina frei
HERZOGWas willst du denn wieder?
CARAMELLOEiner der Herren Senatoren wünscht
CARAMELLOseine Aufwartung zu machen!
HERZOGWirf ihn hinaus!
CARAMELLOOh.... Das geht nicht
auf die Lange Nase Pappacodas zeigend, die langsam, nach und nach, hinter der Portiere sichtbar wird
CARAMELLOSeine Nase ist schon da . . . gleich wird der ganze Senator da sein!
Pappacoda kommt als "Senator"
CARAMELLODa ist er schon!
sich verbeugend
PAPPACODAOh ... Euer Hoheit!
zu Caramello
PAPPACODAWas soll ich denn reden?
leise
CARAMELLOWas du willst! Du bist ja ein Senator!
im selben Moment treten Delacqua, Barbaruccio und Testaccio auf
DELACQUAOh, der Herzog, Hoheit!
BARBARUCCIOHoheit!
TESTACCIOHoheit!
deckt Annina, leise zu ihr
HERZOGFassung, Barbara, die Ehemänner sind blind!
laut
HERZOG)
HERZOGIch begrüsse alle vier Senatoren!
DELACQUA, BARBARUCCIO, TESTACCIOVier? - Wo? - Ah! - Da!
zu Pappacoda, der sich ängstlich drücken will
DELACQUAWie mir scheint, Kollege Grimaldi!
mit verstellter Stimme
PAPPACODANein, ich bin der andere!
BARBARUCCIONein. Ich kenne keinen Senator mit einer solchen Gurkennase!
TESTACCIODie Nase scheint falsch zu sein!
DELACQUAVielleicht der ganze Senator!
zu Pappacoda
DELACQUAWer das geheiligte Kleid der Senatoren als Maskenkostüm trägt, den straft das Gesetz mit einem Jahr Galeere!
PAPPACODAO maccheronata! Jetzt, Frechheit, hilf!
ungeduldig
HERZOGNun, meine Herren?
BARBARUCCIOHoheit, wir kommen, für das glänzende Fest zu danken! Ein echt italienisches Fest!
DELACQUA, TESTACCIOEcht italienisch!
HERZOGZu gütig! Es galt ja, Venedigs Senat zu ehren! Leider wurde der Beschluss gefasst,
HERZOGdie Damen vom Fest auszuschliessen!
DELACQUANun, ich habe mich um diesen Beschluss nicht gekümmert, denn meine Frau ist von Treviso
DELACQUAzurückgekehrt und befindet sich hier!
Der Herzog und Annina sehen sich betroffen an
DELACQUASie brennt vor Verlangen, Euer Hoheit vorgestellt zu werden!
eilt ab
sich vordrängend
PAPPACODAAuch meine Frau brennt darauf, Euer Hoheit ins Angesicht zu treten!
verneigt sich
leise zu Pappacoda
CARAMELLOKomm, komm - Du musst mir helfen!
PAPPACODAEuer Hoheit - con piacere - cavaliere - habe die Ehre...
ab mit Caramello. Auch Barbaruccio und Testaccio entfernen sich
Der Herzog. Annina. Dann Delacqua mit Ciboletta
zu Annina
HERZOGWas soll ich davon denken? Hat denn Delacqua zwei Frauen?
ANNINAZwei Frauen? Er hat gerade genug an einer!
ANNINAIch bin die echte, so wahr Caramello Barbara Delacqua entführte!
HERZOGJa, wen will er uns denn da bringen?
kommt mit Ciboletta, die einen schwarzen Domino trägt und eine Larve vor dem Gesicht hat
DELACQUA.
DELACQUASo, Euer Hoheit, hier ist meine Gemahlin!
sich verbeugend
HERZOGSignora!
zu Ciboletta
DELACQUAWir sind Unter uns, du kannst die Larve abnehmen! Ich erlaube es dir!
HERZOGUnd ich bitte darum!
Ciboletta demaskiert sich und lässt die Kapuze ihres Dominos fallen
für sich
ANNINACiboletta!
leise zum Herzog
ANNINADas ist meine Zofe!
leise
HERZOGDie Zofe? Oh, unverschämt!
leise zu Ciboletta
DELACQUAVergiss nicht, was ich dir eingeschärft habe! Du bist für heute abend meine Frau und
DELACQUAbittest um den Verwalterposten für mich!
laut
DELACQUABegrüsse Seine Hoheit, Barbara!
Ciboletta macht eine tiefe Verbeugung und küsst dem Herzog die Hand
heiter, ironisch
HERZOGIch bin entzückt, Venedigs schönste Frau endlich persönlich kennenzulernen!
CIBOLETTANa na schönste Frau? Euer Gnaden,
CIBOLETTAHerr Herzog, nehmen das Maul gar zu voll!
gibt dem Herzog einen Rippenstoss
leise
DELACQUAWirst du schweigen!
zum Herzog
DELACQUAHoheit müssen meiner Gattin verzeihen
HERZOGO bitte... Ich finde Signora reizend! Dies ungeschminkte Wesen,
HERZOGdiese Haltung - alle diese Reize hatte ich sozusagen vorgeahnt, als ich meiner
HERZOGBewunderung im vergangenen Karneval in jener Serenade Ausdruck gab, die Signora Barbara so sehr gefiel!
leise zu Annina
HERZOGDenken Sie noch jenes Abends, schöne Frau?
verlegen
ANNINAFreilich, freilich ... wie sollte ich nicht?
DELACQUAWas für eine Serenade?
HERZOGNinana, Ninana, dir will ich singen,
HERZOGNinana, Ninana, hör mich an!
HERZOGNinananana, Ninananana, horch auf das Klingen,
HERZOGNinananana, Ninananana, antworte dann!
HERZOGHeb auf dein Köpfchen, Liebste, träume nicht,
HERZOGO hör mich an, schlummre noch nicht ein!
HERZOGIch sage dir vier Worte von Gewicht,
HERZOGDu musst voll Andacht dein Ohr dazu mir leihn!
HERZOGDas erste: Dass um dich mein Herze bricht,
HERZOGDas zweite: Ich will dein fürs Leben sein!
HERZOGDas dritte: Dass ich dir mein Heil befehle,
HERZOGDas letzte: Dich allein liebt meine Seele!
ANNINA, CIBOLETTANinana, Ninana - ach! ach!
HERZOG, DELACQUANinana, Ninana, schönste der Frauen,
HERZOG, DELACQUANinana, Ninana, du bist mein Glück!
ALLE VIERNinananana, Ninananana, lass dich erschauen,
ALLE VIERNinananana, Ninananana, ach, einen Blick!
HERZOGDu gingst am Montag wie ein Stern mir auf
HERZOGUnd schienest reizend am Dienstag mir,
HERZOGAllein viel schöner noch am Mittwoch drauf!
HERZOGZu Füssen lag ich am Donnerstag dir
HERZOGAm Freitag hob dein Blick mich wieder auf;
HERZOGHab am Samstag dann gelauscht an deiner Tür;
HERZOGUnd durft' ich dich im Glanz am Sonntag sehen,
HERZOGDa war um den Verstand es bald geschehen!
ANNINA, CIBOLETTANinana, Ninana - ach! ach!
HERZOG, DELACQUANinana, Ninana, schönste der Frauen,
HERZOG, DELACQUANinana, Ninana, du bist mein Glück!
ALLE VIERNinananana, Ninananana, lass dich erschauen,
ALLE VIERNinananana, Ninananana, ach, einen Blick!
Nach der Serenade geht der Herzog mit Annina etwas in den Hintergrund
leise zu Ciboletta
DELACQUAAlles geht gut, du gefällst dem Herzog! Jetzt sprich!
stösst Sie
stotternd
CIBOLETTAHerr Herzog! Herr Herzog!
HERZOGSie wünschen?
auf Ciboletta weisend
DELACQUAMeine . . . Madonna Barbara hat ein Anliegen!
HERZOGIst im vorhinein gewährt!
zärtlich
DELACQUAAlso sprich, mein Täubchen von San Marco, sprich!
Gibt ihr einen Rippenstoss. leise
DELACQUASo rede doch, du dummes Ding!
CIBOLETTAMein Gott, ich möcht Euer Gnaden schön gebeten haben um einen Posten in Euer Gnaden Haus!
HERZOGAlso, um welchen Posten handelt es sich denn?
souffliert Ciboletta
DELACQUAVerwalter ... Verwalter
CIBOLETTANun, der Mann möchte gern herzoglicher Leibkoch werden.
lachend
HERZOGLeibkoch?
ebenso
ANNINALeibkoch?
wütend, für sich
DELACQUAIch Leibkoch?
leise zu Ciboletta
DELACQUAVerwalter! Verwalter!
stösst sie verstohlen
ohne sich urn Delacqua zu kümmern
CIBOLETTAEs ist ein braver Bursche, namens Pappacoda, der Makkaroni kocht und
CIBOLETTAStockfisch mit Zwiebeln wie kein zweiter!
lachend
HERZOGMakkaroni?
lachend
ANNINAStockfisch?
zu Delacqua
CIBOLETTANicht wahr, Signor, Stockfisch?
wütend
DELACQUAJa, ja!
HERZOGNun, wenn sich Signora Delacqua für Pappacoda verwendet, soll er Leibkoch werden!
CIBOLETTAAch, Herzog, dafür muss ich Ihnen einen Kuss geben!
fällt ihm um den Hals und küsst ihn
reisst sie vom Herzog weg
DELACQUADu vergisst dich, meine Liebe! Du gehst zu weit!
zum Herzog
DELACQUAEuer Hoheit wollen meiner Gemahlin verzeihen
zu Ciboletta
DELACQUAJetzt komm und freu dich!
will sir mit sich ziehen
hält sich an einem Sessel fest
CIBOLETTANein, nein, ich will hier bleiben, es gefällt mir hier sehr gut!
HERZOGAh, Signor Delacqua, wenn es Ihrer Gattin hier gefällt, so gönnen Sie ihr doch das Vergnügen!
übertrieben freundlich
DELACQUAAch ja, gönnen wir ihr das Vergnügen!
streichelt ihr zärtlich die Wangen und gibt ihr dabei verstohlen einen Backenstreich
DELACQUAIch muss jetzt leider fort!
verbeugt sich
DELACQUAHoheit!
Ab
zu Annina
HERZOGDas Muster eines galanten Ehemannes! Ich will aber doch sehen, ob er wirklich geht!
eilt ihm nach
Annina. Ciboletta. Dann der Herzog. Zuletzt Caramello
nimmt die Larve ab
ANNINAAch, Ciboletta, bald hättest du mit deinem Pappacoda alles verdorben!
erstaunt aufschreiend
CIBOLETTAAnnina! Du hier?
ANNINAJa, man hält mich hier für Delacquas Frau!
stolziert nach vorn
CIBOLETTADich? Das bin ja ich
ANNINAIch auch! Ich bitte dich, bleibe dabei, dass ich Barbara Delacqua bin!
CIBOLETTAUnd ich?
ANNINADo bist, was du bist - meine Zofe!
CIBOLETTADeine Zofe?
nervös
ANNINABarbara Delacquas Zofe! Still, da ist der Herzog!
kommt zurück
HERZOGSo, Dciacqua stört uns nicht mehr!
zu Ciboletta
HERZOGAh, ich sehe, wir haben an dir eine Vertraute gewonnen! Ja, Mädchen, ich liebe deine Herrin!
CIBOLETTASignora Barbara Delacqua?
HERZOGFreilich! Hat sie es dir denn nicht gesagt? Ich liebe sie!
küsst Annina
für sich
CIBOLETTAMein Gott, Annina liebt er auch! Was der alles zusammenliebt!
wendet sich zur Tür, rufi
HERZOGCaramello!
kommt, verbeugt sich
CARAMELLOHoheit!?
HERZOGSchliesse den Vorhang!
CARAMELLODen Vorhang?
HERZOGUnd hierher - das Souper!
CARAMELLODas Souper? o je!
HERZOGGeh!
CARAMELLOO weh!
schliesst die Vorhänge. Man sieht jetzt nur die Vorderbühne als intimen Raum für die nächste Szene
HERZOGDas Souper!
CARAMELLOAdje!
heimlich zu Ciboletta
CARAMELLOIss dich an, du bist nicht alle Tage bei einem Herzog!
Ab
ANNINAWie? Ich soll mit meiner Zofe soupieren?
reicht beiden die Arme
HERZOGJa. Soupieren zu dreien - die Herrin - die Dienerin - der Sklave! Also zu Tische!
ANNINAZu Tische!
Die Wandlichter werden gelöscht, Pagen bringen von links einen gedeckten Tisch mit zwei grossen Leuchtern
HERZOGLasset die andern tanzen da,
HERZOGTralalala, tralaiala!
HERZOGIch bleibe lieber bei Barbara!
HERZOGTralalala, tralalala!
HERZOGDie Herrin zur Rechten, die Zofe zur Linken,
HERZOGRecht vertraulich und nah!
HERZOGIch seh ein Souper heute abend mir winken,
HERZOGWie keins ich noch sah!
Er hat beide Damen zu Tisch geführt. Zu Caramello, der mit Wein eintritt
HERZOGCaramello, schon wieder da? Was drängst du dich hier ein?
CARAMELLOHoheit wollen mir verzeihn! Da die Diener doch genieren, Wollte ich Euch selbst servieren!
leise zu Ciboletta
ANNINABleibe da, bleibe mir nah!
leise zu Annina
CIBOLETTARecht gern, gewiss, ja ja!
auf Pappacoda deutend, der jetzt als Koch gekleidet eintritt und einige Schüsseln balanciert, zu Caramello
HERZOGWen bringst du da noch?
CARAMELLODas ist nur ein Koch!
HERZOGSo so, ein Koch?
CARAMELLOJaja, ein Koch!
PAPPACODAAch ja, ich bin ein Koch!
leise zu Annina
CIBOLETTADas ist Pappacoda!
leise
ANNINASo schweige doch!
der vor Schreck eine Schüssel fallen lässt, leise
PAPPACODADas ist Ciboletta!
laut
PAPPACODAJa ja, ich bin ein Koch!
ALLE ANDERENJa ja, das ist ein Koch!
beiseite
CARAMELLOAch! Zeuge und Beistand mir zu sein,
CARAMELLOBracht' ich den Leidensgenossen herein!
für sich
PAPPACODANa wart, Ciboletta, du kannst dich freun!
zu den Damen
HERZOGKommt, kommt, Ihr holden Frauen,
HERZOGLasst jetzt uns soupieren!
HERZOGWir wollen scherzen und lachen,
HERZOGWerden superb uns amüsieren!
zu Annina
HERZOGBald küss ich dich,
zu Ciboletta
HERZOGBald wieder dich!
zu Annina
HERZOGSo lieb ich dich!
HERZOG(Zu Ciboletta.)
HERZOGSo lieb ich dich!
ANNINA, CIBOLETTAWarum sollt' ich nicht mit dem Herzog soupiern?
ANNINA, CIBOLETTAZu drei'n kann ein Tête-à-tête keinen geniern!
ANNINA, CIBOLETTAOb Caramello/Pappacoda vor Wut ausser sich -
ANNINA, CIBOLETTAWas kümmert's mich?
grollend für sich
CARAMELLO.
CARAMELLOMeineidige Annina!
ebenso
PAPPACODA.
PAPPACODATreulose Ciboletta!
CARAMELLO, PAPPACODADu willst mit ihm soupieren,
CARAMELLO, PAPPACODALässt dich allzuleicht
CARAMELLO, PAPPACODAVom Glanze verführen?!
CARAMELLO, PAPPACODAKannst du so ganz vergessen mich?
CARAMELLO, PAPPACODAPfui, schäme dich!
sich zärtlich zu Annina neigend
HERZOG.
HERZOGWie klopft in Ihrer Nähe das Herz mir froh
fährt mit einer Weinflasche zwischen die beiden
CARAMELLO.
CARAMELLOBefehlen Hoheit Rheinwein oder Bordeaux?
schenkt ein
zu Ciboletta geneigt
HERZOG.
HERZOGSie sprechen ja zu mir kein Wörtchen mehr!
fährt mit der Schüssel zwischen die beiden
PAPPACODAHier ist Boeuf à la mode! Bitte sehr!
zornig
HERZOGPackt euch hinaus! Ihr langweilt mich!
beiseite, zugleich
ANNINA, CIBOLETTAEr ärgert sich!
leise zu Pappacoda
CARAMELLOJetzt hol ich die andern!
CARAMELLODen Wein nehm ich mit!
Ab
zu Annina
HERZOGDu bist das schönste Weib der Welt,
HERZOGBist aller Frauen höchste Zier!
HERZOGGlücklich der Mann, der dir gefällt,
HERZOGRücke doch näher her zu mir!
Vorige. Die Gäste des Herzogs. Ein Herold.
Caramello zieht jetzt rasch die Vorhänge zurück. Man sieht in den von Masken, Senatoren usw. belebten Saal.
In der Mitte auf einem tragbaren Gerüst ein hübsches Mädchen in einem symbolischen Karnevalskostüm, eine
bunte Fahne in der Hand, umlagert von Tänzerinnen.
Phantastische Beleuchtung.
gesprochen
HEROLD.
HEROLDUm zwölf Uhr zieht nach altem Satz
HEROLDDie Maskenschar zum Markuspiatz!
HEROLDDort kommt man schon
HEROLDZu holen Euch
HEROLDMit Sang und Klang!
HERZOGVerhasster Zwang!
gibt ein Zeichen; der Maskenzug bewegt sich nach vorn
CHORJetzt ist's Zeit zur Lustbarkeit,
CHORDrum, Freunde, seid bereit!
CHORLebenslust, Schwellt die Brust,
CHORGibt tins das Geleit!
CHORMondlicht strahlt in voller Pracht,
CHORDer Sternenhimmel lacht!
CHORWelch ein Bild,
CHORWonnig mild,
CHORGibt Venedigs Nacht! Karneval
CHORRuft uns zum Ball
CHOREr ist Souverän!
CHORZögert nicht,
CHORDenn was er spricht,
CHORMuss sofort geschehn!
CHORFrisch hinaus zum Markusplatz,
CHORMusik zielst uns voran,
CHORArm in Arm mit seinem Schatz,
CHORFolgt fröhlich jedermann!
CHORHinaus!
zum Herzog
HEROLDBereit seht Ihr schon der Masken Schwarm,
HEROLDDie Stunde schlug, es ist schon spät!
zu Annina und Ciboletta
HERZOGWohlan, meine Damen, Ihren Arm,
HERZOGFügen wir uns der Majorität,
seufzend
HERZOGweil es anders nicht geht!
lachend
ANNINA, CIBOLETTAWeil es anders nicht geht!
Man hört von fern Glockengeläute
ALLEHorch! Von San Marco der Glocken Geläut
ALLEKündet die Mitternacht,
ALLEMahnend ertönet ihr Ruf: es ist Zeit,
ALLEDass laute Lust hier erwacht!
ALLEWer sich will der Freude weihn,
ALLEDer komme nicht allein,
ALLEWen sein Liebchen liess im Stich,
ALLEDer such' ein andres sich!
ALLEFrisch hinaus zum Markusplatz,
ALLEMusik zieht uns voran,
ALLEArm in Arm mit seinem Schatz
ALLEFolgt fröhlich jedermann!
ALLEHinaus! Hinaus!
nimmt aus der Hand der Karnevalsfigur die Fahne, schwingt sie fröhlich
ANNINAJetzt gebietet der Humor,
ANNINASein Banner flattert hoch empor,
ANNINASeinem Zepter folgt die Schar,
ANNINADie treu ihm stets ergeben war!
ALLEJetzt gebietet der Humor,
ALLESein Banner flattert hoch empor,
ALLESeinem Zepter folgt die Schar,
ALLEDie treu ihm stets ergeben war!
ANNINA, CIBOLETTASeinem Rufe untertan,
ANNINA, CIBOLETTAKommt heran, reiht euch an!
ANNINA, CIBOLETTAHeitre Lust ladet ein:
ANNINA, CIBOLETTAJeder soll willkommen sein!
ALLESeinem Rufe untertan,
ALLEKommt heran, reiht euch an!
ALLEHeitre Lust ladet ein:
ALLEJeder soll willkommen sein!
hat Annina die Fahne aus der Hand genommen, kommt, das Banner fröhlich schwingend, nach vorn
CARAMELLOJetzt gebietet der Humor,
CARAMELLOSein Banner flattert hoch empor,
CARAMELLOSeinem Zepter folgt die Schar,
CARAMELLODie treu ihm stets ergeben war!
ALLEJetzt gebietet der Humor,
ALLESein Banner flattert hoch empor,
ALLESeinem Zepter folgt die Schar,
ALLEDie treu ihm stets ergeben war!
CARAMELLOSeinem Rufe untertan,
CARAMELLOKommt heran, reiht euch an!
CARAMELLOHeitre Lust ladet ein:
CARAMELLOJeder soll willkommen sein!
ALLESeinem Rufe untertan,
ALLEKommt heran, reiht euch an!
ALLEHeitre Lust ladet ein:
ALLEJeder soll willkommen sein!
übernimmt die Fahne von Caramello
HERZOGJetzt gebietet der Humor,
HERZOGSein Banner flattert hoch empor,
HERZOGSeinem Zepter folgt die Schar,
HERZOGDie treu ihm stets ergeben war!
HERZOGDie immerdar ihm treu ergeben war!
Bacchantischer Tanz, Männer tragen die Karnevalsfigur nach vorn bis in die Mitte der Bühne
ALLEAlle maskiert, alle maskiert,
ALLEWo Spass, wo Tollheit und Lust regiert!
ALLEGanz ungeniert alle maskiert,
ALLECospetto, wie amüsant das wird!
Vorhang.
SYSTEMDRITTER AKT
Der Markusplatz. im Hintergrund die Markuskirche, vom Monde beleuchtet. Rechts und links Bogengänge. Rechts rückwärts ein Abgang, welcher um den Glockenturm herum nach der Piazzetta führt. Links rückwärts ein Abgang, der unter dem Schwibbogen des Glockenspiels zu den Mercerien führt. Die Vorderbühne von Laternen beleuchtet. Links vorne eine mit Teppichen geschmückte Loge für den Herzog.
Masken tanzen im Hintergrund; rechts rückwärts erschallt verhallend nachfolgende Reminiszenz
vorbeiziehend
MASKENGRUPPEN.
MASKENGRUPPENKarneval Ruft uns zum Ball
MASKENGRUPPENEr ist Souverän!
MASKENGRUPPENZögert nicht,
MASKENGRUPPENDenn was er spricht,
MASKENGRUPPENMuss sofort geschehn!
MASKENGRUPPENFrisch hinaus zum Markusplatz,
MASKENGRUPPENMusik zieht uns voran,
MASKENGRUPPENArm in Arm mit seinem Schatz,
MASKENGRUPPENFolgt fröhlich jedermann!
Annina. Giboletta. Herzog. Mädchen
Der Herzog kommt mit Annina und Ciboletta; beide tragen stilisierte Taubenkostüme. Aus den Bogengängen kommen einige Mädchen, ebenfalls als Tauben gekleidet
ANNINA, CIBOLETTADie Tauben von San Marco
ANNINA, CIBOLETTAWem sind sie nicht bekannt?
ANNINA, CIBOLETTADie Tauben sind der Liebe,
ANNINA, CIBOLETTADes Friedens Unterpfand!
ANNINA, CIBOLETTADrum hat vor ihren Wagen
ANNINA, CIBOLETTAFrau Venus uns gespannt,
ANNINA, CIBOLETTAUnd später hat uns Noah,
ANNINA, CIBOLETTAAuf Kundschaft ausgesandt!
HERZOGWie's in der Bibel stand
ANNINAWir eilen pfeilgeschwind
ANNINAMit Briefen durch das Land.
CIBOLETTAZur Liebesbotschaft sind
CIBOLETTAWir immer gern zur Hand!
HERZOGDrum ward euch zur Belohnung
HERZOGHier Wohnung und auch Schonung
HERZOGFür immer zuerkannt!
ANNINA, CIBOLETTAEin gutes Beispiel geben wir
ANNINA, CIBOLETTAFür jedes Liebespaar!
ANNINA, CIBOLETTAIn Eintracht leben wir
ANNINA, CIBOLETTAUnd schnäbeln immerdar!
HERZOGO süsse Schnäbelei,
HERZOGWie gern bin ich dabei
HERZOGDrum reicht mir eure
HERZOGSchnäbel alle zwei!
BEIDEIn Liebesseligkeit,
BEIDEVereint in Zärtlichkeit,
BEIDEStets sanft und hold und zart
BEIDENach Taubenart!
HERZOGIn Liebesseligkeit,
HERZOGVereint in Zärtlichkeit,
HERZOGStets sanft und hold und zart
HERZOGNach Taubenart!
Die Mädchen begleiten den Refrain mit einem die Tauben imitierenden Gurren. Nach dem Ensemble "flattern" die Tauben nach rückwärts davon; der Herzog mit Annina und Ciboletta links vorn ab.
Caramello
kommt von rechts rückwärts, blickt traurig dem Herzog nach
CARAMELLODa zieht er hin, der Herzog, mit Annina am Arm - und ich habe das Nachsehen!
CARAMELLOO Weibertreue! Weibertreue!
CARAMELLOAch, wie so herrlich zu schaun
CARAMELLOSind all die reizenden Fraun,
CARAMELLODoch willst do einer vertraun,
CARAMELLODann, Freundchen, auf Sand wirst du baun!
CARAMELLORasch, wie die Wellen entfliehn,
CARAMELLOFlüchtig, wie Wolken dort ziehn,
CARAMELLOTreibt ihr beweglicher Sinn
CARAMELLOSie bald her, bald hin!
CARAMELLOWie sie schmeicheln,
CARAMELLOLiebe heucheln,
CARAMELLOUns durch Tränen
CARAMELLOSchnell versöhnen!
CARAMELLOOb sie schmollen
CARAMELLOOder grollen:
CARAMELLOWie des Herzens Stimme spricht,
CARAMELLOErrätst du nicht!
CARAMELLODoch ich will nicht länger klagen,
CARAMELLONicht cosi an tutte sagen,
CARAMELLODenn es gibt noch süsse Frauen,
CARAMELLODie uns Paradiese bauen!
CARAMELLOReich belohnt ist unser Lieben,
CARAMELLOWenn nur eine treu geblieben.
CARAMELLOTreue, schönes, süsses Wort
CARAMELLODer Liebe sichrer Hort!
CARAMELLONachts die Wellen leise rauschen,
CARAMELLOMädchen an den Fenstern lauschen,
CARAMELLOGondeln gleiten hin und wieder,
CARAMELLORings ertönen sanfte Lieder,
CARAMELLOHell am dunklen Himmelsbogen,
CARAMELLOKommt der Stern der Lieb' gezogen!
CARAMELLOLeuchte mild darein
CARAMELLOUnd lass sie selig sein!
CARAMELLOAch, wie so herrlich zu schaun
CARAMELLOSind all die lieblichen Fraun,
CARAMELLODoch willst du einer vertraun,
CARAMELLODann, Freundchen, auf Sand wirst du baun!
CARAMELLOUnd du fragst immer aufs neu',
CARAMELLOOb dir dein Liebchen auch treu
CARAMELLOHör nur, von fern singt der Gondolier:
CARAMELLOLa donna è mobile!
Links ab
Delacqua, dann Ciboletta, später Barbara mit Enrico
kommt weinend
DELACQUA)
DELACQUAOh, oh! Barbara, mein Weib, ist mir geraubt worden! Ich war in Murano,
DELACQUAdort habe ich Barbara nicht gefunden! Ich war zu Hause da habe ich sie auch nicht gefunden! Francesco, der Gondoliere, hat gestanden, dass dieser Schurke von Caramello sic entführte! Wo mag sie sein!
ruft
DELACQUABarbara! Barbara!
Sucht sie unter den Masken
kommt rufend
CIBOLETTAPappacoda! Pappacoda!
CIBOLETTAWo ist Pappacoda? Ich muss ihm endlich sein Glück verkünden! Er ist ja herzoglicher Leibkoch geworden!
ruft
CIBOLETTAPappacoda! Pappacoda!
erblickt Ciboletta
DELACQUACiboletta, wo ist mein Weib?
CIBOLETTANa, das bin ja ich!
droht ihr mit dem Stock
DELACQUADu!
CIBOLETTAIhr habt mir doch selbst gesagt, dass ich für heute abend Euer Weib bin!
DELACQUADumme Ente, wo ist deine Herrin?
CIBOLETTAIn Murano!
DELACQUADa ist sie nicht! Sie ist hier! Ich weiss es!
CIBOLETTANa, wenn Ihr es wisst, warum fragt Ihr denn mich?
ruft
DELACQUABarbara! Barbara!
für sich
CIBOLETTAMeine Herrin verrate ich nicht!
CIBOLETTAIch will ihn auf falsche Fährte bringen!
aufschreiend
CIBOLETTAHa! Ich hab's!
stürzt zu ihr
DELACQUADu hast es! Was hast du?!
CIBOLETTAIch glaube, Signora Barbara gesehen zu haben!
DELACQUAWo? Wo?
CIBOLETTAAuf der Piazzetta!
DELACQUAMaskiert?
CIBOLETTAJa!
DELACQUAWie?
CIBOLETTASie trug...
DELACQUAWas? Was?
CIBOLETTA…einen ... einen roten Domino!
beiseite, pfiffig
CIBOLETTAIch sage rot, weil sie einen grünen besitzt!
nimmt sie bei der Hand
DELACQUASo komm und hilf mir suchen!
wehrt sich
CIBOLETTA.
CIBOLETTANein, nein, geht nur allein!
DELACQUADu folgst mir oder...
erblickt plötzlich einen roten Domino, stürzt auf ihn zu
DELACQUAHa! ein roter Domino!
sieht plötzlich einen anderen roten Domino
DELACQUAHa! Da noch einer!
Eilt jedem roten Domino nach und ruf!
DELACQUABarbara! Barbara!
Verschwindet unter den Masken
kommt in einem roten Domino mit Enrico von links
BARBARA.
BARBARAHimmel! Das war mein Mann! Er sucht mich!
erschrocken
ENRICODer Onkel! - Rasch verschwinden wir!
BARBARASo schnell als möglich nach Murano!
kommt, aufschreiend
CIBOLETTASignora Barbara!
BARBARACiboletta, du hier?
erschrocken
CIBOLETTAUnd Ihr seid in einem roten Domino? Oh - ich Esel! Messere Delacqua sucht Euch wie eine Stecknadel. Er war in Murano und hat Euch nicht gefunden!
ENRICONun und?
CIBOLETTAUm ihn von Eurer Fährte abzulenken, sagte ich ihm, Ihr hättet einen roten Domino an, weil ich meinte, Ihr hättet einen grünen an! Nun habt Ihr aber wirklich einen roten an!
ausser sich
BARBARAMein Gott, was tun, was tun?!
ENRICONichts einfacher als das! Ihr beide wechselt die Dominos!
BARBARAJa, ja, die Idee ist gut!
CIBOLETTAGlaubt Ihr?
beide wechseln die Dominos
BARBARAUnd jetzt rasch nach Murano! Annina wartet dort auf mich!
will ab
CIBOLETTAAnnina? Die ist ja gar nicht in Murano!
bleibt stehen, sehr überrascht
BARBARANicht in Murano?
CIBOLETTANein, ich habe mit ihr beim Herzog soupiert! Jetzt ist sie mit ihm auf der Piazzetta!
ENRICORasch auf die Piazzetta! Annina soll uns Rede stehen!
BARBARAWas auch geschehe, Ciboletta, du hast mich nicht gesehen!
CIBOLETTANein, ich habe Sie nicht gesehen!
ENRICOSo wenig wie ich!
eilt mit Barbara fort
Ciboletta. Delacqua. Pappacoda
FÜNFTER AUFTRITT.
allein
CIBOLETTABarbara - Annina - Enrico - Delacqua - roter Domino - grüner Domino - Murano - Venedig! Ich weiss nicht mehr, wo mir der Verstand steht. Wenn ich nur Pappacoda fände.
ruft
CIBOLETTAPappacoda! Pappacoda!
läuft über die Szene, ruft
DELACQUABarbara! Barbara!
ab
ruft
CIBOLETTAPappacoda! Pappacoda!
kommt durch die Menge
PAPPACODACiboletta! Ciboletta! Cibolet ..
erblickt sie
PAPPACODA... ta! Du treuloses Frauenzimmer, finde ich dich endlich? Du Verräterin!
CIBOLETTABist du verrückt?
PAPPACODADu, die mir gehört, hast in dem Kostüm, das nicht dir gehört, einen jungen Herzog erhört! Gehört sich das? Unerhört!
CIBOLETTAAber, Pappacoda... Pappacodscherl.. Pappagoscherl
wütend
PAPPACODARrrrr!
CIBOLETTASei doch nicht gar so wütend! Ich habe wohl mit dem Herzog soupiert, habe mir auch einige Liebenswürdigkeiten gefallen lassen, aber nur um einen Preis!
PAPPACODAUm welchen Preis?
CIBOLETTAUm deine Ernennung zum herzoglichen Oberküchenkellerspeisenmeister!
PAPPACODAWas? Ich Oberspeisenkellerküchenmeister?
CIBOLETTAJawohl und das verdankst du mir!
PAPPACODADas verdanke ich dir? Jetzt koche ich dir immer deine Lieblingsspeise!
CIBOLETTAAch, du kochst mir ja doch immer nur Stockfisch mit Zwiebeln!
PAPPACODANein! Ich koche dir meine Spezialspeise: Boeuf ä la mode mit Sauce misterioso!
CIBOLETTAWie macht man das?
PAPPACODATacke, tacke, tack,
PAPPACODAErst hack ich fein,
PAPPACODATacke, tacke, tack,
PAPPACODADie Stoffe klein,
PAPPACODAAm Herd ein Häferl zischt,
PAPPACODADa wird es drin gemischt!
CIBOLETTATacke, tacke, tack,
CIBOLETTAIch hack dabei,
CIBOLETTATacke, tacke, tack,
CIBOLETTANoch allerlei,
CIBOLETTAEin dunkelfarb'ger Saft,
CIBOLETTASein Inhalt rätselhaft!
PAPPACODAWenn's lang genug gerührt,
PAPPACODAWird's sauber durchpassiert
PAPPACODAUnd endlich im Geschirr serviert!
PAPPACODAMan rät, man fragt, was das wohl ist?
PAPPACODAEs scheint deliziös,
PAPPACODADoch etwas mysteriös!
PAPPACODAAber wenn man erst gekostet hat,
PAPPACODASchreit begeistert alles: delikat!
PAPPACODAWer hat das entdeckt?
CIBOLETTAUje! Das schmeckt!
PAPPACODAAlles voll Respekt
PAPPACODADie Finger leckt!
BEIDEWem der Duft nur in die Nase zieht,
BEIDEDem macht's ungeheuren Appetit!
PAPPACODAJa, zu solcher Sauce braucht's Genie, Ich mische sie,
PAPPACODAAber fragt nicht wie!
CIBOLETTAQuirle, quirle, quirl,
CIBOLETTAIch sprudle fein,
CIBOLETTAQuirle, quirle, quirl,
CIBOLETTADrei Eier ein
CIBOLETTAUnd röste nun auf Kohl'n
CIBOLETTAZwei alte Stiefelsohl'n!
PAPPACODAPimperim, pimpim,
PAPPACODAStoss Bröseln dann,
PAPPACODAPimperim, pimpim,
PAPPACODAUnd schütt sie an!
PAPPACODAMit Butter nicht gespart,
PAPPACODASonst beisst sich's Leder hart!
CIBOLETTADoch solch Boeuf ä la mode
CIBOLETTAZiert jede table d'hôte
CIBOLETTAAuch Pappendeckel tät's zur Not!
CIBOLETTAWird's nur garniert recht zierlich, schlau,
CIBOLETTARuft alles erfreut:
CIBOLETTAOh, welche Sauberkeit!
CIBOLETTAAber wenn man erst gekostet hat
usw. bis Schluss. Beide tanzen ab
Der Herzog. Centurio. Ciboletta. Pappacoda
SECHSTER AUFTRITT.
kommt mit Centurio
HERZOGWo mag die reizende Frau nur geblieben sein? Sie verschwand so plötzlich!
CENTURIOIch verstehe es auch nicht! Ihr grüner Domino macht sie doch kenntlich!
kommt, zieht Pappacoda hinter sich nach
CIBOLETTADer Herzog! Komm, ich werd dich vorstellen!
ängstlich
PAPPACODAEr wird mich gleich wieder wegstellen.
CIBOLETTAEuer Hoheit!
nervös
HERZOGWas gibt es?
CIBOLETTAIch habe die Ehre, meinen Bräutigam vorzustellen Ihren neuen Leibkoch!
wie oben
HERZOGWas geht mich der neue Leibkoch an! Ich habe andere Sachen ins Kopf!
plötzlich
HERZOGHalt! Weisst du nicht, wo deine Herrin hingeraten ist?
CIBOLETTAAch, Herr Herzog meinen Annina? Sie haben meinen Pappacoda zum Oberkoch gemacht, dafür will ich mich Ihnen dankbar zeigen: Das Frauenzimmer, mit welcher wir nachtmahlten, ist nicht Signora Barbara Delacqua, sondern ein Fischermädchen aus Chioggia namens Annina und ist Ihres Leibbarbiers Caramello Liebchen!
wütend
HERZOGWas?
Zu Centurio
HERZOGSchaffe mir sogleich Caramello her, tot oder lebendig!
Centurio ab, dann zu Pappacoda und Ciboletta
HERZOGPackt euch!
jammernd
CIBOLETTA)
CIBOLETTAMein Gott,. jetzt ist der Herzog böse!
legt sich mit dem Kopf auf Pappacodas Brust
PAPPACODADumme Gans! Durch dein Geschnatter hast du alles verdorben!
HERZOGBeruhigt euch, du bist und bleibst mein Leibkoch! Nun aber geht!
hoch erfreut
PAPPACODAIch bleibe Leibkoch? Herr Herzig, das ist herzog! Nein, Herr Herzog, das ist herzig! Komm, meine Oberleibköchin!
eilt mit Ciboletta ab
geht wütend auf und ab
HERZOGNa warte, du Schurke!
Der Herzog. Caramello. Cersturio
führt Caramello, der sich noch immer ängstlich drücken will
CENTURIO.
CENTURIOSo, hier ist Seine Hoheit!
der es kaum wagt, den Herzog anzublicken, zu Centurio
CARAMELLOIst er sehr böse?
CENTURIOSehr!
geht ab
ganz leise
CARAMELLOEuer Hoheit.
böse
HERZOGNur näher!
Caramello geht weiter weg von ihm
HERZOGNäher!
Caramello noch einige Schritte weiter weg von ihm
HERZOGNäher!!
da Caramello abermals weiter weggeht, geht der Herzog energisch auf ihn zu
HERZOGKennst du ein Fischermädchen namens Annina aus Chioggia?
erschrickt, macht ein harmloses Gesicht, als verstünde er nicht
CARAMELLOWie, bitte?
sprudelnd
HERZOGKennst du ein Fischermädchen namens Annina aus Chioggia?
CARAMELLONicht dass ich wüsste!
HERZOGDu kennst sie nicht?
CARAMELLOIch kenne keine Annina!
drohend
HERZOGDu kennst keine Annina!
als würde es ihm plötzlich einfallen
CARAMELLO.
CARAMELLOAh, die Annina die Annina! Hoheit, warum haben Sie das nicht gleich gesagt? Die Annina! die kenne ich nicht!
HERZOGSchurke! Elender! Keine Ausflüchte! Ich weiss, Annina ist deine Geliebte!
CARAMELLOAch ja, richtig! Die Annina! Jetzt erinnere ich mich! Wo hatte ich nur meinen Kopf?
HERZOGDeinen Kopf? In einer Schlinge von Hanf wirst du ihn gleich haben, wenn du nicht alles gestehst!
CARAMELLOGnade, Hoheit! Gnade!
kniet nieder
CARAMELLOIch war ja selbst betrogen, schämte mich, meine Eselei einzugestehen, und leide seither Qualen der wildesten Eifersucht! Puh!
HERZOGDu hast auch allen Grund dazu, denn Annina gefällt mir! Ich will sie zu meiner Geliebten machen!
erschrocken
CARAMELLOHoheit, tun Sie das nicht!
HERZOGVorwärts, hilf mir das Mädchen suchen!
geht nach rückwärts
CARAMELLODa hilft nichts ich bring ihn um!
zieht ein Rasiermesser und macht an der Hand die Geste des Schleifens
kommt wieder zu ihm
HERZOGWas machst du denn da?
CARAMELLODas ist eine kleine Generalprobe für das morgige Rasieren!
Hinter der Szene Stimmen und Lachen
HERZOGKomm, vorwärts!
reicht dem Herzog die Hand
CARAMELLOHoheit, sind wir wieder gut!
lacht, klopft ihm auf die Schulter
HERZOGWer könnte dir böse sein!
vergisst sich, tätschelt dem Herzog auf die Wange
CARAMELLOEben!
Herzog und Caramello links ab
Annina. Agricola. Senatorsfrauen
kommt mit Agricola und den anderen Frauen
ANNINAIhr hättet ihn sehen müssen, wie fad er girrte....
Ihn kopierend
ANNINA"Ach, schöne Frau", winselte er, "Sie sind so zurückhaltend, so kalt!"
AGRICOLANa, und du?
ANNINAIch sagte: "Euer Hoheit verstehen eben das Einheizen nicht!"
AGRICOLADer Vergleich eines Herzogs mit einem Ofenheizer ist kühn, aber.. .
schnalzt mit den Fingern und schüttelt ihr energisch die Hand
AGRICOLA... ich achte dich! Unglaublich! Ein Mann, ein Fürst, der nur so zu machen braucht...
spreizt die fünf Finger der rechten Hand aus
ANNINAEs gibt eben noch Frauen in Italien, die, wenn er so macht...
macht dieselbe Geste wie Agricola
ANNINA... ihm so machen!
führt die gespreizten Finger an die Nase und macht so eine "lange Nase"
lachend
ALLESo!
machen dieselbe Geste
NEUNTER AUFTRITTVorige. Herzog und Caramello.
ist mit Caramello von rückwärts aufgetreten, hat die Damen beobachtet, lachend
HERZOGJa! So?
macht dieselbe Geste
aufschreiend
ALLEOh!
wollen entfliehen
HERZOGHalt! Bleiben Sie, meine Damen!
verlegen
ANNINAHoheit, ich
unterbricht sie
HERZOGPst! Seien Sie ganz ruhig. Ziehen wir einen Schleier über die Ereignisse dieses Abends!
CARAMELLOBei diesem Schleier wird mir schwarz vor den Augen!
vorwurfsvoll
CARAMELLOAnnina!
losbrechend
ANNINAAh, das geht zu weit!
unterbrechend
HERZOGGenug davon! Dort naht der grosse Maskenzug! Vergessen wir nicht, dass heut Karneval ist!
HERZOGHier fällt rauschend die Musik des Maskenzuges ein, der von rückwärts rechts aufzieht. Die Personen der neunten Szene ziehen sich nach rechts zurück, nehmen in der Loge Platz; Caramello und Annina streiten pantomimisch
Fanfaren ertönen. Dann kommen die Gondolieri mit ihren von Blumen umwundenen Rudern, eine lange Gondel in der bekannten venezianischen Form in der Mitte tragend. Darauf folgen bekannte Sehenswürdigkeiten Venedigs, personifiziert, z. B. der Uhrturm (als grosse, wandelnde Glocke, zu beiden Seiten die männlichen Figuren, die mit mächtigen Hämmern daran schlagen), die Seufzerbrücke (als Bogen, darunter ein liebendes Pärchen) usw.
hinter der Szene
DELACQUAHaltet sie!
Die Musik geht leise weiter.
ALLEWas gibt's?
von Delacqua verfolgt, eilt nach rechts vorn
CIBOLETTA.
CIBOLETTAHelft mir, helft mir! Er will mir die Maske herabreissen!
ALLEOho! Maskenfreiheit! Maskenfreiheit!
DELACQUAAch was, Maskenfreiheit! Der rote Domino ist meine Frau, meine Barbara!
HERZOGJa, wenn es seine Frau ist, muss sie sich demaskieren
zu Caramello
HERZOGJetzt werde ich endlich die echte sehen!
nimmt die Maske ab
CIBOLETTAIch bin ja die Zofe!
lachen
ALLEDie Zofe?
kläglich
DELACQUAAch da habe ich mich in der Eile vergriffen! Aber wo ist denn meine Barbara?
ruft
DELACQUABarbara! Barbara!
ihn kopierend
ALLEBarbara! Barbara!
mit Enrico von links kommend
BARBARAHier bin ich, Männchen!
DELACQUAWo warst du denn?
HERZOGDas ist sie also? Allerliebst!
BARBARADenke dir, ich hatte eine falsche Gondel bestiegen, Männchen! Vermummte Gondolieri ruderten mich trotz meines Schreiens und Weinens nach dem Lido! Enrico hat mich gerettet!
lachend
ALLEEnrico?
ENRICOJa, ich hörte die Hilferufe und rettete meine schöne Tante!
zu Enrico
AGRICOLAEnrico ich achte Sie!
schüttelt ihm die Hand
gerührt
DELACQUAEnrico, Neffe, Retter an mein Herz!
zu Barbara
HERZOGSie haben einen Neffen?
BARBARAWie alle Tanten, Herr Herzog!
für sich
HERZOGBlamiert!
laut
HERZOGCaramello, dein guter Wille gelte für die Tat! Ich mache dich zu meinem Verwalter!
CARAMELLOIch habe von Euer Hoheit nichts anderes erwartet!
auf Annina zeigend
HERZOGUnd sie wird meine Verwalterin!
CARAMELLOVerzeihung, Hoheit, die wird meine Verwalterin!
Der Herzog geht zu Annina, küsst ihr die Hand, Barbara blickt kokett auf den Herzog.
SYSTEMSchlussgesang
ALLEAlle maskiert, alle maskiert,
ALLEWo Spass, wo Tollheit und Lust regiert!
ALLEGanz ungeniert alle maskiert,
ALLECospetto, wie amüsant das wird!
Der Vorhang fällt.