Boccaccio

Suppé, Franz von

GIOVANNI BOCCACCIO (Mezzosopran/Tenor)

PIETRO, Prinz von Palermo (Tenor)

SCALZA, Barbier (Bass)

BEATRICE, sein Weib (Sopran)

LOTTERINGHI, Fassbinder (Bariton)

ISABELLA, sein Weib (Sopran)

LAMBERTUCCIO, Gewürzkrämer (Bariton)

PERONELLA, sein Weib (Mezzosopran)

FIAMETTA, beider Ziehtochter (Sopran)

LEONETTO, Student (Tenor)

Ein UNBEKANNTER

Der MAJORDOMUS des Herzogs von Toscana

Ein KOLPORTEUR

FRESCO, Lehrjunge bei Lotteringhi

CHECCO, Bettler

FILIPPA, ORETTA, VIOLANTA, Mägde

Studenten - Bettler - Gesellen - Volk

Die Handlung spielt zu Florenz im Jahre 1331

SYSTEMERSTER AKT

Freier Platz vor der Kirche Santa Maria - am Johannestag

CHECCO und die BETTLER

Heut am Tag des Patron von Florenz

Ist am Kirchtore stark die Frequenz.

Jung und alt, reich und arm,

Ohne Halt drängt der Schwarm;

Da wird reiche Ernte für uns Bettler sein!

Wenn wir flehen, bittend stehen, trägt es heut uns etwas ein!

Misericordia, pietà, moro di fame.

CHECCODu Anselmo, stehst da, Giacometto, du dort!

CHECCOTita Nana mir nah, jeder hat seinen Ort,

CHECCORecht erbärmlich nur geheult - und was einkommt, wird geteilt.

CHECCONur schnell, nur schnell an Ort und Stell'!

geheimnisvoll auftretend

LEONETTOMich erwartet Frau Beatrice - holdes Weibchen, o wie schlau!

LEONETTOihr Gemahl ist noch auf Reisen, und es langweilt sich die Frau.

LEONETTODrum vertraut sie mir den Schüsei, und ich kenn' den Weg genau.

CHORTralla la la, corn, vola alla fiera a giubilar.

LEONETTOSingt nur, Freunde, ohne mich.

Er verschwindet im Hause

CHECCOPresto avanti - jetzt acht geben. Presto ac anti! Macht's nur wie ich!

CHORSchöner Tag - Sonnenschein lockt hinaus und ladet ein.

CHORAlles reget flink die Hände, schmückt mit Kränzen kahle Wände.

CHOROi---la oila

CHORAlle Strassen bunt geschmückt, alle Mienen froh beglückt,

CHORMira quà, mira la; tutto invita a rallegrar.

CHORGuarda sù - guarda giu; tutto tenta ad alletar

CHORA giubilar. a esaltar, su, su - a vol oila!

CHORSchöner Tag - Sonnenschein usw., usw.

CHORJa der Morgen findet ganz Florenz im Freudentaumel schon,

CHORDenn wir feiern ja den Namenstag von unserm Schutzpatron!

DIE BETTLERMisericordia, pietà moro di fame.

CHORKeine Klage walte da, voll Lust soll tanzen selbst der Lahme.

CHORSeht, dort nahen dIe Studenten, stets dabei, wo Freude spriesst! -

CHORHieher, hieher, seid froh begrüsst.

STUDENTENFlotte Studiosen, hier gibt's Rosen in der herrlichsten Pracht!

STUDENTENDen Jubel zu teilen ohne Weilen sind wir bedacht!

STUDENTENGefährten, lasst eure Lieder hier ertönen!

STUDENTENMit vollstem Klang halle freudig unser Sang.

STUDENTENDas Lied erobert die Herzen aller Schönen,

STUDENTENihr Dankesblick sei dem Sänger höchstes Glück!

CHORItalia, suol di Venere l'amor in te respira

CHORLe frondi ancor si tenere ah si rivirron d'amor.

CHORAlle seid lustbereit! Weiht die Zeit der Fröhlichkeit!

CHORSchöner Tag, Sonnenschein - usw.

Der Kolporteur tritt mit einem Handwägelchen auf

KOLPORTEURNeueste Novellen aus den besten Quellen, wer kaufet? Wer?

CHORNovellen? Schnell hieher!

KOLPORTEURLangsam, will euch gleich zufriedenstellen,

KOLPORTEURNeueste Novellen, eben erschienen!

KOLPORTEURHöret und staunet und kauft geschwinde!

KOLPORTEURErst von Sacchetti sind hier Geschichten.

KOLPORTEURJa, der versteht sieh auf das Dichten, Exzellent!

KOLPORTEURWie der vollendet die Handlung wendet;

KOLPORTEURWie alles passt. wie alles klappt!

KOLPORTEURHier sein "Müller und der Abt"!

CHORWie heisst's? Der Müller und der Abt!

KOLPORTEURZehn Bajocchi, - gar kein Geld!

KOLPORTEURHier. Fiorentino, der feinste Schreiber,

KOLPORTEURDer angenehmste Zeitvertreiber - Eminent!

KOLPORTEURSein Stil ist blühend, lebendig, glühend!

KOLPORTEURMerkt auf, ihr Freunde des Skandals!

KOLPORTEURHier ,,Die Freundin des Kardinals!"

CHORDie Freundin des Kardinals!

KOLPORTEURFünfzehn Bajocchi, ein Schandpreis -

KOLPORTEURDoch mit niemand zu vergleichen und von keinem zu erreichen

KOLPORTEURUnterhält und stimmt uns froh Giovanni Boccaccio!

CHORBoccaccio! Boccaccio!

KOLPORTEURDer weiss vieles euch zu sagen, was sich niemals zugetragen.

KOLPORTEURAn Erfindung und Humor tat's ihm keiner je zuvor.

KOLPORTEURHier sein allerneuestes Thema - Spinolloccio und Zeppa!

DIE WEIBERGanz verlockend, int'ressant!

DIE MÄNNERNichts als Lüge. Schmach und Schand'!

KOLPORTEURDaraus lernt der Ehemann, wie er Rache nehmen kann.

KOLPORTEURWenn ihr leset diese Sachen, werdet bersten ihr vor Lachen!

DIE WEIBERHöchstwahrscheinlich, sehr pikant!

DIE MÄNNERLauter Unsinn, kein Verstand!

KOLPORTEURUnd was ganz besonders rar: Die Geschichte ist auch wahr!

KOLPORTEURSie soll jüngst passiert hier sein, wie's zu lesen ist haarklein!

KOLPORTEURAus dem Leben treu und wahr.

KOLPORTEURKaufet meine neuste War'. - Eine Lira 's Exemplar.

DIE MÄNNERDas ist erlogen, frech, ungezogen! Er soll sich schämen, pfui!

DIE WEIBERHaha, o seht, wie zornentbrannt,

DIE WEIBERWeil sie der Dichter hat erkannt.

DIE MÄNNERReisst den Wisch ihm ans der Hand!

DIE MÄNNERJagt ihn zum Teufel! Fort mit ihm!

DIE MÄNNERAbassso Boccaccio! Va in malora! (usw.)

DIE WEIBERNein, lasst ihn gehn! Wir wollen's lesen!

DIE WEIBEREvviva Boccaccio! Seht doch die Wut!

DIE WEIBERWie sie toben, wie sie schrein; hahaha; da soll man nicht lachen?

DIE WEIBEREtwas Wahres muss dran sein; hahaha, weil sie gar so schrein!

DIE WEIBERHaha! recht so! Uns bleibt Boccaccio!

DIE WEIBERDoch unterhaltend, stets Geist entfaltend.

DIE WEIBEREure Wut aber macht, dass man über euch lacht!

DIE MÄNNERSchämt euch! Schweiget!

DIE MÄNNERO wir treffen ihn schon irgendwo! Das geht nicht so!

DIE MÄNNERDer Wicht soll uns nicht höhnen? Nein, das soll er nicht, der Wicht!

DIE MÄNNERWenn wir ihn irgendwo wittern, greift zum Dolch!

DIE MÄNNERVor unsrer Wut soll er zittern, dieser Strolch!

DIE WEIBERVor eurem Drohen wird er schwerlich zittern,

DIE WEIBEREr fürchtet wenig sich vor solchen Rittern!

DIE WEIBERErst müsst ihr in fangen, dann wird er gehangen!

DIE WEIBERSolange wir da sind, kriegt ihr ihn nicht.

DIE MÄNNERWir packen ihn, wir prügeln ihn!

DIE MÄNNERWir töten ihn! Wir woll'n ihn massakrieren, den Wicht!

DIE MÄNNERSchweigt doch! -

DIE WEIBERJust nicht!

DIE MÄNNERSchlangen!

DIE WEIBERTölpel!

DIE MÄNNERZangen!

DIE WEIBERTröpfe! Trauet unsern Nägeln nicht.

DIE WEIBERSonst nimmt das Ding kein gutes End',

DIE WEIBERihr kennt doch unsre Nägel, Sapperment!

DIE MÄNNERTraut nur unsern Fäusten nicht,

DIE MÄNNERSonst nimmt das Ding kein gutes End',

DIE MÄNNERIhr kennt ja unsre Fäuste, Sapperment!

ZUSAMMENDas Possenspiel wird jetzt zuviel -

ZUSAMMENEs kocht das Blut in höchster Wut! Kommt nur heran!

DIE MÄNNERKommt doch, Schlangen!

DIE WEIBERKommt doch, Tröpfe!

hinter der Szene

KOLPORTEURNeueste Novellen! Aus den besten Quellen!

fortstürzend

DIE MÄNNERSeine Bücher wollen wir

DIE MÄNNERVernichten hier, sie büssen uns dafür!

nacheilend

DIE WEIBERSeine Bücher kaufen wir,

DIE WEIBERschont das Papier, es kann ja nichts dafür!

SCALZAHolde Schöne, hör' diese Töne,

SCALZAHör' mein zärtliches Liebesgestöhne!

SCALZADir, o Süsse, send' ich die Küsse,

SCALZASend' ich schmachtende Liebesgrüsse!

SCALZAMein Gesang firuliruli, firulirulera.

SCALZADieser Klang firuliruli, firulirulera,

SCALZASagt dir ja, firulirula, wer dir nah, firulirula,

SCALZADein geliebtester Gatte ist da!

Aus dem Hause Beatricens schreiend:

LEONETTOWeh mir! Hilfe!

hält betroffen inne

LEONETTOVerdammte Katzen!

SCALZAMich zu meiden, von dir zu scheiden,

SCALZAO wie nahe ging das uns beiden!

SCALZADoch zu stehen in deiner Nähen,

SCALZAO beglückendes Wiedersehen!

SCALZAMein Gesang firuliruli, firulirulera - usw.

Stimme im Hause

BEATRICEZu Hilfe! Rettet! Schnell!

zitternd

SCALZADas war Be-be-beatrice! Was mag da geschehen sein?

BEATRICEZu Hilfe, eilet zur Stell'!

SCALZAIhr zu Hilfe möcht' ich eilen, doch es zittert mein Gebein!

heraustretend

BEATRICEHilfe!

Man hört drinnen Degen klirren

SCALZAVorwärts? Mut! Ha, sie kommt - das ist gut!

SCALZALiebes Weib, wie bist du blass!

SCALZAWas ist geschehen? Oh, sag' doch - was? -

BEATRICEScalza! Mann! Du kommst mir g'rade

BEATRICEWie geschickt durch Himmelsgnade!

BEATRICENun bin ich schon wieder froh, du kommst gerade apropos!

SCALZAWas drohet dir?

BEATRICE's ist zum Verzagen!

SCALZASo sage mir -

BEATRICE's ist kaum zu sagen!

BEATRICEDoch - schweig still - hör' mich an - und erbebend bebe dann!

BEATRICEIn mein Kämmerlein drang soeben, voll Verzweiflung ein schöner Mann:

BEATRICE"Madonna, helft! Man verfolgt mich,

BEATRICEBedroht mein Leben, gönnet mir Zuflucht hier!"

BEATRICEIch versteckt' ihn - schloss die Tür. Ach - da kam ein Kavalier!

BEATRICEDer schien mir schöner fast noch als jener! -

BEATRICEWütend sprach er: "Wo steckt dieser feige Wicht!" -

BEATRICEWollt' ihn beschwören, er wollt' nichts hören,

BEATRICEStösst mich zurück und fuchtelt und haut und sticht!

BEATRICESchon wank' ich - rufe - fliehe - ach!

BEATRICEGottlob, da seh' ich in deiner Näh' mich

BEATRICEHalte mich - mir wird schwach!

SCALZASonderbares Abenteuer! Sehr kurios!

SCALZAMeine Angst ist ungeheuer, riesengross!

BEATRICEEr war so jung und schön wie Milch und Blut;

BEATRICEAus seinem Auge strahlte Liebesglut!

hinter der Szene

BOCCACCIOWart' nur, ich frikassiere dich, Bube!

ängstlich

SCALZAHa, sie sind's -- sie kommen schon heran!

hinter der Szene

LEONETTOTrotz deiner Larve kenn' ich dich, Bandit!

SCALZASie kommen, - mit - Degen. - sie drohen - mit Schlägen! -

Leonetto und Boccaccio treten fechtend aus dem Haus

parierend

LEONETTOIch geb' mich nicht zur Ruh',

LEONETTOBis nicht dein Blut hier fliesst! -

auf Leonetto eindringend

BOCCACCIOSo steh' doch, Memme, du

BOCCACCIOGleich wirst du aufgespiesst!

BEATRICEWeh uns! Wer hilft? Herbei!

BEATRICEBOCCACCIO und LEONETTO

BEATRICESo stelle dich und fürchte mich!

BEATRICEich töte dich! Stell' dich! Nun denn, hab' acht!

BEATRICEJetzt gilt's, du Memme!

SCALZAEs ist entsetzlich schauderhaft!

SCALZAIst niemand da, der Ordnung schafft?

SCALZAVon Sinnen sind sie ganz und gar.

SCALZAAch, wer hilft aus der Gefahr?

für sich

BEATRICERecht natürlich spielt das Paar!

BOCCACCIOFeigling! Verführer! Du sollst dran denken,

BOCCACCIOWill dir's nicht schenken, dich treff' ich gleich!

LEONETTOBüsse mir jetzt dafür, nimm den Streich!

LEONETTODann parier' diesen hier.

Scalza versucht zu vermitteln und wird von beiden getroffen

SCALZAAu! Au! Jeder Streich trifft mich zugleich!

SCALZABOCCACCIO und LEONETTO

SCALZAWer uns störet, hüte sich!

SCALZAWer uns wehret, fällt durch mich!

SCALZALiebes Weib, lass sie hier schrein! Gehn wir hinein!

SCALZASCALZA und BEATRICE

SCALZADas wird wohl das beste sein!

SCALZAWir schliessen dann vor jedermann uns drinnen ein.

BEATRICEWir gehn hinein!

BEATRICEBOCCACCIO und LEONETTO

BEATRICEHa, ich zeichne dir das Fell!

SCALZAIch kann vor Angst nicht von der Stell'!

BEATRICEKomm doch!

BOCCACCIOMori!

LEONETTOSchurke!

SCALZACrepa!

BOCCACCIOFeigling! Verführer! usw.

herbeieilend

DIE STUDENTENDa gibt es Rauferei! Haha, juchhei!

DIE STUDENTENGern sind wir auch dabei! Ob Spass - ob Ernst es sei!

BEATRICEJetzt sind's noch mehr! Der Tropf!

BEATRICEVor Angst verliert er ganz den Kopf!

SCALZAJetzt sind's noch mehr! Ich Tropf!

SCALZAIch weiss nicht, wo mir steht der Kopf!

SCALZABOCCACCIO und LEONETTO

SCALZAFall aus - parier' - so stich!

SCALZAZum Schluss bleib' doch der Sieger ich!

fechten

DIE STUDENTENHa, wie uns das ergötzt, Haha, juchhei!

DIE STUDENTENWenn's tüchtig Hiebe setzt. - Aus Spass wird Ernst zuletzt.

BEATRICEEr hält den Scherz für wahr! Die List gelang uns ganz und gar.

BEATRICEBOCCACCIO und LEONETTO

BEATRICEVoran! Fall aus, parier' - stoss zu,

BEATRICEBald send' ich dich zur ew'gen Euh!

SCALZAAch, schon so lang stösst man herum,

SCALZAUnd 's fällt noch immer keiner um.

SCALZABEATRICE, BOCCACCIO, STUDENTEN und VOLK

SCALZAOb Degen blitzen und klirren, gibt's doch nicht Gefahr,

SCALZADie Hiebe fallen und schwirren, flach nur immerdar.

SCALZAHier setzt es Schläge nach Noten, drum ist's im Takt geboten!

SCALZAWelch ein lustiges Stück, ha, welch liebliche Musik!

SCALZAFürchterlich die Degen klirren.

SCALZARechts und links die Hiebe schwirren,

SCALZARings umgeben von Gefahr ist man dabei fürwahr!

SCALZAEs setzet Schläge hier nach Noten, drum scheint Vorsicht mir geboten.

SCALZALeicht passiert ein Missgeschick - ziehn wir lieber uns zurück!

SCALZABOCCACCIO, LEONETTO und STUDENTEN

SCALZAFeigling, Verführer,

SCALZABüsse mir jetzt dafür! usw.

BEATRICEJa, es ist gelungen, der Sieg ist errungen, gelungen ist die List.

BEATRICEHa, er zittert, bebet, ach, der arme Narr!

SCALZAHier droht immerdar von allen Seiten uns Gefahr!

BOCCACCIOIch sehe einen jungen Mann dort stehn.

BOCCACCIONach einem fernen Gegenstande spähn;

BOCCACCIODer Gegenstand kommt näher bald heran - 's ist Weib - und Mann

BOCCACCIODas hübsche Weibchen scheint von heissem Blut,

BOCCACCIOAus ihren Augen strahlet Liebesglut;

BOCCACCIOAus ihres würd'gen Gatten Angesicht - da strahlt das nicht!

BOCCACCIODoch der Jüngling, der dort stehet, sendet einen Feuerblick,

BOCCACCIODer um Gegenliebe flehet - und sie - sendet ihn zurück.

BOCCACCIOEr ist selig - sie beglücket; auch der Gatte scheint entzücket,

BOCCACCIODass sein Weibchen gar so heiter, und zu drei'n spaziert man weiter.

BOCCACCIOAber ich hab' auf der Stelle meinen Stoff für die Novelle,

BOCCACCIONehm' die Feder gleich zur Hand.

BOCCACCIODer Gegenstand ist alt - bekannt -

BOCCACCIOUnd dennoch immer wieder int'ressant.

BOCCACCIONur muss man verstehen, im voraus zu sehen:

BOCCACCIOWas noch wird geschehen! -

BOCCACCIODas ist doch jedem klar, was hier im Werke war;

BOCCACCIOBlick, Miene, Worte Gang steh'n im Zusammenhang.

BOCCACCIOKennt man die Menschen nur, kommt leicht man auf die Spur;

BOCCACCIOHumor und Phantasie allein muss Beistand leihn.

BOCCACCIODoch davon gebühret mir ja nicht der Ruhm,

BOCCACCIODazu habt ihr mich inspiriert - und die Novelle mir diktiert!

BOCCACCIOLEONETTO und STUDENTEN

BOCCACCIOJa wir sind es, die ihn inspiriert,

BOCCACCIOWir sind's, die die Novelle ihm diktiert.

BOCCACCIODass ich erzähl', was dunkel bleiben sollt',

BOCCACCIOIst meine einz'ge Schuld, wenn ihr's so wollt;

BOCCACCIODoch diese Schuld kann oftmals, wie ich mein', Verdienst auch sein.

BOCCACCIOUnd g'rad von denen, die ich treffen wollt',

BOCCACCIOHat selten einer mir darob gegrollt;

BOCCACCIOEin jeder sagt: "Ich weiss schon, wer gemeint;

BOCCACCIODer ist's - mein Freund!"

BOCCACCIOJeder reibt sich froh die Hände, flüstert: "Recht ist ihm geschehn."

BOCCACCIODoch der Richt'ge will am Ende niemals sich getroffen sehn.

BOCCACCIO,,'s gilt dem Nachbarn wetten möcht' ich,

BOCCACCIOLängst war mir die Frau verdächtig.

BOCCACCIOEin Skandal ist's, hab' nicht recht ich?

BOCCACCIODie Entdeckung ist ganz prächtig!"

BOCCACCIODabei trägt auch dieser Gute ein Paar Hörnlein unterm Hute,

BOCCACCIOOhne dass es ihn verdriesst.

BOCCACCIOEin jeder sieht's - sobald er grüsst

BOCCACCIONur er ahnt nicht, was seiner Stirn entspriesst!

BOCCACCIOViel hundert Geschichten könnt' so ich berichten,

BOCCACCIOBrauch' gar nichts zu dichten - brauch' nur zu sehen klar,

BOCCACCIOWas hier im Werke war: Blick, Miene - usw.

Ab

BOCCACCIOFIAMETTA und PERONELLA

BOCCACCIODie Glocken läuten hell und rein,

BOCCACCIOSie laden alle Frommen ein,

BOCCACCIOMit andachtsvollem Sinn geht man zur Messe hin,

BOCCACCIOUnd denket nur an Gott allein!

PERONELLAZur Kirche ist mein liebster Gang.

verstohlen für sich

FIAMETTAWo heut der junge Mann nur steckt?

PERONELLAMein neues Kleid scheint fast zu lang.

wie oben

FIAMETTANoch hab' ich nirgends ihn entdeckt.

antreibend

PERONELLAheut darf man zu spät nicht kommen,

PERONELLAGilt's doch unserm Schutzpatron.

heimlich

FIAMETTAAch, wär' er nur hergekommen,

FIAMETTAWüsst' ich bessern Schutz mir schon!

BEIDEUnd denken nur an Gott allein - usw.

PERONELLAWie sind die Häuser bunt bekränzt!

für sich

FIAMETTASonst war er auf dem Platze hier!

PERONELLAIm Sonntagsstaate alles glänzt.

FIAMETTADann stand er dort und blickt' nach mir!

PERONELLAUm Vergebung unsrer Sünden beten heute wir zum Herrn.

FIAMETTAWüsste ich nur ihn zu finden, ich vergäb's ihm ja so gern.

BEIDEUnd denken nur an Gott allein usw.

FIAMETTAHab' ich nur deine Liebe -

FIAMETTAdie Treue brauch ich nicht.

FIAMETTADie Liebe ist die Knospe nur,

FIAMETTAaus der die Treue bricht.

FIAMETTADrum sorge für die Knospe,

FIAMETTAdass sie auch schön gedeih',

FIAMETTAAuf dass sie sich in vollster Pracht

FIAMETTAentfalten mag, o gib drauf acht.

FIAMETTAOb mit - ob ohne Treu'!

FIAMETTADenn selbst auch ohne Treue

FIAMETTAhat Liebe oft entzückt,

FIAMETTADoch Treue ohne Lieb' allein

FIAMETTAhat keinen noch beglückt!

FIAMETTADrum sorge für die Knospe,

FIAMETTAdass sie auch schön gedeih',

FIAMETTAAuf dass sie sich in vollster Pracht

FIAMETTAentfalten mag, o gib drauf acht.

FIAMETTAOb mit - ob ohne Treu'!

CHORDie Glocken läuten hell und rein - sie luden alle Frommen ein;

CHORMit andachtsvollem Sinn ging man zur Kirche hin --

CHORUm jetzt - dem Frohsinn sich zu weihn.

als Bettler

BOCCACCIO:

BOCCACCIOEin armer Blinder flehet um Erbarmen.

BOCCACCIOO habet Mitleid mit dem Los der Armen!

BOCCACCIOO spendet Trost und Hoffnung mir,

BOCCACCIOUnd heisser Dank wird Euch dafür!

zurückweichend

FIAMETTAWas hör' ich? Wie pocht das herz mir bang!

FIAMETTAJa, ja! 's ist seiner Stimme Klang!

für sich

BOCCACCIOSie zögert! Sie sinnt!

laut

BOCCACCIOEin armer Blinder flehet um Erbarmen - usw.

für sich

FIAMETTADa er ein Bettler sich genannt,

FIAMETTASei er von mir auch nicht erkannt.

FIAMETTAWill doch sehn - will doch sehn -

FIAMETTAWie sich noch wendet - dieses Spiel!

BOCCACCIOEin Wort, ein süsses Wort von Euch

BOCCACCIOMacht schnell mich gleich dem Krösus reich!

FIAMETTAEin Wort?

BOCCACCIOEin einzig trautes, süsses Wort!

FIAMETTAEin Wort?

BOCCACCIOO sprecht zu mir ein einzig Wort.

FIAMETTAEin Wort, sagt ihr?

BOCCACCIOErbarmet Euch!

FIAMETTAEin Wort von mir!

BOCCACCIOMich macht es reich, das einz'ge süsse Wort!

FIAMETTA"Nur ein Wort, - nur ein Wort!" klingt so wenig, - ist so viel!

FIAMETTASonderbar - sonderbar - scheinet mir dies kühne Spiel!

FIAMETTAist der Wunsch - ist der Wunsch auch bescheiden nur und klein,

FIAMETTAMuss man doch - muss man doch auf der Hut - bei Bettlern sein!

BOCCACCIOSolch ein Wort - solch ein Wort saget oft unendlich viel:

BOCCACCIOSonderbar - sonderbar scheinet ihr mein kühnes Spiel.

BOCCACCIOAbgetan - abgetan ist's nicht mit dem Wort allein -

BOCCACCIODoch es darf unverschämt kein Bettler sein!

BOCCACCIOIch bitt' gar schön lasst mich nicht vergeblich flehn.

FIAMETTAOhne Hoffnung indes soll von hier er nicht gehn;

FIAMETTAMich rührt des Armen bittend Flehn!

FIAMETTAGern hätt' ich Tröstung Euch gespendet -

FIAMETTADa Ihr verlor't das Augenlicht!

BOCCACCIOJa, seit ein Strahl der Sonne mich geblendet,

BOCCACCIOSah alles andre auf der Welt ich nicht!

BOCCACCIODoch kann ein einz'ger Blick von Euch

BOCCACCIODie dunkle Nacht erhellen gleich!

FIAMETTAWill doch sehn, was sein Ziel - wie sich wendet dieses Spiel!

BOCCACCIOEin Blick von Euch - ein einz'ger Blick gibt Seligkeit,

BOCCACCIOGibt Licht und Leben mir zurück!

FIAMETTAEin Blick?

BOCCACCIOO spendet mir den einz'gen Blick!

BOCCACCIOEr gibt - was ich verlor - zurück!

FIAMETTAEin Blick sagt ihr?

BOCCACCIOErbarmet Euch!

FIAMETTAEin Blick von mir?

BOCCACCIOGewährt mir gleich den holden, süssen Blick!

BEIDESolch ein Blick - solch ein Blick, ist so wenig und doch viel!

BEIDESonderbar - sonderbar scheinet ihr/mir das kühne Spiel!

FIAMETTAIst der Wunsch - ist der Wunsch, auch bescheiden nur und klein,

FIAMETTAMuss man doch, muss man doch, auf der Hut bei Bettlern sein.

FIAMETTASolch ein Wort, solch ein Blick, kündet Liebe und Glück!

BOCCACCIOAbgetan abgetan ist's nicht mit dem Blick allein -

BOCCACCIODoch es darf, doch es darf unverschämt kein Bettler sein!

BOCCACCIOErbarmet Euch, gönnet mir der Liebe süsses Glück!

FIAMETTAUnd nun fort - lasst mich gehn!

BOCCACCIOErst vergönnt -

FIAMETTAWas denn noch?

BOCCACCIOEure Hand!

FIAMETTANein, oh, nein! Stets soll ein Bettler bescheiden sein!

BOCCACCIOLebet wohl, lebet wohl.

BOCCACCIOWollt die Kühnheit mir verzeihn! Habet Dank!

BOCCACCIOIn mein Gebet schliess' ich Euch ein!

FIAMETTALebet wohl, lebet wohl! - Hübsch bescheiden müsst Ihr sein.

FIAMETTAIch verzeih'. Ja - ich will Euch verzeihn!

BEIDELebt wohl!

ALLEEhrsame Bürger der Stadt o bedenkt,

ALLEWie man behandelt uns hat und gekränkt!

ALLEUngerecht, beispiellos und schlecht ist es - wie man verfährt,

ALLEUnsre Stimme nicht hört.

ALLEDoch Boccaccio, der so uns gekränkt und verlacht -

ALLEDem sei nicht seine Strafe geschenkt; habet acht!

ALLEOhne Rast, wenn wir ihn gefasst, - büss' er die Geschicht' - eher nicht!

LOTTERINGHIDer Podestà dreht kaum sich um -

LOTTERINGHISagt kurz: Ihr seid - zu dumm!

CHORDas geht über'n Spass!

LAMBERTUCCIOMich schaut' er an, und sagte dann:

LAMBERTUCCIOIhr scheint ein Grobian.

CHORWoher weiss er das?

LOTTERINGHIIhr seid ein Tropf, sagt' er mir!

CHORDas ist sonderbar!

LAMBERTUCCIOMich warf er gar aus der Tür.

CHORDas war deutlich klar!

CHORLOTTERINGHI und LAMBERTUCCIO

CHORDoch gerächt sei der Hohn!

CHORRebellion ist nun erste Bürgerpflicht.

CHORJa, wir woll'n Satisfaktion! Rebellion!

CHORAndres Mittel gibt es nicht!

ALLEDrum voran! In Person machen wir Rebellion! Ha!

ALLEEhrsame Bürger der Stadt usw.

ALLEJa in Person gebt dem Kujon, gebt ihm den Lohn!

ALLENur so wird uns Satisfaktion! Rebellion. Rebellion!

ALLEHeute schon in Person machet Revolution!

Alle ab, ausser Scalza

hinter der Szene

STUDENTENHerr Barbier! Herr Barbier! Herr Barbier!

STUDENTENWie lange soll man warten hier!

STUDENTENTOFANO und CHICHIBIO

herauseilend, Scalza zurückhaltend

STUDENTENEi, Barbiere!

STUDENTENSchnell die Schere, sollt uns Bart und Haare kürzen.

SCALZAIch muss die Regierung stürzen.

SCALZATOFANO und CHICHIBIO

SCALZAKommt herein!

hineinrufend

SCALZANein, nein i

SCALZAGUIDO und CISTI

SCALZAZum Rasieren, zum Frisieren, ihr gehört in die Butik'!

wie vorher

SCALZAJetzt ruft mich die Politik! -

SCALZATOFANO, CHICHIBIO, GUIDO und CISTI

SCALZAKommt, bedienet uns, eilet schnell!

SCALZAMeinethalben geht zur Höll'!

BEATRICEHörst du, wie sie schrein! Seife sie doch ein!

LEONETTOMeister Scalza! Wollet endlich doch beginnen!

SCALZAMich ruft Bürgerpflicht von hinnen.

BEATRICEHinein - tu' deine Pflicht!

heraustretend

BOCCACCIOLasst die Kunden warten nicht! -

BEATRICESo geh - so geh - lass sie warten nicht! -

SCALZAKann ich rasieren ohne Licht?

SCALZABOCCACCIO, LEONETTO und die STUDENTEN

SCALZAWir warten eine Stunde, bald reisset die Geduld uns schon!

SCALZAIch mache hier Revolution, bin ja dabei die Hauptperson!

BEATRICEWart' nur, Patron, dich krieg' ich schon!

ab

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENWart' nur, Patron, dir wird dein Lohn!

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENWir demolieren das ganze Haus und werfen Stühl' und Bänk' hinaus!

SCALZALasst doch das Drohn in solchem Ton!

SCALZADa sind sie schon! sie kommen schon!

SCALZADie Rebellion beginnet schon!

Männer schleppen Pietro herbei

CHORPackt ihn, den Frechen! Es werde dem Patron verdienter Lohn!

sich sträubend

PIETRODie Herren irren sich gewiss in der Person!

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENWas ist das? Welch ein Geschrei?

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENIst das ein Spass? Rauferei?

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, MÄNNERCHORZeit ist's zu rächen,

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, MÄNNERCHORWas er an uns verbrach durch seinen Hohn!

PIETRODer Rechte bin ich nicht, versichert hab' ich's schon!

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENWen bringt hier man daher?

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENWas wollt ihr? Was soll der?

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, MÄNNERCHORWart' nur, wir lehren dich erzählen,

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, MÄNNERCHORDein Lohn soll dir nicht fehlen. -

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, MÄNNERCHORMit Püffen und Schlägen bezahlen wir dich!

PIETRONein, lasst mich los 's ist nicht für mich!

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, MÄNNERCHORFür deinen Spinelloccio, schau' her,

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, MÄNNERCHORFür deine Zeppa und dergleichen mehr

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, MÄNNERCHORNimm dies, nimm das, empfang nur bar

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, MÄNNERCHORDein wohlverdientes Honorar.

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, MÄNNERCHORFür Buffelmacco, Calandrin, Torello. Carisendi, Saladin

LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, MÄNNERCHOREmpfang nun bar dein Honorar!

PIETROSo wartet doch, und schenket mir Gehör!

PIETROIch darf nicht akzeptieren solche Ehr'!

PIETROHöret mich, höret mich, bemüht euch nicht,

PIETROIhr werten Herren, glaubet mir,

PIETROEs herrscht ein Missverständnis hier!

PIETROHöret mich, höret mich, es ist nicht wahr,

PIETROIm Irrtum seid ihr ganz und gar -

PIETROIch danke für solch Honorar!

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENDer Fremde ist's,

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENUnd für Boccaccio hält man ihn, nun wird uns alles klar.

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENO haltet ein, Boccaccio ist das nicht!

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENEin Irrtum waltet hier fürwahr

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENLasst ab, lasst ah, es ist nicht wahr!

FRAUENCHORHierher - hier findet ihr fürwahr die ganze Heldenschar;

FRAUENCHOREin Fremder auch sogar, der in Gefahr.

MÄNNERCHORFür jedes einz'ge Exemplar empfange bar dein Honorar!

erkennt Pietro

SCALZAHaltet, Hochverräter - haltet ein!

SCALZAIch erkenn' ihn - geht nicht weiter;

SCALZAWar auf Reisen sein Begleiter - Pietro ist's - Palermos Prinz!

ablassend von Pietro

CHOREr, der Prinz - ist's wahr?

SCALZADurchlaucht - Hoheit!

SYSTEMEnsemble

PIETROEin Prinz bin ich - was ist s denn mehr?

PIETROUmsonst bemüht habt ihr euch sehr

PIETROEnthüllt ist das Inkognito, noch bin ich nicht Boccaccio!

PIETROMich amüsieren war mein Zweck;

PIETRONun hab' ich zwar die Schläge weg -

PIETROIndes gehör'n sie gar nicht mein,

PIETRODrum muss ich gnädig wohl verzeihn!

PIETROBEATRICE, BOCCACCIO, ISABELLA, LOTTERINGHI und LEONETTO

PIETROEr ist ein Prinz, sonst gar nichts mehr, inkognito kam er hieher,

PIETROSich amüsieren war sein Zweck,

PIETRONun hat er zwar die Schläge weg -

PIETRODoch da dieselben nicht gehören sein,

PIETROSo muss er gnädig auch verzeihn!

CHORJa - er ist ein Prinz! Verzeiht!

CHORVerzeiht, wenn unsere freche Hand

CHOREuch hat berührt aus Missverstand.

CHORDurchlauchtigster, geruhet gnädig zu verzeihn,

CHORWie hätten sonst wir können wag'n

CHOREuch die durchlaucht'gen Rippen zu zerschlag'n,

CHORDie Schläge sollten ja für Euch nicht sein,

CHORDrum wollet gnädig uns verzeihn!

hinter der Szene

KOLPORTEURNeueste Novellen ans den besten Quellen.

KOLPORTEUR'Wer kaufet, wer?

LOTTERINGHIBoccaccio ist entronnen, doch seine Werke nicht!

LOTTERINGHIEilt, sie zu konfiszieren, dann halten wir Gericht!

CHORBestrafet den Frechen, die Flamme soll rächen!

LOTTERINGHIAuf Brüder, her mit dem Kolporteur!

CHORDie Bücher her, sie werden konfisziert,

CHORBei Gegenwehr wirst selbst du massakriert!

KOLPORTEURWie, meine Herrn, mit offner Gewalt

KOLPORTEURStör'n Sie Gewerbe, Geschäft, Unterhalt?

KOLPORTEURHab' ja dafür meine Steuern bezahlt.

LOTTERINGHISchnell erbaut den Scheiterhaufen dann,

LOTTERINGHIJener Bettler zünd' den Bettel an!

CHORSo ist's recht - so ist's gut! Den ganzen Bettel in die Glut!

als Bettler, zündet wider Willen den Scheiterhaufen an

BOCCACCIO:

BOCCACCIOMögen sie mein Werk verbrennen -

BOCCACCIOWahrheit lässt sich nicht verkennen,

BOCCACCIOWird nie vergehn, muss als Phönix auferstehn!

BOCCACCIOLOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO und SCALZA

vortretend

BOCCACCIOWas wir verdammen, das weihen wir den Flammen;

BOCCACCIOWas nus missfällt, sei vernichtet für die Welt!

BOCCACCIOWenn lodernd in Klarheit das Feuer wallt empor,

BOCCACCIOSein Werk der Bosheit auch alle Macht verlor!

BOCCACCIOBOCCACCIO, LEONETTO und STUDENTEN

ebenfalls vortretend

BOCCACCIOKrieg sei der Dummheit, rufen wir im Chore!

BOCCACCIOHoch leb' die Wahrheit, heil sei dem Humore!

BOCCACCIOWas zur Vernichtung den Flammen sie weihn,

BOCCACCIOStrahlt in hellem Schein,

BOCCACCIOLeuchtend erhellt es einst noch die Welt!

BOCCACCIOEs wird aus den Flammen als Phönix erstehn.

CHORSchüret den Flammenschein, blast in die Glut hinein; blast hinein!

CHORWas wir verdammen, das weihen wir den Flammen;

CHORWas uns missfällt, sei vernichtet für die Welt!

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENWas sie verdammen - usw.

CHORSeht die Flamme, wie sie zehrt wie sie Blatt um Blatt verheert,

CHORBlast hinein in die Flut, fachet an die Höllenglut!

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENLasst sie zehren, wild verheeren

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENDas Papier mit Wut - in der Höllenglut,

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENWird der Geist doch nie vergehn, muss als Phönix auferstehn.

SYSTEMZWEITER AKT

Platz zwischen den Häusern von Lambertuccio und Lotteringhi

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENBOCCACCIO, PIETRO und LEONETTO

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENBeim Liebchen, beim Liebehen, da ist man gern zu zwein,

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENBeim Weine, beim Weine, da sitzt sich's gut zu drei'n!

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENDoch mutterseelenallein, das soll der Mensch nicht sein.

BOCCACCIO, LEONETTO, STUDENTENImmer in undici, dodici, tredici, larala lau rataplau!

BOCCACCIOBeim Singen - da klingen vier Stimmen voll und rein;

BOCCACCIOWas drüber mag lieber als Chorus stimmen ein;

BOCCACCIODoch mutterseelenallein, das soll der Mensch nicht sein!

BOCCACCIOImmer in undici, dodici, tredici, larala lau rataplau! -

PIETROIm Wirthans da drüben, ist delikat der Wein;

PIETRONur eines ist schade: die Flaschen sind zu klein.

PIETROMit einer ganz allein lass' ich mich drum nicht ein.

PIETROImmer zu undici, dodici, usw.

LEONETTOJe mehr, desto besser! Das gilt bei Rauferei'n.

LEONETTOIm Regen von Schlägen pflegt's lustig zu sein.

LEONETTOEin einz'lner Hieb allein ist jedenfalls gemein.

LEONETTOAber zu undici, dodici - usw.

BOCCACCIODer erste der Menschen war anfangs ganz allein;

BOCCACCIOKaum hatt' er ein Weibchen, da blieb's nicht lang hei zwei'n.

BOCCACCIODie weitsten Länderein, sie wurden bald zu klein!

BOCCACCIOImmer zu undiei, dodici, - usw.

PIETROWie ist zu beneiden der Muselehemann

PIETRODer sich alle Sorten von Weibern halten kann.

PIETROJe nach dem Kurs allein kauft er am Markt sie ein.

PIETROImmer zu undici, dodici, -- usw.

LEONETTOEin Geizhals, der sammelt Dukaten gern sich ein;

LEONETTOFür ihn scheint das Zählen die höchste Lust zu sein.

LEONETTOSo zwei und drei allein, das würd' ihn wenig freun!

LEONETTOAber zu undici, dodici - usw.

BOCCACCIODes Abends beim Brunnen, pflegt's lebhaft sehr zu sein,

BOCCACCIOWenn Weibchen und Mädchen dort Neues tauschen ein.

BOCCACCIOWelch süsse Melodei'n, wenn durcheinander sie schrein

BOCCACCIOImmer zu undici, dodiei, - usw.

PIETROMein Liebchen schwor heilig:,, Dich lieb' ich nur allein!

PIETROEin andrer zieht nimmer ins Herzenskämmerlein!"

PIETRODoch teilten bald sieh drein recht zahlreich die Partei'n

PIETROImmer zu undici, dodici, - usw.

ALLE DREIWenn jetzt wir verstummen, so müssen Sie verzeihn:

ALLE DREIZu End' sind die Strophen, und uns fällt nichts mehr ein.

ALLE DREIFürs nächste Mal allein, richt'n wir uns besser ein:

ALLE DREIImmer zu undici, dodici -- usw.

vor Fiamettas Fenster

BOCCACCIOEin Stern zu sein, wie würd' mich das beglücken!

BOCCACCIOMit hellstem Schein würd' stets nach dir ich blicken!

vor Isabellens Fenster

PIETRODein Schuh zu sein - o welches Hochentzücken!

PIETRODu solltest schrein - so wollt' ich dann dich drücken!

vor Peronellas Fenster

LEONETTOZum Fensterlein will ich recht gerne blicken,

LEONETTOZu dir hinein - möcht' ich 'nen andern schicken!

ALLE DREIO hör', was Liebe spricht, lass hier umsonst mich flehen nicht!

zu Fiametta, die am Balkon erscheint

BOCCACCIOWenn mein Sang zum Ohr dir dringt, dir im Herzen widerklingt,

BOCCACCIOGib, o gib ein Zeichen mir, ob ich mich darf nahen dir!

zu Isabella, die am Fenster erscheint

PIETRO's ist romantisch unbedingt, wenn bei Nacht man Ständchen bringt;

PIETRODu im Haus - ich vor der Tür - das gibt zwei Kapitel mir!

zu Peronella, die am Fenster sichtbar wird

LEONETTOWenn mein Sang zum Ohr dir dringt,

LEONETTOFühlst du dich vielleicht verjüngt

LEONETTODas könnt' gar nicht schaden dir -

LEONETTOwär' recht angenehm auch mir!

ALLE DREIO hör', was Liebe spricht,

ALLE DREIlass hier umsonst mich flehen nicht!

LOTTERINGHITagtäglich zankt mein Weib - das ist ihr Zeitvertreib.

LOTTERINGHIDann such' ich erst durch Singen zum Schweigen sie zu bringen:

LOTTERINGHIEs zwingt mein Tralala zum Rückzug sie beinah!

LOTTERINGHITralalala la la, oio ha, oio ha!

CHOR DER GESELLENTralalala oio ha!

LOTTERINGHIKeift sie dann weiter doch, hab' ich ein Mittel noch,

LOTTERINGHIDas wirket ungleich besser: ich schlag' auf meine Fässer!

LOTTERINGHIWenn's da so hallt und knallt und schallt, weicht bald sie der Gewalt:

LOTTERINGHIBumti - rapata, bumti - rapata, bumti, bumti, humpti, rapata!

LOTTERINGHIGESELLEN mit LOTTERINGHI

LOTTERINGHIBumti rapata - usw.

LOTTERINGHIDrum kann der Fassbinder nur allein ein glücklicher Eh'maun sein!

LOTTERINGHITriumph! Sie ist entfohn vor meines Hammers Ton!

LOTTERINGHIIch tat den Feind verjagen und in die Flucht ihn schlagen,

LOTTERINGHIDrum klingt mein Tralala, jetzt wie Viktoria!

LOTTERINGHITralalala la la, ob ha, oio ha!

GESELLENTralala, la!

LOTTERINGHISchlag' ich da tüchtig drauf, kommt selbst mein Weib nicht auf.

LOTTERINGHIUnd wenn sie wiederkäme, mein Instrument ich nähme

LOTTERINGHIUnd musiziere fort, dann hör' ich gar kein Wort.

LOTTERINGHIBumti rapata, bumti rapata, bumti, bumti bumti, rapata!

LOTTERINGHIGESELLEN und LOTTERINGHI

LOTTERINGHIBumti rapata - usw.

LOTTERINGHIDrum kann der Fassbinder nur allein ein glücklicher Eh'mann sein.

LOTTERINGHIFIAMETTA, ISABELLA und PERONELLA

jede für sich

LOTTERINGHIWie pocht mein Herz so ungestüm!

LOTTERINGHIDas Briefehen hier, es kommt von ihm.

LOTTERINGHIWill lesen nun hier ungesehn,

LOTTERINGHIWas auf dem Blatt für mich mag stehn.

SYSTEMWalzer

ALLE DREIWonnevolle Kunde, neu belebend,

ALLE DREIBringen diese Zeilen, süss erhebend;

ALLE DREIUnerwartet Glück! Geblendet ist der Blick!

ALLE DREI"Bald ist er hier" - sagt dies Papier!

ALLE DREIHeute noch will er verkleidet kommen;

ALLE DREIFreudig klopft mein Herz und doch beklommen.

ALLE DREIDarf's nicht zeigen - muss verschweigen,

ALLE DREIWas die Brust erfüllt mit Lust!

ALLE DREIHier lese ich, dass er nur mich

ALLE DREIEwig will lieben; hier steht's geschrieben

ALLE DREIDeutlich und klar, innig und wahr,

ALLE DREIHab' den Beweis ich schwarz auf weiss.

FIAMETTAIn leuchtendem Schein hell strahlen die Mienen;

FIAMETTAIst Glück Euch erschienen?

PERONELLADas könnte wohl sein!

zu Fiametta

ISABELLAAuch Ihr, wie ich mein', seid freudig erregt

ISABELLAUnd heftig beweget!

FIAMETTADas ist wohl nur Schein!

FIAMETTAISABELLA und PERONELLA

für sich

FIAMETTAEs muss etwas sein!

für sich

FIAMETTAAuf meiner Hut muss ich sein!

FIAMETTAISABELLA und PERONELLA

für sich

FIAMETTANur vorsichtig sein!

ALLE DREIKaum berg' ich dies Glück für mich allein!

ALLE DREIWonnevolle Kunde, neu belebend,

ALLE DREIBringen diese Zeilen, süss erbebend! - usw.

ALLE DREIJa, die Stunde ist nah; sicher ist er bald da,

ALLE DREIEr wird kommen ----- noch heut! Welche Seligkeit!

PIETROUm die Spannung zu erhöhn, bleibt der Dichter der Novelle

PIETROUnvermutet gerne stehn bei der int'ressantsten Stelle.

PIETRODieses oft gebrauchte Mittel --- abzubrechen ein Kapitel,

PIETRODarf auch mich nicht stören hier - gab sie's zu verstehn doch mir:

PIETRODie Fortsetzung folgt, ja, die Fortsetzung folgt.

PIETROEin Roman fängt damit an, dass das Pärchen sich lernt kennen;

PIETROKaum blickt er die bide an, fühlt sie gleich ihr Herz entbrennen.

PIETROLängre Zeit vergeblich streiten sie mit tausend Schwierigkeiten,

PIETROEndlich kriegt das Paar sich doch, und natürlich heisst's dann noch:

PIETRODie Fortsetzung folgt.

im Tone eines Bauerntölpels

BOCCACCIOSo oft man mich nach "Neuem" fragt,

BOCCACCIOHab' stets 'ne Dummheit ich gesagt.

BOCCACCIOWas ich auch red' und zähle her,

BOCCACCIO's ist alles gar nichts Neues mehr;

BOCCACCIODass abends man zu Bette geht

BOCCACCIOUnd morgens nicht gern früh aufsteht,

BOCCACCIODoch dann gleich Hunger spüret sehr,

BOCCACCIODas ist Euch doch nichts Neues mehr.

BOCCACCIODass Wasser sehr gesund mag sein,

BOCCACCIODoch besser schmeckt ein Gläschen Wein -

BOCCACCIOWird oft davon der Kopf auch schwer -

BOCCACCIODas ist doch Euch nichts Neues mehr.

BOCCACCIODass Ehemänner werden oft

BOCCACCIOVon Frau'n betrogen unverhofft,

BOCCACCIOKommt nur ein Jüngerer daher,

BOCCACCIODas ist doch Euch nichts Neues mehr?

BOCCACCIODass man nach holden Mädchen blickt,

BOCCACCIOUnd oft sich stellt recht ungeschickt,

BOCCACCIOWeil gern in ihrer Näh' man wär',

BOCCACCIODas ist doch auch nichts Neues mehr!

BOCCACCIODoch wenn zu Euch ich komme heut

BOCCACCIOUnd Ihr nicht wie die andern schreit:

BOCCACCIO"Wo kommt denn dieser Dummkopf her?"

BOCCACCIOWahrhaftig, das -- was Neues wär'!

leise zu Fiametta

BOCCACCIOBenützen wir den Augenblick,

BOCCACCIOIch halte fest mein süsses Glück!

FIAMETTAIhr seid zu kühn!

BOCCACCIONahe bei dir zu weilen, in trauter Zärtlichkeit -

BOCCACCIOIst jetzt die köstlichste Gelegenheit!

FIAMETTASchweigt! Lasst mich! Ihr geht zu weit!

auf dem Baume

LAMBERTUCCIOHa! Welch Mirakel! Hi, hi, hi!

LAMBERTUCCIOJetzt schlingt er seinen Arm um sie -

LAMBERTUCCIODen eignen Augen glaub' ich kaum, o du verhexter Zauberbaum!

zu Isabella, welche Wein bringt

LOTTERINGHISchenk' ein und lade den Kavalier zum Trinken ein.

Zu Pietro

LOTTERINGHISchenk uns die Gnade zu versuchen diesen Wein!

ISABELLASchau indessen nach dem Fass!

LOTTERINGHIGar nicht nötig! Gut ist das!

ISABELLAHie und da fehlt's noch an Pech!

LOTTERINGHI's ist so dicht, als wär's von Blech -

LOTTERINGHIWenn's aber muss sein, kriech' ich nochmals hinein.

er kriecht ins Fass

zärtlich zu Isabella

PIETROWir sind allein - allein zu zwei'n -

PIETRODas trifft sich herrlich, trifft sich gut!

auf das Fass deutend

ISABELLASeid auf der Hut!

PIETRONektar wird dieser Tropfen - kredenzest du ihn mir!

PIETRODein Rosenmund bürgt mir dafür!

ISABELLAWie fein, wie zart - mein Prinz, Ihr schmeichelt mir.

LAMBERTUCCIOJetzt seh' ich gar ein zweites Paar.

im Fass

LOTTERINGHIIch seh' im Fasse nichts fürwahr!

SYSTEMEnsemble

FIAMETTAAch, umsonst mein Bemühn, den Zauber zu fliehn!

FIAMETTAUmsonst, dass ich's verschweige. - Drum gesteh' ich offen heut:

FIAMETTAMein Herz gehört Euch schon lange Zeit!

FIAMETTADa ihr flehet so heiss, nun so nehmt als Beweis einen Kuss

FIAMETTAWeil's denn durchaus sein muss! -

BOCCACCIOLasst doch dies Mühn -- Ihr könntet fliehn?!

BOCCACCIOKönntet wollen jetzt, dass ich schweige?

BOCCACCIOLaut gesteh' ich es heut, ich liebe Euch schon lange Zeit -

BOCCACCIOIch fleh' - so heiss, gebt als Beweis einen Kuss - -

BOCCACCIOWelch ein Hochgenuss!

ISABELLAAch umsonst - mein Bemühn - ob ich auch schweige,

ISABELLAMein Herz gehöret Euch schon lange Zeit,

ISABELLANun denn - so sei's, nehmt als Beweis diesen Kuss - -

ISABELLAWeil's denn durchaus sein muss!

PIETROLasst doch dies Mühn! Ihr duirf t mir nicht entfliehn,

PIETRODieses Herz gehört Euch schon lange Zeit.

PIETROIch fleh' -- so heiss - gebt als Beweis einen Kuss - -

PIETROOh, welch ein Hochgenuss!

LAMBERTUCCIOEin Hexenspuck ist das fürwahr,

LAMBERTUCCIOGeherzt, geküsst wird Paar um Paar!

LOTTERINGHINicht die kleinste Öffnung find' ich - nicht da - nicht dort,

LOTTERINGHIFüllen kann man es sofort.

ISABELLAFast zuviel ist schon riskiert.

LOTTERINGHIAlles fest, solid und dicht!

zu Lotteringhi

PIETROAlles gut mit Pech verschmieret?

LOTTERINGHIIch bemerke gar kein Licht!

Leonetto tritt auf

PERONELLAIhr wollt fliehen?

LEONETTOIch muss eilen!

PERONELLAAch, was kommt Euch in den Sinn?

LEONETTOKann nicht mehr weiten!

PERONELLADiese Eile ist auf Ehr' -- recht kurios!

LEONETTOBald kehr' ich wieder.

PERONELLAMein geliebter Freund, so kommst du mir nicht los!

LEONETTOLebt wohl für heut!

PERONELLANoch kurze Zeit!

LEONETTOMich ruft die Pflicht.

PERONELLADas glaub' ich nicht!

LAMBERTUCCIODas ist mein Weib! Mich täuscht kein Traum,

LAMBERTUCCIOO du verflixter Teufelsbaum!

Leonetto festhaltend

PERONELLADageblieben - Geliebter!

SYSTEMEnsemble

FIAMETTAAch, umsonst mein Bemühn -

FIAMETTADiesen Zauber zu fliehn - usw.

BOCCACCIOLasst doch dies Mühn,

BOCCACCIOKönntet wirklich Ihr fliehn - usw.

PERONELLANein, ich lass' Euch noch nicht fort, Ihr dürft nicht fliehn,

PERONELLAAch, zerstöret nicht die süssen Sympathien,

PERONELLAWenn auch noch mit Schüchternheit,

PERONELLAMuss ich doch gestehen heut, dass mich rührt die Zärtlichkeit -

PERONELLANein, Ihr dürft mir nicht entfliehen -

PERONELLANein, ich lasse Euch nicht ziehen --- uns vereinen Sympathien

PERONELLAOh, welche Seelenharmonien -!

PERONELLAEuch blüht dafür ein süsser Lohn durch diesen Kuss -

PERONELLAO süsser Hochgenuss!

LEONETTOWelch Geschick! - Welch ein unverdientes Glück! -

LEONETTOKann der Alten nicht entfliehn!

LEONETTOO welche Ironie - das nennt sie Sympathie!

LEONETTONun droht sie mir noch gar mit einem Kuss -

LEONETTOO süsser Hochgenuss!

ISABELLAAch, umsonst mein Bemühn, diesen Zauber zu fliehn - usw.

PIETROAch, wie bin ich so froh! Die Novelle macht sich comme il faut!

PIETRO's ist scharmant und int'ressant, zum Dichter wird man so!

PIETROAls Honorar empfang' ich bar einen Kuss -

PIETROO süsser Hochgenuss!

im Fass

LOTTERINGHINicht eine Spalte und nicht einen Riss -

LOTTERINGHISolide Arbeit ist's gewiss! - Ich finde noch kein einzig Loch!

LOTTERINGHI's gut verpicht, ringsum ist dicht der Verschluss! -

auf dem Baum

LAMBERTUCCIOHa, wie sie schnäbeln und girren süss!

LAMBERTUCCIOG'rad wie das Pärchen im Paradies!

LAMBERTUCCIOMir scheint, der Baum ward okuliert,

LAMBERTUCCIOVon dem der Sündenfall datiert - o Verdruss!

LAMBERTUCCIOEin Hexenspiel ist das fürwahr: jetzt küssen alle sich sogar!

LAMBERTUCCIOFIAMETTA, ISABELLA, BOCCACCIO und PIETRO

LAMBERTUCCIOLebt wohl - da für heut zum Scheiden Zeit! Lebt wohl!

PERONELLALebt wohl - kurze Zeit nur währt' die Freud'! - Lebt wohl!

LEONETTOLebt wohl, 's tut mir leid, doch jetzt wird's Zeit - lebt wohl!

LOTTERINGHISoviel ich mag spähen - kein Fehler zu sehen.

LAMBERTUCCIOO du verhexter Teufelsbaum!

von aussen

SCALZALambertuccio! Lotteringhi!

SCALZAHört, was Neues ich entdeckt': nur schnell heraus -

SCALZABoccaccio steckt in Eurem Haus!

zu Pietro

ISABELLAEntfliehet! Leicht könnt' man Euch entdecken.

zu Boccaccio

FIAMETTAEntfliehet! Ihr müsst Euch jetzt verstecken!

FIAMETTABOCCACCIO und PIETRO

FIAMETTAWo soll ich hin?

zu Leonetto

PERONELLAO eilet!

LEONETTOWohin denn?

PERONELLAEntflieht von diesem Ort!

LEONETTOSo komm' ich endlich fort!

von aussen

SCALZALotteringhi! Lambertuccio! Wo steckt ihr!

herabsteigend

LAMBERTUCCIOHoch auf dem Baume hier!

herauskriechend

LOTTERINGHIIch tief im Fasse hier!

SCALZALotteringhi! Lambertuccio! Macht doch auf!

SCALZALOTTERINGHI und LAMBERTUCCIO

öffnend

SCALZAWir sind schon beide da, -

SCALZASprecht, o sprecht, was ist geschehn?

SCALZAUnerhört! doch geschenkt wird ihm das nicht.

SCALZALOTTERINGHI und LAMBERTUCCIO

SCALZAIst's denn Wahrheit? Irrt Ihr nicht?

SCALZADenkt - Boccaccio, dieser Bube, steckt verkleidet hier im Haus,

SCALZADie Studenten in der Schenke schwatzten die Geschichte aus.

SCALZASelber hab' ich's dort vernommen und lief gleich zu euch hinaus.

LOTTERINGHI's war vielleicht der Offizier!

SCALZAWahrscheinlich!

LAMBERTUCCIOJener Bauerntölpel hier!

SCALZANatürlich!

LOTTERINGHIHa, jetzt wird mir manches klar -

LAMBERTUCCIOAlles wird mir offenbar!

LAMBERTUCCIOLOTTERINGHI und LAMBERTUCCIO

LAMBERTUCCIOZu foppen wagte uns der Wicht -

LAMBERTUCCIODoch triumphieren soll er nicht!

SCALZAUmzingelt ist das Haus heut kommt er uns nicht aus.

hinter der Szene

MÄNNERCHORDiesmal soll er sicher nicht entkommen!

MÄNNERCHORLOTTERINGHI und LAMBERTUCCIO

aufhorchend

MÄNNERCHORWas verkündet der Ton?

SCALZA's sind unsre Freunde draussen; sie hielten gute Wacht!

MÄNNERCHORPackt ihn! Keine Rücksicht wird genommen!

MÄNNERCHORLOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO und SCALZA

MÄNNERCHORJa, sie haben ihn schon!

LAMBERTUCCIODie Rache triumphiert, er wird zurückgebracht!

CHORVorwärts, dieses Sträuben kann nicht frommen!

CHORLOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO und SCALZA

CHORBringt ihn her, den Patron,

CHOREr hat auf unsre Kosten jetzt lang genug gelacht!

eintretend

MÄNNERCHORWart' nur, wir lehren dich erzählen,

MÄNNERCHORDein Lohn soll dir nicht fehlen,

MÄNNERCHORMit Püffen und Schlägen bezahlen wir dich!

UNBEKANNTERSo hört! Lasst ab! 'S ist nicht für mich!

UNBEKANNTERLOTTERINGHI, SCALZA und CHOR

UNBEKANNTERNimm das, nimm das!

UNBEKANNTERFür deinen Spinelloccio, schau' her!

UNBEKANNTERFür deinen Zeppa und dergleichen mehr

UNBEKANNTERNimm hier nun bar dein wohlverdientes Honorar!

UNBEKANNTERFür Buffalmacco, Calaudrin, Torello. Carisendi, Saladin

UNBEKANNTERFür jedes einz'ge Exemplar empfange blank und bar dein Honorar!

UNBEKANNTERSo wartet doch und schenket mir Gehör,

UNBEKANNTERIch darf nicht akzeptieren solche Ehr'!

UNBEKANNTERHört miel)! Bemüht, euch nicht!

UNBEKANNTERIhr werten Herren, glaubet mir,

UNBEKANNTEREs herrscht ein Missverständnis hier!

UNBEKANNTERHöret mich! Es ist nicht wahr!

UNBEKANNTERIm Irrtum seid ihr ganz und gar -

UNBEKANNTERIch danke für solch Honorar!

UNBEKANNTERFIAMETTA, ISABELLA, BEATRICE und PERONELLA

aus den Häusern kommend

UNBEKANNTERHa - ein Fremder ist's - ja, für Boccaccio hält man ihn;

UNBEKANNTERNun wird uns alles klar.

UNBEKANNTERO haltet ein, ein Irrtum waltet hier fürwahr -

UNBEKANNTERBoccaccio ist das nicht! -

UNBEKANNTERLasst ab, lasst ab, es ist nicht wahr!

erkennend

LAMBERTUCCIOHaltet! 's ist ein Irrtum - seid bedacht!

LAMBERTUCCIODieser Mann - schon halb geprügelt

LAMBERTUCCIOHat das Kostgeld mir - versiegelt -

LAMBERTUCCIOFür Fiametta stets gebracht.

LAMBERTUCCIOLOTTERINGHI, SCALZA und MÄNNERCHOR

LAMBERTUCCIOAlso nicht Boccaccio?

UNBEKANNTERSo heiss' ich nicht!

UNBEKANNTERLOTTERINGHI, SCALZA und MÄNNERCHOR

UNBEKANNTERÜberhaupt kein Dichter?

UNBEKANNTERDas weiss ich nicht!

UNBEKANNTERLOTTERINGHI, SCALZA und MÄNNERCHOR

UNBEKANNTERNicht von dem Gelichter!

UNBEKANNTERPERONELLA, BEATRICE, ISABELLA, STUDENTEN und FRAUEN

UNBEKANNTERSo endet doch die Fragerei!

UNBEKANNTERWas führt Euch her? Gestehet frei!

ALLEGestehet es freit

UNBEKANNTERich bin hier nicht von ungefähr,

UNBEKANNTERMich führt ein höh'rer Auftrag her.

ausser Fiametta

ALLEHöh'rer Auftrag! Das dachten wir uns gleich!

UNBEKANNTERFiametta, Euer Pflegekind,

UNBEKANNTERMuss fort ich führen jetzt geschwind.

FIAMETTAO mein Himmel! Vor Schrecken werd' ich bleich!

UNBEKANNTERDie Sänfte ist für Euch bereit,

UNBEKANNTERSagt Lebewohl, es drängt die Zeit.

zu Lambertuccio

UNBEKANNTERIhr wisst, von wem ich abgesandt,

UNBEKANNTERDrum denket nicht an Widerstand!

ALLESie/Ich soll fort, von diesem Ort, und sogleich?

SYSTEMEnsemble

FIAMETTAWie, so plötzlich soll ich scheiden,

FIAMETTASoll noch heute die Heimat meiden?

FIAMETTAVerlassen soll ich plötzlich hier, was teuer mir, --

FIAMETTADie Eltern, die Freunde - sie alle, und ihn, den Teuren,

FIAMETTADem dies Herz für immer angehört,

FIAMETTAIhn wiedersehen ist mir auch verwehrt.

FIAMETTABEATRICE, ISABELLA, PERONELLA, LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, SCALZA uund CHOR

FIAMETTAWie, so schnell soll sie jetzt scheiden,

FIAMETTAWas ihr lieb war, soll sie meiden?

FIAMETTASoll verlassen alle hier - die teuer ihr?

FIAMETTADas kam unerwartet, keiner hätte das gedacht.

FIAMETTAEltern, Freunde soll sie fliehen, heute noch, in dunkler Nacht

FIAMETTAMuss sie fort von hier nun ziehen? Ei, wer hätte das gedacht?

FIAMETTABOCCACCIO, LEONETTO und PIETRO

FIAMETTADiesem Hause zu entfliehn,

FIAMETTAMuss uns helfen jetzt die List.

FIAMETTALasset uns versuchen kühn, ob das Glück uns günstig ist!

FIAMETTAFertig ist bereits der Plan, zu benützen ihren Wahn,

FIAMETTAFährt der Teufel hier heraus, fasst sie alle Schreck und Graus!

BOCCACCIONur Fiametta soll zuvor vernehmen noch des Freundes Wort!

BOCCACCIOLEONETTO und PIETRO

BOCCACCIOSei behutsam, sieh dich vor

BOCCACCIODass unerkannt wir kommen fort,

BOCCACCIOSehr gefährlich ist der Ort, o wär'n wir fort!

BOCCACCIOBald helf' uns allen fort. - Nur noch ein Wort.

BOCCACCIOSeid nur bereit, bald ist es Zeit, nützt mit Geschick den Augenblick.

ALLESo lebe wohl!

FIAMETTALebt alle wohl!

BOCCACCIOBald hilft uns hier aus diesem Haus

BOCCACCIODer Teufel in Person heraus!

FIAMETTAAlle, alle lebet wohl!

ALLE ANDERENAlles sagt dir Lebewohl.

UNBEKANNTERDie Sänfte vor und steiget ein,

UNBEKANNTERWir sollten längst schon ferne sein.

FIAMETTA(sich weigernd)

FIAMETTAAch, kaum erträgt mein Herz

FIAMETTADer Trennung bittern Schmerz.

FIAMETTANein, nein, ich kann nicht gehn!

für sich

FIAMETTAIch soll so plötzlich gehn, ihn niemals wiedersehn.

laut

FIAMETTAWeh mir, was soll geschehn? O welch Geschick!

UNBEKANNTERNun folgt und fügt Euch dem Geschick,

UNBEKANNTEREuch erwartet hohes Glück!

ALLE ANDERENNur Mut! Denk' oft an uns zurück!

ALLE ANDERENLeb' wohl, es blühe stets dein Glück!

herangeschlichen

BOCCACCIO"Verzage nicht und habe acht:

BOCCACCIODein Freund ist nah - die Liebe wacht.

BOCCACCIOWohin es immer sei - ich folge dir getreu!"

FIAMETTA(für sich)

FIAMETTAWas hör' ich? Er ist es!

SYSTEMWalzer

FIAMETTAWonnevolle Kunde, neu belebend,

FIAMETTABringen diese Töne, süss erhebend.

FIAMETTAUnerwartet Glück erhellet meinen Blick;

FIAMETTAIns Herz hinein - drang Sonnenschein!

FIAMETTAFIAMETTA, BEATRICE, ISABELLA und PERONELLA

FIAMETTASüsser Trost ist plötzlich mir/ihr gekommen,

FIAMETTAFreudig pocht das Herz und doch beklommen,

FIAMETTADarf's nicht zeigen. muss verschweigen,

FIAMETTAWas die Brust erfüllt mit Lust!

FIAMETTAEin Augenblick hat mir/ihr das Glück -

FIAMETTAHat mir/ihr das Leben wiedergegeben!

FIAMETTADie Trauer flieht jetzt mein/ihr Gemüt!

FIAMETTAUnd Freude folgt dem Leide!

FIAMETTAGleich der Sonne strahlet Wonne, banges Leid fliehet weit.

FIAMETTAEs lacht Seligkeit!

FIAMETTANoch hat das Leben mir/dir Freuden zu gehen,

FIAMETTAEs lacht frohes Hoffen nun heut erneut.

FIAMETTASOLISTEN und CHOR

FIAMETTASeht doch, hell strahlt ihr Aug' in Freude;

FIAMETTAFort mit dem Leide! - Glücklich, fröhlich sollst du sein!

FIAMETTAEin Augenblick hat ihr das Glück ----

FIAMETTAHat ihr das Leben wiedergegeben!

FIAMETTADie Trauer flieht, Tröstung durchzieht jetzt ihr Gemüt!

FIAMETTAUnd Freude folgt dem Leide! Gleich der Sonne strahlet Wonne,

FIAMETTABanges Leid fliehet weit, es lacht die Seligkeit!

FIAMETTANoch hat das Leben dir Freuden zu geben:

FIAMETTAEs lacht frohes Hoffen nun heut erneut!

FIAMETTABOCCACCIO, LEONETTO und PIETRO

FIAMETTAHabt acht! Bald soll's gesehehnl

FIAMETTAWartet noch, bis sie gehn! - Dann fort! -- Habt echt!

FIAMETTAMut gefasst! - Aufgepasst! - Nicht gezagt, frisch gewagt.

FIAMETTAEs gelingt unbedingt! - Schrecken soll sie wecken!

FIAMETTAAuf den Wahn ist gebaut unser Plan!

FIAMETTASchreien wir zu dreien immer dämonisch, doch möglichst harmonisch,

FIAMETTADas wird sie erschüttern mit Zagen und Zittern,

FIAMETTASie werden 's nicht fassen, erblassen - und ziehen uns lassen.

FIAMETTAZählt auf die Feigheit, benützet mit Keckheit

FIAMETTADie Torheit, die gläubige Dummheit - seid Freunde bereit!

Boccaccio tritt in der Teufelsmaske in den Hof

FIAMETTABOCCACCIO, LEONETTO und PIETRO

FIAMETTANieder mit euch! Aus dem Wege sogleich!

FIAMETTALOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, SCALZA, BEATRICE. ISABELLA, PERONELLA und CHOR

FIAMETTADer Satan! Erbarmen!

FIAMETTABOCCACCIO, LEONETTO und PIETRO

FIAMETTASonst müsst zur Höll'

FIAMETTAAllesamt ihr zur Stell'!

FIAMETTALOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, SCALZA, BEATRICE. ISABELLA, PERONELLA und CHOR

FIAMETTAVerschonet die Armen!

FIAMETTABOCCACCIO, LEONETTO und PIETRO

FIAMETTAAus diesem Haus fährt der Teufel jetzt aus!

FIAMETTALOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO, SCALZA, BEATRICE. ISABELLA, PERONELLA und CHOR

FIAMETTAIhr Heil'gen, o stehet uns bei!

Sie stürzen zu Boden

FIAMETTABOCCACCIO, LEONETTO, PIETRO und STUDENTEN

entfliehend

FIAMETTAJuchhei!

SYSTEMDRITTER AKT

Garten des herzoglichen Palastes zu Florenz.

CHORErfrischende Quellen

CHORsind seine Novellen,

CHORdem Scherze geweiht.

CHORGern hörten wir weiter,

CHORentschwindet so heiter

CHORdabei doch die Zeit.

LAMBERTUCCIOAls ich jünger noch an Jahren, war ich hübsch und sauber sehr.

LAMBERTUCCIOAch, da hab' ich's oft erfahren, wie sich Tugend übt so schwer.

LAMBERTUCCIOWollt' ein Mägdlein mich verführen, sagt' ich, ohne mich zu rühren:

LAMBERTUCCIOWie Gott will, ich halt' still!

LAMBERTUCCIOAdam hatt' im Paradiese Langweil', drum schlief er oft;

LAMBERTUCCIOEinst lag er auf grüner Wiese, da verspürt er unverhofft,

LAMBERTUCCIOWie ihm eine Rippe sachte, ward geraubt; er schwieg und dachte:

LAMBERTUCCIOWie Gott will, ich halt' still!

LAMBERTUCCIOAls er dann sich schlecht benommen, folgend einem Weibertratsch,

LAMBERTUCCIOIst der Cherub schnell gekommen mit dem flammenden Karbatsch.

LAMBERTUCCIOEva weint, wie alle Frauen, Adam seufzt und liess sich hauen:

LAMBERTUCCIO"Wie Gott will, ich halt' still!"

LAMBERTUCCIONachbar Scalza, der entdeckte: meine Frau wär' treulos mir,

LAMBERTUCCIOUnd der Teufel, der uns schreckte - meint er - war ihr Kavalier.

LAMBERTUCCIONa, wenn's wirklich wahr sein sollte und der sie sich holen wollte -

LAMBERTUCCIOWie Gott will, ich halt' still!

BOCCACCIOMia bella fiorentina,

BOCCACCIODisprezzi l'amor.

BOCCACCIOIgnori furbettina

BOCCACCIOLe piaghe del cor.

BOCCACCIOColl' aria di contenta

BOCCACCIODerisi il mio lamento,

BOCCACCIONon calmi i mesti gemiti

BOCCACCIOCon un sorriso almen!

BOCCACCIOE pur vedrai

BOCCACCIOTi scorgerai

BOCCACCIOCome d'amor i palpiti

BOCCACCIOTi stringeranno il seno.

FIAMETTALe scalire fiorentine

FIAMETTANo sprezzan l'amor.

BOCCACCIOO, si!

FIAMETTASorrisi ed occhiatine

FIAMETTALe sorton dal cuor.

BOCCACCIONo, no!

FIAMETTASi pascon peI contento

FIAMETTADerider il lamento,

FIAMETTAE pur nascoste lagrime

FIAMETTASi lasciano fuggir!

BOCCACCIOIgnoran l'amor!

FIAMETTAAh si, vedrai ti scorgerai.

FIAMETTAQuando il bramato capita

FIAMETTAD'amore san' morire.

FIAMETTAAh, si, la bella fiorentina

FIAMETTASembra cruda, senza cuore

FIAMETTAUn sorriso, un occhiatina.

FIAMETTAFirulin, firulin, firulera

FIAMETTAL'infiamma al dolce amor!

BOCCACCIOE pur ver, che la bella

BOCCACCIOfiorentina

BOCCACCIOAl parer sembra cruda

BOCCACCIOsenza cuore

BOCCACCIOUn sospir, un languir

BOCCACCIOUna dolce occehiatina

BOCCACCIOFiruliu, firulin etc.

BOCCACCIOCosi mia fiorentina

BOCCACCIOPiù speme no ho!

FIAMETTAIl cuore la manina

FIAMETTAIo perder non vo'!

BOCCACCIOInvan io dunque gemo,

BOCCACCIOInvan d'amor io fremo.

FIAMETTASe veri son quei gemiti

FIAMETTAAllor t'aseoltaro!

FIAMETTAAh si vedrai -

BOCCACCIOTi scorgerai.

BEIDEChe dell' amor i fremiti

BEIDECon te dividero!

BOCCACCIOE pur ver etc.

FIAMETTAAh si la bella fiorentina etc.

BOCCACCIOFlorenz hat schöne Frauen --

BOCCACCIODie schönste bist du.

BOCCACCIODoch höhnst du meine Qualen

BOCCACCIOUnd lächelst dazu,

BOCCACCIODu kennest nicht die Liebe.

BOCCACCIOVerschmähst die sanften Triebe,

BOCCACCIONur Spott und kalte Grausamkeit.

BOCCACCIOSind dir die höchste Lust.

BOCCACCIOEinst sollst du sehn,

BOCCACCIOWas wird gesehehn,

BOCCACCIOWie der verschmähten Liebe Qual

BOCCACCIOMit Weh erfüllt die Brust.

FIAMETTAAuch in Florenz sind Frauen

FIAMETTANicht ohne Gefühl.

BOCCACCIOAch ja.

FIAMETTAWir kennen wohl der Liebe

FIAMETTAGefährliches Spiel.

BOCCACCIONein, Nein!

FIAMETTAWenn wir zu scherzen wagen,

FIAMETTAVerlachen Liebesklagen,

FIAMETTAWohnt doch nicht kalte Grausamkeit

FIAMETTAIn unsrer Brust allein.

BOCCACCIOIhr kennt nicht die Lieb'!

FIAMETTAKommt einst heran der rechte Mann,

FIAMETTADann nur vermag auch Amors Pfeil

FIAMETTADies herz der Lieb' zu weihn.

FIAMETTALa la, wir verschmähn nicht sanfte Triebe

FIAMETTAUnd wir kennen wohl die Liebe.

FIAMETTADoch ein Blick, ein schmachtend

FIAMETTALächeln firulin, firulera,

FIAMETTABringt uns nicht gleich Gefahr.

BOCCACCIOEs ist wahr, leider wahr,

BOCCACCIOIhr verschmäht die sanften Triebe

BOCCACCIOOffenbar kennt ihr nicht die Liebe!

BOCCACCIOAch dein Blick - gibt mir Glück,

BOCCACCIOMich beseelt dein Lächeln,

BOCCACCIOFirulin, firulera,

BOCCACCIODich lieb' ich immerdar.

BOCCACCIOSprich, Florentiner Schöne,

BOCCACCIOOb ich hoffen kann?

FIAMETTAOb treu du dich bewahrest,

FIAMETTADarauf kommt es an.

BOCCACCIOWillst du gefühllos bleiben,

BOCCACCIOMich zur Verzweiflung treiben?

FIAMETTAWenn Wahrheit deine Klagen sind,

FIAMETTANur dann erhör' ich dich!

FIAMETTAErst lass mich sehn, -

BOCCACCIOStets sollst du sehn.

BEIDEOh du in treuer heisser Glut

BEIDEFühlst wahre Lieb' für mich.

BEIDEEs ist wahr, usw.

BEIDELa la, wir verschmähn nicht es ist wahr, usw.

BOCCACCIOIhr Toren, ihr wollt hassen mich,

BOCCACCIODoch kann mir das nur schmeicheln -

BOCCACCIOLOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO und SCALZA

BOCCACCIOWie noch schmeicheln? Ha!

BOCCACCIOWenn so ihr von Boccaccio sprecht.

BOCCACCIODie Wahrheit sagte immer ich,

BOCCACCIODoch kann mir das nur schmeicheln -

BOCCACCIOLOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO und SCALZA

BOCCACCIOImmer heucheln? He, - wie?

BOCCACCIODarauf versteh' ich mich nur schlecht.

BOCCACCIOWas isl's, das ihr ,,Boccaccio" nennt?

SCALZABoccaccio ist ein Hauptfilou,

SCALZAHalunke, Himmelsapperments-Patron!

BOCCACCIOEin Etwas, das ihr gar nicht kennt.

LAMBERTUCCIOEin höchst durchtriebner, fein geriebner schlauer Fuchs,

LAMBERTUCCIOEin Allerweltsspion!

BOCCACCIODer Witz - das heitre Element!

LOTTERINGHIDie Weiber zu verführen - uns kompromittieren,

LOTTERINGHIIst ihm Hauptpassion!

BOCCACCIOWer Toren frei die Wahrheit sagt,

BOCCACCIOWird stets verklagt, verdammt, verjagt!

BOCCACCIOBEATRICE, ISABELLA und PERONELLA

BOCCACCIORecht geschieht euch, ihr seid Tröpfe,

BOCCACCIOAlte Zöpfe, hohle Köpfe!

LAMBERTUCCIONoblesse oblige, den Anstand gewahrt!

BOCCACCIODer Witz, die Laune, die

BOCCACCIOWahrheit sind schneid'ge Waffen,

BOCCACCIOWo die man schwinget, gelinget bald Sieg

BOCCACCIOzu schaffen!

BOCCACCIOBEATRICE, ISABELLA und PERONELLA

BOCCACCIOWahre, echte Heiterkeit

BOCCACCIOJedes Menschen Herz erfreut.

BOCCACCIOBOCCACCIO, LOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO und SCALZA

BOCCACCIODer Witz, die Laune, die Wahrheit sind meine/seine Waffen,

BOCCACCIOSie werden Sieg uns/ihm schaffen zu jeder Zeit!

BOCCACCIOBOCCACCIO, BEATRICE, ISABELLA und PERONELLA

BOCCACCIOHoch der Genius, der Humor

BOCCACCIOSchall's empor - wer nicht lacht der ist ein Tor, singt im Chor!

BOCCACCIOFolgt dem Wahlspruch "Frei und froh",

BOCCACCIOWie es euch/uns lehrt Boccaccio!

BOCCACCIOLOTTERINGHI, LAMBERTUCCIO und SCALZA

BOCCACCIOHoch der Genius, der Humor

BOCCACCIOSingt alles begeistert und gerührt.

BOCCACCIOEs klingt nicht übel für das Ohr,

BOCCACCIOdoch wir sind dabei blamiert.

BOCCACCIODie Weiber haben leichtes Spiel, uns zu

BOCCACCIOverlachen ist ihr! Ziel.

BOCCACCIODrum jubeln sie und singen froh und

BOCCACCIOpreisen hoch Boccacciol

BOCCACCIOWollt sichern ihr des Weibes Treu'?

BOCCACCIOFolgt meinem Rat in Eile!

BOCCACCIOLAMBERTUCCIO, LOTTERINGHI und SCALZA

BOCCACCIOWie, in Eile'? Wie? Was?

BOCCACCIOSonst tragt die Folgen in Geduld!

BOCCACCIOLeicht schleicht als Störenfried herbei

BOCCACCIOder Dämon "Langeweile"!

BOCCACCIOLAMBERTUCCIO, LOTTERINGHI und SCALZA

BOCCACCIO"Langeweile"? Wie? Was?

BOCCACCIOAn allem Übel trägt der Schuld!

BOCCACCIOBoccaccio sagt es euch voraus.

SCALZABoccaccio ist ein Hauptfilou -

SCALZAusw.

BOCCACCIOZieht nie zu Haus die Stirne kraus.

LAMBERTUCCIOEin höchst durchtriebner - usw.

BOCCACCIOSonst spriessen Hörner auch daraus!

LOTTERINGHIDie Weiber zu verführen - usw.

BOCCACCIOAuf Unterhaltung seid bedacht,

BOCCACCIOSorgt, dass das Weibchen öfters lacht.

BOCCACCIOISABELLA, BEATRICE und PERONELLA

zu den Männern

BOCCACCIOUnsre Treu' wär zuverlässlich,

BOCCACCIOWär't nicht alt ihr, dumm und hässlich!

LAMBERTUCCIONoblesse oblige!

LAMBERTUCCIODen Anstand gewahrt!

BOCCACCIODer Witz, die Laune, die Wahrheit

BOCCACCIOsind meine Waffen!

BOCCACCIOWo die man schwinget,

BOCCACCIOgelinget bald Sieg zu schaffen!

BOCCACCIODer Witz, die Laune, die Wahrheit

BOCCACCIOsind schneid'ge Waffen,

BOCCACCIOWo die man schwinget

BOCCACCIOgelinget ein fröhlich Schaffen.

ALLEHoch der Genius, der Humor, schallt's empor,

ALLEWer nicht lacht, der ist ein Tor, singt im Chor

ALLEFolgt dem Wahlspruch frei und froh -

ALLEWie es uns lehrt Boccaccio.