Sonntagmorgen

T. Gaugler

Ich weiß einen Platz am Waldessaum,

Da hab' zu manchen Stunden

Ich eingewiegt von süßem Traum

Des Friedens Glück gefunden.

Der Sonnenstrahl so warm und mild,

So licht des Himmels Bläue,

Die Luft von Blumenduft erfüllt,

O heil'ge Sonntagsweihe.

So stille rings in Wald und Feld,

Die Bäume lind nur rauschen,

Als wollte heut' die weile Welt

Dem Gottesworte lauschen.

Dem Gotteswort, das zu mir dringt,

Dort aus der Dorfkapelle,

Dem frommen Chor, der weithin klingt,

So feierlich und helle.

Und wenn das Dreimal "Heilig" schallt,

Aus jener Beter Munde,

Ist mir als ob der ganze Wald

Sich neigte in der Runde.

Als ob die Blumen rings umher

Fromm nach dem Kirchlein blickten,

Und mit der Ähren gold'nem Heer

Ihr leises Amen nickten.

Da füllt die Orgel brausend ein,

In mächt'gen Weihetonen,

Des Kirchleins Glocken klingen d'rein,

Welch Singen und welch Dröhnen.

Und mir geschieht, ich weiß nicht wie,

O Wonne ohne Namen;

Ich sinke betend in die Knie'

Und flüstre: "Amen, Amen!"