Aphorisme
T. Griebel
Du sanfter Stern, dein bleicher Schein
In grauer Morgenfinsterniß
Führt wieder mir den Tag herein,
Der meine Mary mir entriß!
O Mary, frühverblichnes Lieb,
Wo weilst Du, sel'ges Schattenbild?
Siehst Du mein Auge, thränentrüb?
Ahnst Du das Weh', das mich erfüllt?
Vergäß ich je den heil'gen Hain,
Vom Wogengrün das Ayr umsäumt,
Wo wir beim Abschiedsstelldichein
Der Liebe schönsten Tag durchträumt?
O dieser Stunde Himmelslicht
Lebt mir im Herzen, ewig klar!
Dein treuer Blick ich ahnte nicht,
Daß es für mich der letzte war!
Laut schlug den Kieselstrand der Ayr,
Durch's Dickicht sprühte hell sein Schaum,
Und Birkenzweige, blüthenschwer
Umrauschten den geweihten Raum!
Die Blumen schmückten sich zum Fest,
Von Liebe sang der Vögel Lied,
Bis ach! zu bald die Gluth im West
Des Tags beschwingte Flucht verrieth.
Erinn'rung, bittres, bittres Leid,
Das immer neu die Brust durchbebt!
Du gleichst dem Strom, der mit der Zeit
Sein Bett sich immer tiefer gräbt!
O Mary, frühverblichnes Lieb,
Wo weilst Du, seliges Schattenbild?
Siehst Du mein Auge, thränentrüb?
Ahnst Du das Weh, das mich erfüllt?