Es hat geflammt die ganze Nacht

T. Podbertsky

Es hat geflammt die ganze Nacht

Am hohen Himmelsbogen,

Wie eines Feuerspieles Pracht

Hat es die Luft durchflogen.

Und nieder sank es tief und schwer

Mit ahnungsvoller Schwüle,

Ein dumpfes Rollen zog daher

Und sprach von ferner Kühle.

Da fielen Tropfen warm und mild,

Wie lang erstickte Tränen;

Die Erde trank, doch ungestillt

Blieb noch ihr heißes Sehnen.

Und sieh, der Morgen steigt empor --

Welch Wunder ist geschehen?

In ihrem vollen Blütenflor

Seh ich die Erde stehen.

O Wunder, wer hat das vollbracht?

Der Knospen spröde Hülle

Wer brach sie auf in einer Nacht

Zu solcher Liebesfülle?

O still, o still, und merket doch

Der Blüten scheues Bangen!

Ein roter Schauer zittert noch

Um ihre frischen Wangen.

O still, und fragt den Bräutigam,

Den Lenz, den kühnen Freier,

Der diese Nacht zur Erde kam,

Nach ihrer Hochzeitfeier.