Wer weiß wo

T. Podbertsky

Auf Blut und Leichen, Schutt und Qualm,

auf roßzerstampften Sommerhalm

die Sonne schien.

Es sank die Nacht. Die Schlacht ist aus,

und mancher kehrte nicht nach Haus

einst von Kolin.

Ein Junker auch, ein Knabe noch,

der heut das erste Pulver roch,

er mußte dahin.

Wie hoch er auch die Fahne schwang,

der Tod in seinen Arm ihn zwang,

er mußte dahin.

Ihm nahe lag ein frommes Buch,

das stets der Junker mit sich trug

am Degenknauf.

Ein Grenadier von Bevern fand

den kleinen erdbeschmutzten Band

und hob ihn auf.

Und brachte heim mit schnellem Fuß

dem Vater diesen letzten Gruß,

der klang nicht froh.

Dann schrieb hinein die Zitterhand:

»Kolin. Mein Sohn verscharrt im Sand,

wer weiß wo.«

Und der gesungen dieses Lied,

und der es liest, im Leben zieht

noch frisch und froh.

Doch einst bin ich und bist auch du

verscharrt im Sand, zur ewigen Ruh,

wer weiß wo.