Maienfahrt

T. Salzmann

Der Mai bricht in den Wald herein,

Er soll uns hoch willkommen sein.

Die Röslein erwachen im grünen Wald --

Wie war der Winter lang und kalt!

Der Mai flicht bunten blühenden Kranz,

Die Knaben führen die Mädchen zum Tanz,

Tandaradei!

Fahr in den Mai!

Bald blühn im Hag die Rosen.

Die Maiensonne träufelt Gold,

Jung Heinrich ist der Kathrin hold.

Die dünkt an Ehren sich so reich,

Als hätt' sie Sitz im Himmelreich.

Wer hat sie so nachdenklich gemacht?

Wer pflanzte ihr Maien vors Fenster bei Nacht?

Tandaradei!

Fahr in den Mai!

Bald blühn im Hag die Rosen.

Zur Linde zieht der frohe Reihn,

Die schöne Kathrin geht allein.

Jung Heinrich rückt verlegen nah:

"Schön Kathrin! War heut schon einmal da!"

Von Aug zu Auge Blitze sprühn,

Und drunter rote Röslein blühn.

Tandaradei!

Fahr in den Mai!

So blühn im Hag die Rosen.

O Mädel, wo kam dein Hochmut hin?

Schlich dir ein andres in den Sinn?

Noch nie hat Kathrin so gern getanzt!

"Du Böser! hast du mir die Maien gepflanzt?"

Blaublümle steckt sie ihm ans Herz,

Und als er scheidet, fühlt sie Schmerz.

Tandaradei!

Fahr in den Mai!

Ach, blüht und duftet, ihr Rosen!

Der Frühling den Winter überwand,

Ein jedes Herz seine Wonne fand.

O eisiger Stolz, wie mußt du weichen,

Wenn warme Lieb' dich thut erreichen!

Jung Heinrich jauchzt und küßt Kathrin,

Und die lacht selig vor sich hin.

Tandaradei!

Fahr in den Mai!

Süß duften im Hag die Rosen.