An Fanny
T. Streicher
Ich sah dich nachts am Fenster stehn und weinen,
Du hast ganz still geweint und nicht geklagt.
Auch ich stand still und hab' dir nichts gesagt.
Du hattest heut zum letztenmal an deinen
nährenden Busen den geliebten Kleinen
säugend gehalten. Als ihn dann die Magd
Gebettet, mochte dir's -- du sahst verzagt
Ihn von dir nehmen -- wie ein Abschied scheinen.
Sechs milde Monde war es dein gewesen,
Das du geboren, das an dir gediehn,
Das freundliche, das hold vertraute Wesen,
Nun gabst du schweigend Seligkeit dahin.
Du standst im Dunkeln, dunkelnd abgeschieden,
Er aber schlief in ahnungslosem Frieden.