Das Waldvöglein
T. Winkelmann
Das kleine Waldvöglein
Das fliegt wohl durch die Lande.
Zur Schönsten fliegt es hin
Und sitzt am Fensterrande.
Dort hebt's zu singen an
Ein Lied von lauter Liebe.
Die Schöne hört ihm zu,
Das Herz wird ihr so trübe.
Sie seufzet tief und schwer,
Dann bricht sie aus in Klagen:
Vöglein, schöns Vögelein,
Du hast von Glück zu sagen.
Du fliegst nach deiner Lust
Und suchst dir deine Stätte.
Ich bin gebunden hier
Mit einer großen Kette.
Vermählt seit gestern erst,
Muß ich's schon heut bereuen;
Nur wer in Freiheit ist,
Mag sich des Lebens freuen.