Ein unvergessen Grab
T. Winkelmann
In jenen blauen Bergen
Ruht mir ein liebes Grab,
Schon mancher Frühling streuet
Die Blumen d'rauf herab.
Die sie mir dort begraben
Im stillen kleinen Raum,
Sie zog als junge Rose
Durch meiner Jugend Traum.
Und von den Schwestern keine
Im spätern Rosenflor
Hat mir zurückgegeben,
Was ich durch sie verlor.
Halb Kind noch und halb Jungfrau,
In heil'ger Unschuld Zier,
Gab sie die Morgenrose
Der Ersten Liebe mir.
Nur wenig Blumenmonde
Hat Gott sie mir verliehn --
Ich mußte weiter wandern,
Sie mußte weiter ziehn.
Doch tief im Herzensschreine,
Im heiligsten Verlies,
Blieb sie für dieses Leben
Mein Traum vom Paradies.
Und erst nach langen Jahren
Da fand ich auch ihr Grab,
Und habe Gott gedanket,
Was er durch sie mir gab.
Ein Blümlein auf dem Grabe
Das flüsterte empor:
Das ich sie für dies Leben,
Für jenseit nicht verlor.