Eiche im Sturm
V. Andreae
Sag, was macht, daß du stolz und stark
stehst in wilden Wetterfluten?
"Das machen die Stürme." Die Bösen! "Die Guten,
die steifen den Nacken,
die nähren das Mark."
Andere biegen, andere knacken,
krachen, brechen und zerspellen,
wenn die Stürme stöhnen und gellen,
du beharrst in der rasenden Flucht.
"Einsam wuchs ich in Sturmes Zucht;
freundlos lernt ich selber mich währen.
Fremden Schutz in eignen Gefahren
mißt ich mit Weinen, laß ich mit Lachen;
was vermöchte den Mut zu fachen
wie des Sturmes reißende Wucht?
Grimmig gründ' ich mit Wurzelgriffen
in der mächtigen Mutter Erde,
freudig reck ich die Krone ins Licht;
denn bei deinen Geierpfiffen,
Bruder Sturm, spür' ich das Werde!
Ahn' ich erschauernd ewges Gericht."