Abschiedsständchen

V. Becker

Ich schau' nach deinem Fensterlein

Heut' Abend nun das letzte Mal;

Denn mit des Tages erstem Schein

Da zieh' ich fort, so ganz allein,

Weit über Berg und Thal.

Schlaf' sanft, schlaf' sanft, mein süßes Lieb,

Muß morgen fort vom Dörfchen geh'n; --

Drum, der ich einst mein Herz verschrieb,

Ja du, die mir so treu verlieb,

Leb' wohl! auf Wiedersehn.

Und meine alte Linde du

Mit deinem kühlen Schattenraum,

Wieg' sie noch oft in süße Ruh',

Es schweb', schließt sie die Äuglein zu,

Um sie der schönste Traum.

Ihr Schwalben dort, hoch an der Wand,

Bringt morgen ihr den letzten Gruß,

Ihr Blumen auf dem Fensterrand,

Gebt, schaut sie in das weite Land,

Ihr noch den Abschiedskuß.

Ade, du liebes Pförtchen klein,

Wo ich so oft gehalten Wacht!

Ade! du liebes Fensterlein!

Und dir, du holdes Liebchen mein,

Viel tausend gute Nacht!