Gondolierlied

V. Becker

Warum sinnst du so verlassen

Dort in stiller Einsamkeit?

Steig herab von der Terrasse,

Schwarzgelockte schöne Maid!

Hang an trüben Nachtgedanken

Stumm und traurig nicht so sehr,

Komm, auf meiner leichten Gondel

Zieh hinaus in's weite Meer.

Herrlich strahlt der Mond am Himmel,

Uns umhaucht die laue Nacht,

Wir durchfliegen die Lagunen,

Und Venedigs stolze Pracht.

Raschen Flugs ist, wie die Möve,

Meine Gondel schmuck and schlank,

Und im leichten, flücht'gen Gleichmaass

Tönt der Ruderschläge Klang.

Einer holden Blume gleichst du,

Schön und lieblich anzuschaun.

Komm', und woll' im süssen Kosen

Dich der Liebe anvertraun.

Einst beherrscht' auf gold'ner Muschel

Venus das krystall'ne Grab;

Goldne Muschel ist mein Nachen,

Liebesgöttin, komm herab.