Sie mir gegrüsst, o stille Nacht

V. Becker

Sei mir gegrüßt, o stille Nacht,

Mit deiner süßen Ruh';

Des Tages Mühen sind vollbracht,

Du rufst uns Frieden zu.

Du bringst im goldnen Traumesbild

Die Jugendzeit zurück,

Was einst mit Lust das Herz erfüllt,

Und längst verlornes Glück!

Ein holder sel'ger Friede sinkt

Ins Herze mir hinein,

Wenn freundlich durch die Fenster blinkt

Des Mondes Silberschein.

Er geht im blauen Ätherschoos

Auf seiner Bahn dahin,

So stille, und so fleckenlos --

O könnt' ich mit ihm zieh'n.

Und gießen milder Freude Strahl,

Wie er, ins kranke Herz,

Und scheuchen jede bange Qual

Und lindern jeden Schmerz!

Ja, sei gegrüßt, o stille Nacht,

Wenn sich der Tag geneigt,

Und nur noch treue Liebe wacht,

Und Alles ringsum schweigt!