Wildröschen
V. Becker
O wildes Rothröschen, du einsames Kind,
Vom Regen umrauscht und gezauset vom Wind,
Wie bist du so hold und so lieblich zu seh'n,
Und blüh'st auch im Regen, in stürmendem Weh'n.
Es trauet dem Himmel die Rose am Wald,
Wird's morgen auch stürmisch und traurig und kalt,
Denn hat auch kein Mensch nach dem Röslein Gelüst,
So wird es doch Nachts von den Engeln geküßt.
O wildes Rothröschen so einsam gestellt,
Wie Unschuld vergessen, und fern von der Welt,
Doch hat auch kein Mensch nach dem Röschen Gelüst,
So wird es doch Nachts von den Engeln geküßt.