Fliegt aus dem Nest ein Vögelein
Nessler, Victor
Fliegt aus dem Nest ein Vögelein,
Fliegt gern das andre nach
Und will nicht minder glücklich sein
Und baut sich Dach und Fach.
Horch, wie es singt im grünen Wald
Von seinem Liebesglück,
Wie aus dem Busch die Antwort schallt
So hell und frisch zurück!
Verschlossen aber in der Brust
Hält's wohl den schönsten Klang,
Wie fänd' es auch für all' die Lust
Den Ton sein Leben lang?
Doch mag sich Liebe ja verstehn
Auf halbem Wege schon,
Fürwahr, und sich in's Herz wohl sehn
Auch ohne Klang und Ton.
Und ei! wie gar so bald schon fliegt
Manch Vöglein aus dem Strauch,
Eh kaum sich auf den Zweigen wiegt
Der erste Frühlingshauch.
Jung Freien! schmettert's ungescheut
Und trägt den Halm zum Nest;
Jung Freien hat noch nie gereut
Und ist das Allerbest'!