Im April

Nessler, Victor

Mir träumt, es sei der Lenz erwacht:

Die Bäume stunden in lichter Pracht,

Die Sonne schaute so golden drein,

Im Garten sangen die Vögelein;

Die ersten Blumen sah ich blühn

So morgenfrisch im jungen Grün.

Wie sprang ich hin zum Fenster gleich,

Zu grüßen jauchzend des Frühlings Reich!

Da -- lacht der Sturm mich höhnisch aus:

Bleib nur mit deinem Lied zu Haus!

Auf Wald und Flur lag tiefer Schnee,

Mein süßer Traum -- ade! ade!

Und schwer träumt' ich ein ander Mal:

Es liege verschneit das Blüthenthal;

Die Vögel waren entflogen scheu,

Der böse Winter kam auf's neu;

Ein trüber Nebel zog daher,

Lag auf dem Land so bang und schwer!

Und als ich traurig aufgewacht: -- --

O wonnige, sonnige Frühlingspracht!

Die Vöglein singen mit lautem Schall,

Die Bäume stehen voll Blüthen all!

Die Sonne so warm, die Luft so lau,

Und blitzend die Gräser im Morgenthau! --

Ein Finke schlägt im Garten hell:

Heraus, du Träumer, heraus zur Stell;

Hinweg die Sorgen, hinweg den Gram,

Der Winter schwand und der Frühling kam!

Nun lachen wir aus den Herrn April:

's muß kommen doch, wie der Lenz es will!