Nehmt Euch in Acht!

V. Righini

Nehmt Euch in Acht!

Es kehrt die treue Schwalbe wieder,

Es rauscht der Quell, es tönen Lieder,

Der holde Frühling ist erwacht;

Nehmt Euch in Acht!

Des Winters Nacht

Weicht vor dem Strahl der Frühlings-Sonne,

Die Adern der Natur schwellt Wonne

Von neuen Flammen angefacht.

Nehmt Euch in Acht!

Der Blumen Pracht

Verkündet künft'ger Monden Seegen,

Sanft sinkt ein weißer Blüthenregen.

Der Tauber girrt, die Taube lacht;

Nehmt Euch in Acht!

Habt auf Euch Acht!

Denn mit dem ersten Grün der Blätter

Kömmt der gefährlichste der Götter

Und übet doppelt seine Macht:

Nehmt Euch in Acht!

Sein Auge lacht;

Geschmückt mit Köcher, Pfeil und Bogen

Kömmt gaukelnd er daher geflogen

Und zeigt der Flügel bunte Pracht.

Nehmt Euch in Acht!

Scheut seine Macht!

Er hält den Pfeil am Rosenmunde;

Oft wird in einer schwachen Stunde

Das Herz zum Lieben angefacht.

Nehmt Euch in Acht!

Um Mitternacht

Belauscht er eine weiche Seele,

Wenn Luna nur und Philomele

Und Eure Sehnsucht wacht:

Nehmt Euch in Acht!

Er droht und lacht;

O reizt ihn nicht zum ernsten Streite,

Wenn schützend nicht an seiner Seite

Sein Bruder Hymen wacht:

Nehmt Euch in Acht!