An Theonen

V. Tomášek

„Möge dich das Glück durch Blumen leiten,

doch auch fern vergiss der Freundin nie!“

Ach, noch tönt es durch der Seele Saiten

mir wie Äols Harfenmelodie!

Dein vergessen, Mädchen sondergleichen?

Deiner Zauberreize Göttlichkeit,

deiner holden, deiner wonnereichen,

unaussprechlich sanften Weiblichkeit!

Deines Lächelns, deiner süßen Blicke,

deiner Silberstimme Lautenklang,

die so oft bei drückendem Geschicke

Frieden Gottes in die Brust mir sang!

Ja, ich will, ich will es dir gestehen,

was ich mühsam oft in mir verschloss,

wenn, vielleicht von dir nicht ungesehen,

mir die Wonneträn' ins Auge floss!

Wenn mit ihren zentnerschweren Banden

sich die Zunge länger kaum verglich!

Hier! Mit einem Worte sei's gestanden -

ach, ein kühnes Wort: Ich liebe dich!

Meines Schweigens Fessel ist zerbrochen,

mich entschlagen hätt' ich nun der Last;

o vergib mir, wenn ich mehr gesprochen,

als du, Teure, je geahndet hast!

O vergib, vergib es diesem Herzen,

das nur dich in seinen Tiefen trägt!

O vergib, vergib es diesem Herzen,

das für dich mit jedem Pulse schlägt!

Diesem Tränenblick woll'st du verzeihen,

der sich ewig deinem Blicke weiht,

deinem Bild in froher Brüder Reihen,

deinem Bild in trauter Einsamkeit.

Zwar, ich weiß, wie gern mit raschem Schlage

sich dein Herz an edle Seelen schmiegt,

weiß es, dass auf deiner Schätzungswaage

mehr ein bied'res Herz als Kronen wiegt,

weiß, wie du von je gefühlvoll eiltest,

Balsam jeder Wund' entgegentrugst,

dürfte rechnen, dass du die auch heiltest,

die du selbst, obgleich unwissend, schlugst.

Aber wenn auch - dunkler Schreckgedanke! -

ein Beglückt'rer schon sein Eigen nennt,

was so feurig meine liebekranke,

trunk'ne Seele zu besiegen brennt;

aber dennoch will ich dein gedenken,

wenn auch jeder Schein der Hoffnung flieht,

meinen Blick als Geist noch auf dich senken,

wenn dies treue Herz schon längst verglüht.