Das Röschen

V. Tomášek

Ich ging einst in der Blütenzeit

auf einer stillen Flur;

da prangt' in aller Herrlichkeit

ein Wunder der Natur.

So reich an Zauber dünkte mich

Cytherens Blume nie,

doch - falsche Hummeln jagten sich

voll Lüsternheit um sie.

Und bald vor allen Blumen war

sie meinem Herzen wert;

erzürnt schalt ich die Räuberschar,

die schmeichelnd nur verheert.

Mein ernster Wink verscheucht' im Nu

die Näscher allzumal.

Ach Gott! rief ich, wie nah warst du,

o Blume, deinem Fall!

O komm, ich will dein Retter sein!

Du blühst hinfort für mich!

Dir will ich Sorg' und Pflege weih'n,

und ewig lieb' ich dich!

So rief ich, und verpflanzte sie,

und dass sie huldreich mir

ein zweites Röschen schon verlieh,

o Schicksal, dank' ich dir!