Die Verlassene

V. Tomášek

Einsam sitz' ich da und sehne

mich nach einem treuen Freund,

einsam wein' ich manche Träne,

wie sie die Verlass'ne weint.

In dem Inner'n meines Herzens

nähr' ich tiefe Traurigkeit,

voll Gefühl des bangsten Schmerzens

klag' ich der Natur mein Leid.

Alles auf der weiten Erde,

alles freut der Liebe sich,

nur ich armes Mädchen werde

nicht geliebt und härme mich.

Soll ich einzige von allen,

meine Jugend so verblüh'n

gleich der Rose, und dann fallen

ungepflückt zur Erde hin?

Soll kein Jüngling mich beglücken,

mich mit einem Kuss erfreu'n?

Nie mich an sein Herze drücken,

nie mir seine Liebe weih'n?

Welche Leiden! Tod, ach, kürze

meine Lebenstage ab!

Ende meine Qual und stürze

mich Verlass'ne in das Grab.