Schwer ist's, das Schöne zu lassen

V. Ullmann

Schwer ist's, das Schöne zu lassen,

das in Bewegung aufsteigt,

und Gesichtern und Bäumen und Blumen,

die sich herbiegen aus goldener Vorzeit,

auch Tönen, in denen noch Sterne erstrahlen

und Worten, Götter getragen,

und Engeln, die uns umarmen,

geschwisterlichen Kusses Süße der Seele schenkend.

Aber andere Wesen weilen in dorrendem Walde,

es tropft nicht die Frucht, sie zu tränken.

Und des Todes Trommelwirbel über das Feld hin

sammelt Gespenster bei der Verwesung.

Und ich bei den Toten, mit den Bildern des Lebens,

habe die Macht, die Hölle zu übergeben sich selber.

Und weiß nicht die Schmerzen zu scheuchen

und muß sie tragen bis ans Ende der Welt.

Denn der Schweiß rinnt immer

von der Stirne der Sterbenden,

und meine Seele ist unwert

mehr als ein Laken zu sein,

ihn wegzuwischen.